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NIE­MAND DARF SOZI­AL ABSTÜRZEN!

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Deut­scher Cari­tas­ver­band e.V.
09.07.2021



Woh­nen, Bil­dung, Armut: Coro­na hat ein­mal mehr gezeigt, wie unter­schied­lich Lebens­be­din­gun­gen in Deutsch­land sind. 

Damit Men­schen in schwie­ri­gen, aber auch bis­lang gere­gel­ten Lebens­ver­hält­nis­sen nicht in sozia­le Not­la­gen gera­ten, muss das Netz sozia­ler Siche­rung fes­ter geknüpft wer­den. Des­halb for­dert die Cari­tas eine bes­se­re sozia­le Absi­che­rung, Maß­nah­men gegen Kin­der­ar­mut und für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Sozia­le Siche­rungs­sys­te­me auf Lücken überprüfen

Die Pan­de­mie hat gezeigt, wie ent­schei­dend eine funk­ti­ons­fä­hi­ge sozia­le Infra­struk­tur für das Wohl­erge­hen der Men­schen und für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt ist. Von Kran­ken­haus, zur All­ge­mei­nen Sozi­al­be­ra­tung bis hin zu bezahl­ba­rem Wohn­raum und fami­li­en­freund­li­cher, fair bezahl­ter Arbeits­plät­ze: Die sozia­le Infra­struk­tur muss umfas­send und für alle vor­han­den sein. Jeder Mensch muss die Ange­bo­te dort in Anspruch neh­men kön­nen, wo er lebt. Der Zugang zu ver­läss­li­cher Kin­der­be­treu­ung, Gesun­d­heits- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen oder zu Bera­tung in schwie­ri­gen Lebens­pha­sen, muss für alle gewähr­leis­tet sein.

Um die sozia­le Infra­struk­tur zu stär­ken, for­dern wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung unter anderem:

  • Die prä­ven­ti­ve Schuld­ner­be­ra­tung braucht einen ver­an­ker­ten Rechts­an­spruch und die Sucht­be­ra­tung muss mit einer kos­ten­de­cken­den, bun­des­weit ein­heit­li­chen und ver­läss­li­chen Finan­zie­rung der Grund­ver­sor­gung aus­ge­stat­tet werden.
  • Hand­lungs­be­darf besteht auch bei der ange­mes­se­nen Unter­brin­gung von woh­­nungs- und obdach­lo­sen Men­schen und der ord­nungs­recht­li­chen Unter­brin­gung, unab­hän­gig von der Staatsangehörigkeit.
  • Die Sprach­bar­rie­re ist unter ande­rem eine gro­ße Hür­de zu Ange­bo­ten der Daseins­vor­sor­ge. Die­se Hür­den müs­sen besei­tigt wer­den, nicht zuletzt durch Sprach­ver­mitt­lung für Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Behör­den und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen müs­sen sich inter­kul­tu­rell öff­nen, um der Viel­falt der Gesell­schaft Rech­nung zu tragen.
  • Die Kom­mu­nen müs­sen finan­zi­ell so aus­ge­stat­tet sein, dass sie eine ver­läss­li­che Finan­zie­rung der Daseins­vor­sor­ge und ein ange­mes­se­nes Ange­bot sozia­ler Infra­struk­tur­leis­tun­gen gewähr­leis­ten können. 

Bil­dungs­ge­rech­tig­keit jetzt end­lich umsetzen

Kin­der wach­sen in ers­ter Linie in Fami­li­en auf. Die Fami­lie hat ent­schei­den­den Ein­fluss auf die per­sön­li­che Ent­wick­lung und die Bil­dung von Kin­dern. Um Kin­der­ar­mut zu ver­mei­den müs­sen wir des­halb das fami­liä­re Umfeld, die öko­no­mi­sche Situa­ti­on der Eltern und die Erzie­hungs­kom­pe­tenz unter­stüt­zen. Auch Gewalt gegen Kin­der muss ver­hin­dert wer­den. Bera­­tungs- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für die Eltern sowie Bil­­dungs- und Bera­tungs­an­ge­bo­te für Kin­der und Jugend­li­che sind dafür unverzichtbar.

Die Bil­dungs­chan­cen von Kin­dern sind dar­über hin­aus sehr unter­schied­lich aus­ge­prägt und wer­den zudem von der sozia­len Her­kunft beein­flusst. Jugend­li­che aus bil­dungs­fer­nen Eltern­häu­sern errei­chen das Abitur deut­lich sel­te­ner (39 Pro­zent) wie Jugend­li­che aus bil­dungs­na­hen Eltern­häu­sern (81 Pro­zent). Durch die Coro­­na-Maß­­nah­­men ist die Ungleich­heit der Bil­dungs­vorraus­set­zun­gen und ‑chan­cen zusätz­lich ver­schärft worden.

