Herzwerker_innen gesucht!

Dohmann-Bannenberg
Ute Doh­mann-Ban­nen­berg 09.12.2021

#Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam, – die Gesell­schaft jeden Tag ein biss­chen inklu­si­ver. Men­schen mit Behin­de­run­gen und Hei­ler­zie­hungs­pfle­gen­de, Sei­te an Sei­te. Der Fach­ver­band Cari­tas Behin­der­ten­hil­fe und Psych­ia­trie e.V. (CBP) macht mit sei­ner Kam­pa­gne sicht­bar, was Fach­kräf­te in der Behin­der­ten­hil­fe leis­ten und wor­auf es in die­sem Beruf ankommt. 

Tsio­ry, Hei­ler­zie­hungs­pfle­ger im zwei­ten AZU­BI-Jahr, erzählt von sei­ner Arbeit mit Men­schen mit Behin­de­run­gen – und zeigt, was einen in die­sem Beruf erwar­tet. Mit vol­lem Namen heißt er Tsio­ri­na­va­lo­na Tiaray Rabema­n­ant­soa. Tsio­ry, wie er sich nen­nen lässt, ist 25 Jah­re alt, kommt aus Mada­gas­kar und ist im zwei­ten Aus­bil­dungs­jahr zum Hei­ler­zie­hungs­pfle­gen­den bei der gemein­nüt­zi­gen GmbH „Cari­tas Woh­nen im Erz­bis­tum Pader­born“. Immer wie­der huscht ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er nach sei­nem Arbeits­all­tag gefragt wird. Man merkt ihm an, dass ihm sein Beruf Spaß macht und er ger­ne mit Men­schen zusam­men ist. 

„Ohne Herz funk­tio­niert alles nicht“

Dass er bei der Foto­se­rie mit­ma­chen durf­te, die im Rah­men der Fach­kräf­te-Kam­pa­gne des Cari­tas Behin­der­ten­hil­fe und Psych­ia­trie e.V. (CBP) ent­stan­den ist, war sein schöns­tes Erleb­nis der letz­ten Wochen und macht ihn sehr stolz. Auf die Fra­ge, was ihn moti­viert hat, Hei­ler­zie­hungs­pfle­ger zu wer­den, sagt er, dass es etwas ganz ande­res ist, mit Men­schen mit Behin­de­rung zu arbei­ten:„Wir haben immer Kon­takt mit Men­schen – das ist manch­mal nicht ganz ein­fach. Dafür muss man Sym­pa­thie haben, und: ohne Herz funk­tio­niert alles nicht. Außer­dem muss man Geduld haben – man macht nicht ein­fach nur sei­ne Arbeit und ist fer­tig. Wir müs­sen uns Zeit neh­men für unse­re Klient_innen, die brau­chen ein­fach Auf­merk­sam­keit – und die müs­sen wir ihnen geben.“ 
Wenn man mit Men­schen mit Behin­de­run­gen arbei­tet, so Tsio­ry, braucht man als Vor­aus­set­zung im Grun­de genau dies: Man muss auf­merk­sam und für sei­ne Kli­en­ten prä­sent sein. Alles ande­re lernt man durch sei­ne Kolleg_innen und in der Schu­le – und vor Ort. Prä­sent sein, das heißt für Tsio­ry, wach sein und auf die Men­schen fokus­siert. „Ich bin da für sie, für die Klient_innen, und nicht für mei­ne Arbeit.“ 

„Man muss Geduld haben – man macht nicht ein­fach nur sei­ne Arbeit und ist fer­tig. Wir müs­sen uns Zeit neh­men für unse­re Klient_innen, die brau­chen ein­fach Auf­merk­sam­keit – und die müs­sen wir ihnen geben.“

„Ich über­le­ge, ob es zu dem passt, was sie erwarten“

Wenn Tsio­ry bei­spiels­wei­se zusam­men mit ihnen einen Salat schnip­pelt, dann geht es nicht um den Salat. Son­dern es geht dar­um, den Men­schen das zu geben, was sie haben möch­ten. „Ich schnei­de Gemü­se und über­le­ge dabei, ob es zu dem passt, was sie erwar­ten.“ Wenn er sei­ne Arbeit macht, beschäf­tigt ihn das auch noch wei­ter. „Es bleibt etwas für die Zukunft. Wenn ich mit einem Men­schen arbei­te, über­le­ge ich, was bringt die­se Arbeit? Wofür mache ich die­se Arbeit? Wenn ich zum Bei­spiel mit Kli­en­ten einen Spa­zier­gang mache, ist das gut für ihre Gesund­heit. Aber ich mache auch etwas Beson­de­res. Sie haben ihre täg­li­che Rou­ti­ne, aber dazu kommt noch etwas Neu­es in ihr Leben.“ 

