12.500 BRIE­FE GEGEN EINSAMKEIT

Irene L. Bär

Ire­ne L. Bär
04.05.2021

An 30 Orten machen tau­sen­de jun­ge Briefschreiber_innen mit Hil­fe der young­ca­ri­tas älte­ren Men­schen und Men­schen mit Behin­de­rung eine Freude. 

Bereits 12.500 Brie­fe sind so zusam­men­ge­kom­men. Sie zei­gen eine Ver­bun­den­heit über Genera­tio­nen hin­weg. Gera­de in Zei­ten des “Abstand hal­tens” ist es wich­tig zu spü­ren: Jemand denkt an mich!
Viel Zeit nah­men sich die Briefschreiber_innen für ihre Wer­ke Foto: Ire­ne L. Bär

Auf­ruf zu Hilfs­be­reit­schaft und Zusammenhalt

Ab März 2020 konn­ten auf­grund der Pan­de­mie vie­le Men­schen von einem Tag auf den ande­ren nur noch ein­ge­schränkt sozia­le Kon­tak­te pfle­gen. Stark davon betrof­fen sind Senior_innen und Men­schen die in Ein­rich­tun­gen leben. Vor allem bei älte­ren Men­schen über 80 Jah­re besteht ein hohes Risi­ko sozia­ler Iso­la­ti­on, gera­de wenn Erkran­kun­gen, ein­ge­schränk­te Mobi­li­tät oder Alters­ar­mut hin­zu­kom­men oder lang­jäh­ri­ge Weggefährt_innen ver­stor­ben sind. Zeit­gleich ent­stand von Anfang an gera­de bei vie­len jun­gen Men­schen das Bedürf­nis in die­ser Kri­se zu hel­fen und sich zu enga­gie­ren. Bereits im März 2020 rie­fen daher meh­re­re young­ca­ri­tas-Orte dazu auf, Brie­fe und Post­kar­ten an die­se Men­schen zu schrei­ben und stie­ßen damit auf viel Reso­nanz. Die Brie­fe sol­len hel­fen, auch unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen in Kon­takt mit­ein­an­der zu kom­men, sich aus­zu­tau­schen und Hoff­nung zu machen. “Mir ist es wich­tig, dass die Men­schen auch in so einer Pha­se zusam­men­hal­ten und ich hof­fe, dass vie­le ande­re eben­falls Brie­fe schrei­ben, damit sich bei­spiels­wei­se die Bewohner_innen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen freu­en kön­nen”, sagt Sophie, 19 Jah­re, aus Nord­rhein West­fa­len. Ziel der Akti­on ist es, den Men­schen eine Freu­de zu berei­ten, gleich­zei­tig Ein­satz­mög­lich­kei­ten für Hilfs­be­reit­schaft zu schaf­fen und zusätz­lich für das Pro­blem der Ein­sam­keit zu sensibilisieren. 

Fir­men, Schu­len, Medi­en — Gro­ße Reso­nanz für die Aktion

Die Idee brei­te­te sich im young­ca­ri­tas-Netz­werk schnell aus, über 30 young­ca­ri­tas-Orte rie­fen Aktio­nen ins Leben. Unter dem Titel #digi­ta­lebrief­tau­be konn­ten die Brie­fe auch als Foto ein­ge­sandt oder ein Video pro­du­ziert wer­den, man­cher­orts lagen aus­füll­ba­re Post­kar­ten in Geschäf­ten aus. Kita-Grup­pen und Schul­klas­sen gestal­te­ten Bil­der und Brie­fe gemein­sam im Unter­richt — Zwei­drit­tel der Ein­sen­dun­gen kamen von Kin­dern und Jugend­li­chen unter 18 Jah­ren. Jun­ge Erwach­se­ne wur­den über Social Media auf die Akti­on auf­merk­sam, gro­ße Unter­neh­men schlu­gen ihren Mitarbeiter_innen vor, Brie­fe zu schrei­ben, der Deut­sche Brief­tau­ben­züch­ter­ver­band, zwei TV-Maga­zi­ne und meh­re­re Influencer_innen rie­fen zur Teil­nah­me auf – vor allem nach­dem die Tages­schau auf Social Media auf die Akti­on hin­ge­wie­sen hatte.
Begeg­nung am Kran­ken­bett — Cari­tas-Alten­zen­trum St. Mater­nus In Köln

Glück- und Segenswünsche

Vor allem über die Ein­rich­tun­gen der Cari­tas gelang­ten die Brie­fe und Post­kar­ten an ihre Empfänger_innen. Rund die Hälf­te der Brie­fe wur­den an Seni­or_in­nen-Ein­rich­tun­gen ver­mit­telt. Dort wer­den sie oft­mals in der Grup­pe vor­ge­le­sen. Auch älte­re Men­schen, die zuhau­se leben und von einem Pfle­ge­dienst betreut wer­den, erhal­ten Brie­fe, sowie Geflüch­te­te, Men­schen mit Behin­de­rung und Ein­zel­per­so­nen. Eini­ge der Senior_innen haben Dan­kes­brie­fe an die Absender_innen ver­fasst: “Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umar­men”, schrei­ben bei­spiels­wei­se Mar­lies (93) und Gud­run (77) in einem Antwort-Brief.

“Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umarmen.”

Quer durch Deutsch­land wur­den die Brie­fe ver­schickt – ein Umstand, der vie­le Empfänger_innen beson­ders erfreut hat. Selbst aus Madrid, Hong­kong und Argen­ti­ni­en kam Post. Vie­le der Ein­sen­dun­gen sind mit viel Lie­be und Herz­blut gestal­tet: gemal­te Bil­der, eige­ne Tex­te, Rät­sel, Gedich­te, klei­ne Geschen­ke — so hat zum Bei­spiel der Dich­ter „Sebas­ti­an 23“ das Gedicht “Kar­las Geburts­tag” für die Senior_innen ver­fasst und selbst vor­ge­le­sen. Hier fin­den Sie Bei­spie­le.
Esther Schie­ßer von der young­ca­ri­tas Würz­burg hat beob­ach­tet: „Aus den Brie­fen der Kin­der und Jugend­li­chen spricht eine gro­ße Sehn­sucht nach mehr Gemein­schaft, aber auch viel Hoff­nung, Zuver­sicht und Soli­da­ri­tät. Die Brie­fe zei­gen eine Ver­bun­den­heit über die Genera­tio­nen hin­weg. Die Bot­schaft ist meist: Ja, es ist schwie­rig, aber wir ste­hen das alle gemein­sam durch!“Hier geht es zur Web­site zur Akti­on Brief­tau­be.

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