Um eine gute früh­kind­li­che Bil­dung, Betreu­ung und Erzie­hung sicher­zu­stel­len, for­dern wir unter ande­rem von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen müs­sen in ihrer Bedeu­tung für die Gesell­schaft und inner­halb des Bil­dungs­sys­tems durch bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen gestärkt wer­den. Denn sie sind für über 90 Pro­zent der Kin­der die ers­te außer­fa­mi­liä­re Bil­dungs­in­sti­tu­ti­on und beson­ders für Kin­der aus benach­tei­lig­ten Fami­li­en ent­schei­dend für die Bildungsbiografie.
  • Der Anspruch auf Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schul­kin­der muss als ein Rechts­an­spruch auf ein Ange­bot von Erzie­hung, Bil­dung und Betreu­ung ver­an­kert wer­den und über einen rei­nen Betreu­ungs­an­spruch hin­aus­ge­hen, um die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Kin­der mit einem umfas­sen­den Bil­­dungs- und Teil­ha­be­ver­ständ­nis zu för­dern.
  • Die Leis­tun­gen und Ange­bo­te der Kin­­der- und Jugend­hil­fe müs­sen von Anfang an auch für alle Kin­der und Jugend­li­che im Asyl­ver­fah­ren offenstehen.
  • Schu­len müs­sen in die Lage ver­setzt wer­den, allen Kin­dern und Jugend­li­chen Zugang zu digi­ta­len End­ge­rä­ten zu ver­schaf­fen. Wir for­dern dafür eine Rege­lung im Bil­­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket.
  • Schul­so­zi­al­ar­beit muss sys­te­ma­tisch aus­ge­baut, abge­si­chert und als Ange­bot der Kin­­der- und Jugend­hil­fe gestärkt werden.

Kin­der­re­gel­sät­ze und die Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen ins­ge­samt real berechnen

In Deutsch­land wächst mehr als jedes fünf­te Kind in Armut auf. Das sind 2,8 Mil­lio­nen Kin­der unter 18 Jah­ren. Der aktu­el­le Armuts- und Reich­tums­be­richt zeigt, dass sich Armut ver­fes­tigt. Ein hoher Anteil der Kin­der aus Armuts­la­gen befin­det sich auch noch im jun­gen Erwach­se­nen­al­ter in die­ser Situa­ti­on. Allein­er­zie­hen­de und Mehr-Kind-Fami­­li­en wei­sen zudem ein über­durch­schnitt­li­ches Armuts­ri­si­ko auf. Auch wenn Armut vie­le Ursa­chen hat und mehr als nur der Man­gel an öko­no­mi­schen Res­sour­cen ist, kommt der Ein­kom­mens­ar­mut von Fami­li­en eine beson­de­re Bedeu­tung zu.  

Um den Ursa­chen für Kin­­der- und Jugend­ar­mut ent­ge­gen­zu­wir­ken, for­dern wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung unter anderem:

  • Trotz Refor­men bei ein­zel­nen Trans­fer­leis­tun­gen sind die Leis­tun­gen wei­ter­hin ver­wal­tungs­auf­wän­dig und bei vie­len Fami­li­en nicht bekannt. Zum zehn­jäh­ri­gen Bestehen des Bil­­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets (BuT) zeigt eine Cari­­tas-Umfra­­ge bei­spiels­wei­se, dass die Kon­flik­te bei der Lern­för­de­rung vor­pro­gram­miert sind. Zudem sind die Leis­tun­gen in vie­len Fäl­len unzu­rei­chend. Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben müs­sen refor­miert und die Leis­tun­gen bes­ser bekannt gemacht wer­den, damit sie ver­läss­lich bei allen Fami­li­en ankommen.
  • Damit Kin­der und Jugend­li­che am gesell­schaft­li­chen Leben teil­ha­ben kön­nen, muss Teil­ha­be bei der Exis­tenz­si­che­rung berück­sich­tigt wer­den. Das kind­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum muss des­halb ein­heit­lich, trans­pa­rent sowie sach- und rea­li­täts­ge­recht ermit­telt wer­den.
  • Zudem sind Haus­hal­te von soge­nann­ten ver­deckt Armen aus der Refe­renz­grup­pe zu Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe her­aus­zu­rech­nen. Der Anteil für Strom muss bedarfs­de­ckend sein. Mehr­be­dar­fe für die dezen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung müs­sen erhöht wer­den. Gleich­zei­tig dür­fen Erhö­hun­gen der Regel­sät­ze nicht zu neu­en aus­län­der­recht­li­chen Hür­den füh­ren, indem der Nach­weis der eigen­stän­di­gen Lebens­un­ter­halts­si­che­rung durch ent­spre­chend erhöh­te Min­dest­ein­kom­mens­sät­ze erschwert wird. Hier soll­ten die Anfor­de­run­gen von den stei­gen­den Regel­sät­zen ent­kop­pelt und an der rei­nen Exis­tenz­si­che­rung fest­ge­macht werden.
  • Auch die Wohn­si­tua­ti­on ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ein gutes Auf­wach­sen von Kin­dern. Des­halb ist es erfor­der­lich, dass die Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung im SGB II und SGB XII rechts­si­cher und aus­kömm­lich ermit­telt werden.

Wei­te­re For­de­run­gen der Caritas

Die Cari­tas setzt sich zur Bun­des­tags­wahl 2021 dar­über hin­aus für gute Pfle­ge und für einen sozi­al gerech­ten Kli­ma­schutz ein. Einen Über­blick über unse­re For­de­run­gen fin­den sie unter “WIR FORDERN”.

Sie inter­ess­sie­ren sich für wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zu unse­ren For­de­run­gen oder möch­ten über die The­men ins Gespräch kom­men? Hier fin­den Sie unser aus­führ­li­ches sozi­al­po­li­ti­sches Hin­ter­grund­pa­pier als PDF-Down­­load.

Fra­gen Sie Ihre Kandidat_innen vor Ort

Am 26.09. ist Bun­des­tags­wahl – eine Ent­schei­dung mit enor­mer Trag­wei­te. Denn nach der Pan­de­mie müs­sen wir die rich­ti­gen Wei­chen in die Zukunft stellen. 

Nut­zen Sie unse­re E‑Mail-Vor­­la­­ge, um die Kan­di­die­ren­den in Ihrem Wahl­kreis nach Ihrer Posi­ti­on zu fra­gen. So erfah­ren Sie, wel­che Plä­ne unse­re Politiker_innen für die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode haben.