„Es kommt etwas Neu­es in ihr Leben.“

Auch ihm selbst gibt die­se Arbeit viel. „Was zurück­kommt, ist nicht, was wir erwar­ten. Auch eine klei­ne Reak­ti­on ist schon viel. Ich weiß, wie die­se Men­schen sind – und wenn sie reagie­ren, ist das schon gut und wie eine klei­ne Res­sour­ce für den nächs­ten Tag.“Nähe zu den Men­schen auf­zu­bau­en, fällt ihm leicht. Das kommt von sei­ner Kul­tur und der Erzie­hung durch sei­ne Eltern. Als er nach Deutsch­land kam, war das schon ein klei­ner Schock für ihn, „hier gibt es mehr Distanz“. Für Tsio­ry dage­gen liegt es in sei­ner Natur, auf die Men­schen zuzu­ge­hen und ihnen nah zu sein. 
Hier­zu­lan­de kommt es bei der Arbeit mit Men­schen mit Behin­de­rung dar­auf an, ihnen auf Augen­hö­he zu begeg­nen, wie er selbst schon fest­ge­stellt hat. Die­se Hal­tung kommt auch auf den Fotos von ihm zum Aus­druck. „Wir sind alle Men­schen und wir ste­hen auf der glei­chen Stu­fe“, sagt er dazu nüch­tern. „Die Men­schen mit Behin­de­run­gen haben ihre eige­ne Mei­nung und sie haben ihr Recht. Ich respek­tie­re, was sie mei­nen und was sie tun.“ Das hat er hier gelernt – nicht spe­zi­ell in der Aus­bil­dung, son­dern gene­rell in Deutschland. 

„Wir hel­fen Men­schen mit Behin­de­rung, ihre Zie­le zu erreichen“

Was Tsio­ry in Deutsch­land macht, kann er sei­nen Ver­wand­ten nur schwer erklä­ren, weil es die­sen Beruf in Mada­gas­kar nicht gibt. Aber er ver­sucht deut­lich zu machen, wie wich­tig sei­ne Arbeit ist – dass er die Kli­en­ten beglei­ten und ihnen hel­fen kann, weil sie spe­zi­el­le und pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung brauchen.

Wenn er mit sei­nen Freun­den in Deutsch­land spricht und sagt, dass er Hei­ler­zie­hungs­pfle­ger ist, bleibt der Begriff „Pfle­ge“ in den Köp­fen hän­gen. „Aber es ist nicht nur Pfle­ge“, sagt er dann, „Hei­len‘ und ‚Erzie­hung‘ gehö­ren auch dazu. Wir machen mehr als Pfle­ge, erklä­re ich ihnen.“
Um ver­ständ­lich zu machen, was er meint, führt er aus: „Wenn ein Mensch sich nicht bewe­gen kann, wenn er im Roll­stuhl sitzt und bestimm­te Din­ge im täg­li­chen Leben nicht tun kann, kommt der Pfle­ger und hilft den Men­schen – mit allen pfle­ge­ri­schen Mit­teln“, führt er aus und wählt sei­ne Wor­te spür­bar mit Bedacht. „Aber danach gibt es noch ein ande­res Leben. Es geht nicht nur um Pfle­ge. Wir sind da für die Men­schen. Die­se Men­schen haben ein Ziel im Leben. Wir Hei­ler­zie­hungs­pfle­gen­den sind dafür da, den Men­schen zu hel­fen, ihre Zie­le zu erreichen.“

 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu dem Berufs­bild der Hei­ler­zie­hungs­pfle­ge erhal­ten Sie auf fol­gen­der Sei­te: https://www.cbp.caritas.de/themen/fachkraefte/was-machen-fachkraefte-in-der-behindertenhilfe/was-machen-fachkraefte-in-der-behindertenhilfe

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