WEI­TE­RE BETRÄGE

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GUTE PFLE­GE IST MENSCHENRECHT!

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Deut­scher Cari­tas­ver­band e.V.
01.07.2021



Bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge, ohne dass die Kos­ten für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ins Uner­träg­li­che anwachsen? 

Der Deut­sche Cari­tas­ver­band for­dert zur Bun­des­tags­wahl 2021 wei­te­re Refor­men des Pfle­ge­sys­tems. Denn die bis­he­ri­gen Anpas­sun­gen rei­chen nicht aus, damit sich jeder gute Pfle­ge leis­ten kann und die Arbeits­be­din­gun­gen nach­hal­tig ver­bes­sert werden.

Pfle­ge muss bezahl­bar sein

Aktu­ell leben etwa 20 Pro­zent aller pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen in Ein­rich­tun­gen der sta­tio­nä­ren Alten­hil­fe. Die finan­zi­el­le Belas­tung für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stets gestie­gen und liegt inzwi­schen im Bun­des­durch­schnitt bei 2.068 Euro pro Monat. Dadurch wird Pfle­ge in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen zuneh­mend zu einem Armutsrisiko.

Mit der soeben ver­ab­schie­de­ten Pfle­ge­re­form wird zwar ein Modell der stu­fen­wei­sen Redu­zie­rung der pfle­ge­be­ding­ten Kos­ten ein­ge­führt. Ab dem 4. Jahr erhal­ten Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in voll­sta­tio­nä­rer Pfle­ge somit einen Zuschlag von 70 Pro­zent ihres Eigen­an­teils. Aller­dings ist zu befürch­ten, dass die zukünf­tig stei­gen­den Tari­fe und der geplan­te Per­so­nal­zu­wachs in den sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen teil­wei­se wie­der durch die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen selbst gezahlt wer­den müssen.

Damit Pfle­ge auch lang­fris­tig für jeden bezahl­bar ist, for­dern wir des­halb von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • Die Kos­ten der medi­zi­ni­schen Behand­lungs­pfle­ge müs­sen in vol­ler Höhe von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men wer­den. Denn die medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge macht einen wesent­li­chen Anteil an den pfle­ge­be­ding­ten Kos­ten aus.
  • Mit Blick auf die Refi­nan­zie­rung der Inves­ti­ti­ons­kos­ten sind zudem die Bun­des­län­der gefor­dert. Die meis­ten Bun­des­län­der haben sich in den letz­ten Jah­ren aus der För­de­rung der Inves­ti­ti­ons­kos­ten zurück­ge­zo­gen, so dass auch bei die­sen Auf­wen­dun­gen die Belas­tung der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen erheb­lich gestie­gen ist.
  • Unter län­ger­fris­ti­ger Per­spek­ti­ve soll­te die Pfle­ge­ver­si­che­rung zu einer ech­ten Teil­kas­ko­ver­si­che­rung wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den, so dass der Kos­ten­an­teil, den die pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen selbst zu tra­gen haben, klar begrenzt wird.
  • Finan­zi­ell gestärkt wer­den kann die Pfle­ge­ver­si­che­rung durch eine ein­heit­li­che Ver­si­che­rungs­pflicht für die gesam­te Bevöl­ke­rung, also sowohl für gesetz­lich als auch für pri­vat Versicherte.

https://www.youtube.com/watch?v=VBPVIXaTAwY&t=29s

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind die Pfle­ge­kos­ten immer wie­der gestie­gen. Wie kann das sein, wenn es doch eine Pfle­ge­ver­si­che­rung gibt? Wer bezahlt eigent­lich für Pfle­ge? Und wie kom­men die Kos­ten zusam­men? Unser Video gibt die wich­tigs­ten Antworten.

Arbeits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge verbessern

Immer mehr Pfle­ge­be­dürf­ti­ge wer­den von immer weni­ger Pfle­ge­kräf­ten gepflegt. Dafür steht auch der Begriff „Pfle­ge­not­stand“, der sich inzwi­schen zu einem Dau­er­zu­stand ver­fes­tigt hat. Die Ursa­chen hier­für lie­gen zu einem gro­ßen Teil in den Arbeitsbedingungen.

So ver­stärkt sich der ekla­tan­te Man­gel an Per­so­nal gewis­ser­ma­ßen selbst: Da Pfle­ge auf­grund des Per­so­nal­man­gels oft unter hohem Zeit­druck und hoher kör­per­li­cher und psy­chi­scher Belas­tung geleis­tet wer­den muss, ver­las­sen vie­le Pfle­ge­kräf­te ihren Beruf oder müs­sen ihn auf­grund gesund­heit­li­cher Ein­schrän­kun­gen vor­zei­tig auf­ge­ben. Eine Ent­las­tung des vor­han­de­nen Per­so­nals durch Neu­ein­stel­lun­gen ist jedoch auf­grund der der­zei­ti­gen Arbeits­mark­si­tua­ti­on nicht zu errei­chen. Nach Anga­ben der Bun­des­agen­tur für Arbeit (BA) kom­men aktu­ell auf 12.800 offe­ne Stel­len für Fach­kräf­te in der Alten­pfle­ge ledig­lich 3.600 Arbeitslose.

Eine wei­te­re Ursa­che des Per­so­nal­man­gels ist die Bezah­lung in der Pfle­ge: Bei Trä­gern, die im Gegen­satz zur Cari­tas nicht nach Tarif­lohn zah­len, sind die Gehäl­ter oft deut­lich zu nied­rig und ent­spre­chen nicht den anspruchs­vol­len und for­dern­den Arbeitsbedingungen.

Um die Arbeits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge zu ver­bes­sern, for­dern wir des­halb von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • Es braucht Maß­nah­men, die direkt beim Pfle­ge­per­so­nal ankom­men. Eine davon ist sicher die Ver­bes­se­rung der Bezah­lung. Noch wich­ti­ger aber ist, die Attrak­ti­vi­tät des Pfle­ge­be­ru­fes auch unter län­ger­fris­ti­ger Per­spek­ti­ve zu stei­gern und zu einer Ent­span­nung der Per­so­nal­si­tua­ti­on beizutragen.
  • Um den Beruf attrak­ti­ver zu machen müs­sen die Kom­pe­ten­zen der Pfle­ge­fach­kräf­te erwei­tert wer­den. Schon heu­te könn­ten Pfle­ge­fach­kräf­te ent­spre­chend ihrer Aus­bil­dung wesent­lich mehr Tätig­kei­ten aus­üben als ihnen im Wege der Dele­ga­ti­on erlaubt ist. Es braucht des­halb einen gesetz­li­chen Rah­men, um die Kom­pe­ten­zen von Pfle­ge­fach­kräf­ten bis hin zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Aus­übung von Heil­kun­de zu erweitern.
  • Die Pfle­ge lei­det unter einer über­bor­den­den Büro­kra­tie. Digi­ta­li­sie­rung könn­te hel­fen, Res­sour­cen zu scho­nen und Pro­zes­se zum Wohl der Patient_innen zu beschleunigen.
  • Zen­tral ist außer­dem die kon­se­quen­te Durch­füh­rung der ver­ein­bar­ten Umset­zungs­schrit­te zur Ein­füh­rung eines Per­so­nal­be­mes­sungs­ver­fah­rens für voll­sta­tio­nä­re Pflegeeinrichtungen.

Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge stärken

Nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes waren in Deutsch­land im Jah­re 2019 mehr als 4 Mil­lio­nen Men­schen pfle­ge­be­dürf­tig im Sin­ne des Pfle­ge­ver­si­che­rungs­ge­set­zes. Von den 3,31 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, die zu Hau­se leben, wur­den laut Desta­tis 2,33 Mil­lio­nen über­wie­gend durch Ange­hö­ri­ge gepflegt. Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge sind damit „Deutsch­lands größ­ter Pflegedienst“.

Ein Groß­teil der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen ist älter als 65 Jah­re und gehört damit der glei­chen Genera­ti­on wie die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen an. Die­se Pfle­gen­den haben ein beson­ders hohes Risi­ko, durch die kör­per­li­chen und psy­chi­schen Belas­tun­gen ihrer Pfle­ge­tä­tig­keit zu erkran­ken oder selbst pfle­ge­be­dürf­tig zu wer­den. Doch auch jün­ge­re pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge brau­chen umfang­rei­che Unter­stüt­zung, um den enor­men Anfor­de­run­gen der häus­li­chen Pfle­ge­si­tua­ti­on gerecht wer­den zu kön­nen. Durch die Pfle­ge und ihre eige­ne Berufs­tä­tig­keit sind sie in vie­len Fäl­len zudem dop­pelt belas­tet. Dar­über hin­aus ist finan­zi­el­le Unter­stüt­zung erfor­der­lich, wenn der eige­ne Beruf zuguns­ten der Pfle­ge­tä­tig­keit zurücktritt.

Pfle­ge­tä­tig­keit darf kein Armuts­ri­si­ko sein. Des­halb for­dern wir von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • Ent­las­tungs­mög­lich­kei­ten für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge wie Kurz­zeit­pfle­ge, Ver­hin­de­rungs­pfle­ge, Tages- und Nacht­pfle­ge und Ange­bo­te zur Unter­stüt­zung im All­tag müs­sen sich am indi­vi­du­el­len Bedarf ori­en­tie­ren. Die zahl­rei­chen Leis­tun­gen der häus­li­chen Pfle­ge müs­sen dafür trans­pa­ren­ter gestal­tet und bes­ser kom­bi­nier­bar sein, sowie fle­xi­bel und pass­ge­nau in Anspruch genom­men wer­den kön­nen. Mög­lich wäre dies im Rah­men eines Ent­las­tungs­bud­gets, wel­ches die unter­schied­li­chen Ent­las­tungs­leis­tun­gen zu einem Bud­get zusammenfasst.
  • Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge brau­chen Anspruch auf eine Pfle­ge­be­ra­tung, ana­log zum Anspruch von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen auf Pfle­ge­be­ra­tung, der bereits gesetz­lich gere­gelt ist.
  • Die Pfle­ge­kas­sen müs­sen einen flä­chen­de­cken­den, nied­rig­schwel­li­gen Zugang zu Kurs­an­ge­bo­ten und Schu­lun­gen für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge sicherstellen.
  • Ana­log zum Eltern­geld braucht es eine Lohn­er­satz­leis­tung für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, um die finan­zi­el­len Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Die zusätz­li­chen finan­zi­el­len Belas­tun­gen von pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen müs­sen zudem redu­ziert wer­den. Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge dür­fen bei­spiels­wei­se kei­ne Nach­tei­le bei der Ren­te erleiden.
  • Live-in-Unter­­stü­t­­zungs­­­kräf­­te (etwa aus Mit­­­tel- und Süd­ost­eu­ro­pa) brau­chen eben­falls gute Arbeits­be­din­gun­gen. Um das zu gewähr­leis­ten, müs­sen Model­le für häus­li­che Betreu­ung unter Berück­sich­ti­gung gel­ten­den Rechts ent­wi­ckelt und als refi­nan­zier­ba­re Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te geför­dert wer­den. Bei­spiel­haft ist hier­für das Modell „Carifair“ des Diö­­ze­­san-Cari­­tas­­ver­­­bands Paderborn.

Wei­te­re For­de­run­gen der Caritas

Die Cari­tas setzt sich zur Bun­des­tags­wahl 2021 dar­über hin­aus für eine Stär­kung des sozia­len Net­zes und für einen sozi­al gerech­ten Kli­ma­schutz ein. Einen Über­blick über unse­re For­de­run­gen fin­den sie unter “WIR FORDERN”.

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Fra­gen Sie Ihre Kandidat_innen vor Ort

Am 26.09. ist Bun­des­tags­wahl – eine Ent­schei­dung mit enor­mer Trag­wei­te. Denn nach der Pan­de­mie müs­sen wir die rich­ti­gen Wei­chen in die Zukunft stel­len. Nut­zen Sie unse­re E‑Mail-Vor­­la­­ge, um die Kan­di­die­ren­den in Ihrem Wahl­kreis nach Ihrer Posi­ti­on zu fra­gen. So erfah­ren Sie, wel­che Plä­ne unse­re Politiker_innen für die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode haben.

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Check‑e.jetzt – DIGI­TA­LE LERN­BE­GLEI­TUNG IM LOOKDOWN

Portrait Rabea Förster

Rabea Förs­ter
17.06.2021



Das Frei­wil­li­gen­zen­trum Calei­do­skop hat zusam­men mit der Abtei­lung Bil­dungs­part­ner­schaf­ten der Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart im Sep­tem­ber 2020 die digi­ta­le Lern­platt­form Check‑e.jetzt ins Leben geru­fen. Dabei wer­den Schüler_innen von Ehren­amt­li­chen digi­tal beim Ler­nen unterstützt.


Nach­dem im März 2020 zur Ein­däm­mung der Coro­­na-Pan­­de­­mie die Schu­len in Baden-Wür­t­­te­m­­berg das ers­te Mal geschlos­sen wur­den, waren Schüler_innen bei der Erar­bei­tung von Lern­in­hal­ten stark auf sich allein gestellt. Bereits im Mai bestä­tig­ten die ers­ten Umfra­gen, dass ins­be­son­de­re Schüler_innen aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en ver­stärkt unter der Schul­schlie­ßung litten.

Vor allem schwä­che­re Schüler_innen sind betroffen

So äußer­ten Eltern mit for­mal nied­ri­ger Bil­dung häu­fi­ger die Befürch­tung ihre Kin­der könn­ten den Anschluss ver­lie­ren als Eltern mit for­mal hoher Bil­dung (Voda­fone Stif­tung: Unter Druck). Als Reak­ti­on dar­auf wur­de im Som­mer 2020 das Pro­jekt Check‑e.jetzt ent­wi­ckelt, eine kos­ten­lo­se und digi­ta­le Lern­be­glei­tung für Kin­der und Jugend­li­che, die zu kos­ten­pflich­ti­gen Nach­hil­fe­pro­gram­men kei­nen Zugang haben.
So äußer­ten Eltern mit for­mal nied­ri­ger Bil­dung häu­fi­ger die Befürch­tung ihre Kin­der könn­ten den Anschluss ver­lie­ren als Eltern mit for­mal hoher Bil­dung (Voda­fone Stif­tung: Unter Druck). Als Reak­ti­on dar­auf wur­de im Som­mer 2020 das Pro­jekt Check‑e.jetzt ent­wi­ckelt, eine kos­ten­lo­se und digi­ta­le Lern­be­glei­tung für Kin­der und Jugend­li­che, die zu kos­ten­pflich­ti­gen Nach­hil­fe­pro­gram­men kei­nen Zugang haben.

Über 90 Lern­tan­dems sind bereits ver­mit­telt worden

Check‑e.jetzt ver­mit­telt seit Sep­tem­ber 2020 Schüler_innen in Tan­dems mit ehren­amt­li­cher Lern­be­glei­tung für regel­mä­ßi­ge Unter­stüt­zung bei den Haus­auf­ga­ben, der Wie­der­ho­lung von Unter­richts­stoff oder beim Üben von Lern­in­hal­ten. Dabei wer­den Eltern und Lehr­kräf­te ent­las­tet und Schüler_innen sind weni­ger auf sich allein gestellt. Das digi­ta­le For­mat der Lern­be­glei­tung ermög­licht hygie­ne­maß­nah­men­kon­for­me Eins-zu-Eins Tref­fen zwi­schen Lern­be­glei­tung und Schüler_in. Die Tan­dems tref­fen sich min­des­tens ein­mal wöchent­lich, bei schwie­ri­gen The­men oder anste­hen­den Klas­sen­ar­bei­ten auch mal öfter. Dabei bemü­hen sich die Lern­be­glei­tun­gen dar­um das Ler­nen so ange­nehm wie mög­lich zu gestal­ten. Eine Schü­le­rin erzählt, dass sie mit ihrem Lern­be­glei­ter auch ger­ne mal eine Tee-und-Kuchen-Pau­­se macht, bevor sie gestärkt wei­ter die Mathe­auf­ga­ben besprechen.
Ins­be­son­de­re seit des zwei­ten Lock­downs hat sich die Bedarfs­la­ge der Schü­le­rin­nen und Schü­ler ver­schärft. Von Beginn des Jah­res bis zu den Pfingst­fe­ri­en, fand der Unter­richt aus­schließ­lich online statt. Dabei vari­ier­te die Betreu­ung der Kin­der und Jugend­li­chen durch die Lehr­kräf­te stark. Teils gab es regel­mä­ßi­ge Sprech­stun­den mit Lehrer_innen, teils erhiel­ten die Schüler_innen aus­schließ­lich Wochen­plä­ne mit Auf­ga­ben. Die ange­mel­de­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler bei check‑e.jetzt sind vor­wie­gend in der Alters­grup­pe 8 bis 12 Jah­re, ihnen fällt es beson­ders schwer sich allei­ne über den Tag hin­weg zu kon­zen­trie­ren und selbst Inhal­te zu erar­bei­ten. Es fehlt die Beglei­tung durch die Lehr­kraft, die als Bezugs­per­son die Kin­der für den Lern­stoff moti­viert und bei Rück­fra­gen zur Sei­te steht.

„Das Ler­nen mit mei­nem Lern­be­glei­ter macht Spaß, weil wir auch mal Quatsch zusam­men machen.”

Auch Unter­neh­men unter­stüt­zen sozia­les Engagement

Als ehren­amt­li­che Lernbegleiter_innen enga­gie­ren sich Men­schen aus ver­schie­dens­ten Lebens­si­tua­tio­nen. Neben der erst kürz­lich pen­sio­nier­ten Leh­re­rin oder dem bereits seit eini­ger Zeit im Ruhe­stand leben­den Infor­ma­ti­ker, sind auch Stu­die­ren­de und Berufs­tä­ti­ge bereit ihre Zeit für ein Stück­chen mehr Bil­dungs­ge­rech­tig­keit zu inves­tie­ren. Das Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men Dano­ne zum Bei­spiel för­dert ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment sei­ner Mit­ar­bei­ten­den. So hat sich Robert Voel­kel ent­schie­den, sei­ne geför­der­te und pri­va­te Zeit in eine Lern­pa­ten­schaft zu inves­tie­ren. Er lernt gemein­sam mit sei­nem Nach­hil­fe­schü­ler King Mathe und Deutsch. Die bei­den sind ein ein­ge­spiel­tes Team. King schickt Herrn Voel­kel Fotos sei­ner Haus­auf­ga­ben und dann beginnt das gemein­sa­me Ler­nen. Wenn zwi­schen­durch die Kon­zen­tra­ti­on abflaut, machen die bei­den auch mal Quatsch zusam­men, damit der Spaß nicht zu kurz kommt. Alle Lern­be­glei­tun­gen tei­len die Ein­stel­lung, dass Bil­dung kei­ne Fra­ge von Her­kunft oder Ein­kom­men sein darf, son­dern dass Bil­dung ein Gut ist, das allen zusteht. Hier geht es zur Web­site vom Pro­jekt Check‑e.jetzt

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ARZT­BE­SUCH PER VIDEO­AN­RUF: EINE APP IM PRAXISTEST

Paula Zeiler

Pau­la Zeiler
12.05.2021



Die App Pfle­ge­kon­sil ermög­licht digi­ta­le Arzt­be­su­che und soll die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in Alten­hei­men ver­bes­sern. Wie die App funk­tio­niert und ob Sie hält, was sie ver­spricht, erfah­ren Sie im Interview.

Tschüss Fax, Hal­lo Zukunft — heißt es im Alten­heim St. Anto­ni­us in Mün­chen. Seit April 2021 tes­tet die Cari­­tas-Ein­­rich­­tung die App Pfle­ge­kon­sil. Die Anwen­dung ermög­licht Pfle­ge­per­so­nal einen direk­ten Kon­takt zu den Ärzt_innen der Bewohner_innen und Visi­ten per Video­an­ruf. Maxi­mi­li­an Gru­ber, gelern­te Pfle­ge­fach­kraft und Refe­rent im Geschäfts­be­reich Alten­hei­me des Cari­tas­ver­ban­des Mün­chen und Ober­bay­ern, berich­tet im Gespräch mit dem Deut­schen Cari­tas­ver­band von den ers­ten Erfah­run­gen mit der App.

Wie funk­tio­niert die Pflegekonsil-App?

Die App soll dabei hel­fen, die Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung für die Bewoh­ner zu ver­bes­sern. In der Pra­xis wird es so ablau­fen: Die Pfle­ge­kraft erfährt, dass ein Bewoh­ner zum Bei­spiel über Schmer­zen klagt und eine medi­ka­men­tö­se Anpas­sung braucht. Die­se Infor­ma­ti­on ver­mit­telt die Pfle­ge­fach­kraft dem zustän­di­gen Haus- oder Fach­arzt in der App, mit der „Bit­te um Rück­mel­dung via Video­kon­zil“. Das schö­ne ist, dass man die Pra­xis nicht anru­fen muss, son­dern asyn­chron arbei­ten kann. Der Arzt sieht die Nach­richt, sobald er Zeit hat, und ver­schickt einen Ter­min für eine Video­sprech­stun­de. Im Video­sprech­raum tref­fen sich dann alle Betei­lig­ten zur digi­ta­len Sprech­stun­de. Ein Ziel muss sein, dass die­se zusätz­lich inves­tier­te Zeit von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men wird.

Ist damit der per­sön­li­che Arzt­be­such abgeschafft?

Natür­lich ist es am bes­ten, wenn der Haus­arzt per­sön­lich vor­bei­kommt. Jedoch haben wir durch den Ärz­te­man­gel, beson­ders im länd­li­chen Raum, manch­mal kei­ne Alter­na­ti­ve und eine digi­ta­le Visi­te ist die bes­te Lösung. Die dadurch schnel­le­re ärzt­li­che Ver­sor­gung ist aber auf jeden Fall ein gro­ßer Vor­teil für die Bewoh­ner. Und um es klar zu stel­len: Die Pfle­­ge­­kon­­sil-App wird nicht dazu füh­ren, dass der per­sön­li­che Kon­takt kom­plett weg­fällt. Das ist uns als Cari­tas wichtig.

„Die Pfle­­ge­­kon­­sil-App wird nicht dazu füh­ren, dass der per­sön­li­che Kon­takt kom­plett weg­fällt. Das ist uns als Cari­tas wichtig.“

Wel­che Reak­tio­nen gab es nach der ers­ten Ankün­di­gung in der Einrichtung?

Die Begeis­te­rung bei den Bewoh­nern und Ange­hö­ri­gen war sehr groß. Mit der ers­ten Coro­­na-Wel­­le haben vie­le Bewoh­ner gemerkt, wie das ist, wenn der Arzt nicht greif­bar ist. Inner­halb von zwei Wochen hat­ten wir von allen Bewoh­nern im ers­ten Wohn­be­reich die Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung ein­ge­sam­melt. Es gab sogar Bewoh­ner aus ande­ren Wohn­grup­pen, die nach­ge­fragt haben, wann sie mit­ma­chen kön­nen. Das Pfle­ge­per­so­nal war zunächst skep­ti­scher. Ich den­ke, durch die Anfangs­pro­ble­me mit der bereits ein­ge­führ­ten digi­ta­len Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on sind die Pfle­ge­kräf­te gebrann­te Kin­der. Es ist eben wich­tig, dass alles syn­chro­ni­siert wird und nicht ver­lo­ren geht.

Maxi­mi­li­an Gru­ber vom Cari­tas­ver­band Mün­chen und Oberbayern

Und wie ist der Ein­druck nach den ers­ten Praxiserfahrungen?

Für die Pfle­ge­fach­kräf­te ist die Orga­ni­sa­ti­on der App stemm­bar. Jedoch mel­den die ers­ten, dass die Bedie­nung des Tablets im Arbeits­all­tag stres­sig sei. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Es fin­den nicht alle schlecht, aber der Auf­wand das Tablet zu holen, ist für den ein oder ande­ren zu groß. Des­we­gen gibt es den Wunsch, dass die Pfle­­ge­­kon­­sil-App und die digi­ta­le Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on in einem Device bedient wer­den. Das ist mei­ner Mei­nung nach kei­ne Zukunfts­mu­sik, son­dern realistisch.

Wo sehen Sie die Cari­tas in der Digi­ta­li­sie­rung der Pflege?

Man kann sich sträu­ben wie man möch­te, aber es wird immer mehr Tech­nik geben. Des­we­gen ist es wich­tig, dass es so klei­ne Pro­jek­te gibt. Aus die­sem Grund haben wir auch an der Ent­wick­lung der App mit­ge­wirkt. Uns fehl­te bei­spiels­wei­se die Pfle­ge­no­te: Es gab zu Beginn zu wenig Dia­gno­sen und zu vie­le Pflicht­fel­der, die aus­ge­füllt wer­den muss­ten. Das hät­ten wir im Pfle­ge­all­tag nicht leis­ten kön­nen. Ich fin­de, dass die Cari­tas als größ­ter Wohl­fahrts­ver­band Deutsch­lands eine Ver­ant­wor­tung hat, digi­tal auf­zu­rüs­ten und mit dabei zu sein. Aber Digi­ta­li­sie­rung auch ethisch hin­ter­fra­gen muss.

Im Inter­view:

Maxi­mi­li­an Gru­ber arbei­tet seit 2019 als Anwen­dungs­be­treu­er im Geschäfts­be­reich Alten­hei­me beim Cari­tas­ver­band Mün­chen und Ober­bay­ern. Wie er es selbst bezeich­nen wür­de: An der Schnitt­stel­le von Geschäfts­füh­rung und Pfle­ge­pra­xis. Im Team Pfle­ge ist sei­ne Haupt­auf­ga­be die Betreu­ung von digi­ta­len Anwen­dun­gen: Dazu gehört seit Juni 2020 auch die App „Pfle­ge­kon­sil“. Zudem betreut er die digi­ta­le Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on für Alten­hei­me „Viven­di“. Gru­ber kennt aber auch die Pra­xis: Er ist gelern­te Gesun­d­heits- und Pfle­ge­kraft und arbei­te­te unter ande­rem fünf Jah­re als Pflegeleitung.

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12.500 BRIE­FE GEGEN EINSAMKEIT

Irene L. Bär

Ire­ne L. Bär
04.05.2021



An 30 Orten machen tau­sen­de jun­ge Briefschreiber_innen mit Hil­fe der young­ca­ri­tas älte­ren Men­schen und Men­schen mit Behin­de­rung eine Freude.

Bereits 12.500 Brie­fe sind so zusam­men­ge­kom­men. Sie zei­gen eine Ver­bun­den­heit über Genera­tio­nen hin­weg. Gera­de in Zei­ten des “Abstand hal­tens” ist es wich­tig zu spü­ren: Jemand denkt an mich!

Viel Zeit nah­men sich die Briefschreiber_innen für ihre Wer­ke Foto: Ire­ne L. Bär

Auf­ruf zu Hilfs­be­reit­schaft und Zusammenhalt

Ab März 2020 konn­ten auf­grund der Pan­de­mie vie­le Men­schen von einem Tag auf den ande­ren nur noch ein­ge­schränkt sozia­le Kon­tak­te pfle­gen. Stark davon betrof­fen sind Senior_innen und Men­schen die in Ein­rich­tun­gen leben. Vor allem bei älte­ren Men­schen über 80 Jah­re besteht ein hohes Risi­ko sozia­ler Iso­la­ti­on, gera­de wenn Erkran­kun­gen, ein­ge­schränk­te Mobi­li­tät oder Alters­ar­mut hin­zu­kom­men oder lang­jäh­ri­ge Weggefährt_innen ver­stor­ben sind.
Zeit­gleich ent­stand von Anfang an gera­de bei vie­len jun­gen Men­schen das Bedürf­nis in die­ser Kri­se zu hel­fen und sich zu enga­gie­ren. Bereits im März 2020 rie­fen daher meh­re­re youn­g­­ca­­ri­­tas-Orte dazu auf, Brie­fe und Post­kar­ten an die­se Men­schen zu schrei­ben und stie­ßen damit auf viel Resonanz.
Die Brie­fe sol­len hel­fen, auch unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen in Kon­takt mit­ein­an­der zu kom­men, sich aus­zu­tau­schen und Hoff­nung zu machen. “Mir ist es wich­tig, dass die Men­schen auch in so einer Pha­se zusam­men­hal­ten und ich hof­fe, dass vie­le ande­re eben­falls Brie­fe schrei­ben, damit sich bei­spiels­wei­se die Bewohner_innen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen freu­en kön­nen”, sagt Sophie, 19 Jah­re, aus Nord­rhein Westfalen.
Ziel der Akti­on ist es, den Men­schen eine Freu­de zu berei­ten, gleich­zei­tig Ein­satz­mög­lich­kei­ten für Hilfs­be­reit­schaft zu schaf­fen und zusätz­lich für das Pro­blem der Ein­sam­keit zu sensibilisieren.

Fir­men, Schu­len, Medi­en — Gro­ße Reso­nanz für die Aktion

Die Idee brei­te­te sich im youn­g­­ca­­ri­­tas-Net­z­­werk schnell aus, über 30 youn­g­­ca­­ri­­tas-Orte rie­fen Aktio­nen ins Leben. Unter dem Titel #digi­ta­lebrief­tau­be konn­ten die Brie­fe auch als Foto ein­ge­sandt oder ein Video pro­du­ziert wer­den, man­cher­orts lagen aus­füll­ba­re Post­kar­ten in Geschäf­ten aus. Kita-Grup­­pen und Schul­klas­sen gestal­te­ten Bil­der und Brie­fe gemein­sam im Unter­richt — Zwei­drit­tel der Ein­sen­dun­gen kamen von Kin­dern und Jugend­li­chen unter 18 Jah­ren. Jun­ge Erwach­se­ne wur­den über Social Media auf die Akti­on auf­merk­sam, gro­ße Unter­neh­men schlu­gen ihren Mitarbeiter_innen vor, Brie­fe zu schrei­ben, der Deut­sche Brief­tau­ben­züch­ter­ver­band, zwei TV-Maga­­zi­­ne und meh­re­re Influencer_innen rie­fen zur Teil­nah­me auf – vor allem nach­dem die Tages­schau auf Social Media auf die Akti­on hin­ge­wie­sen hatte.

Begeg­nung am Kran­ken­bett — Cari­­tas-Alten­­zen­­trum St. Mater­nus In Köln

Glück- und Segenswünsche

Vor allem über die Ein­rich­tun­gen der Cari­tas gelang­ten die Brie­fe und Post­kar­ten an ihre Empfänger_innen. Rund die Hälf­te der Brie­fe wur­den an Seni­or_in­­­nen-Ein­­rich­­tun­­­gen ver­mit­telt. Dort wer­den sie oft­mals in der Grup­pe vor­ge­le­sen. Auch älte­re Men­schen, die zuhau­se leben und von einem Pfle­ge­dienst betreut wer­den, erhal­ten Brie­fe, sowie Geflüch­te­te, Men­schen mit Behin­de­rung und Ein­zel­per­so­nen. Eini­ge der Senior_innen haben Dan­kes­brie­fe an die Absender_innen ver­fasst: “Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umar­men”, schrei­ben bei­spiels­wei­se Mar­lies (93) und Gud­run (77) in einem Antwort-Brief.

“Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umarmen.”

Quer durch Deutsch­land wur­den die Brie­fe ver­schickt – ein Umstand, der vie­le Empfänger_innen beson­ders erfreut hat. Selbst aus Madrid, Hong­kong und Argen­ti­ni­en kam Post. Vie­le der Ein­sen­dun­gen sind mit viel Lie­be und Herz­blut gestal­tet: gemal­te Bil­der, eige­ne Tex­te, Rät­sel, Gedich­te, klei­ne Geschen­ke — so hat zum Bei­spiel der Dich­ter „Sebas­ti­an 23“ das Gedicht “Kar­las Geburts­tag” für die Senior_innen ver­fasst und selbst vor­ge­le­sen. Hier fin­den Sie Bei­spie­le.Esther Schie­ßer von der young­ca­ri­tas Würz­burg hat beob­ach­tet: „Aus den Brie­fen der Kin­der und Jugend­li­chen spricht eine gro­ße Sehn­sucht nach mehr Gemein­schaft, aber auch viel Hoff­nung, Zuver­sicht und Soli­da­ri­tät. Die Brie­fe zei­gen eine Ver­bun­den­heit über die Genera­tio­nen hin­weg. Die Bot­schaft ist meist: Ja, es ist schwie­rig, aber wir ste­hen das alle gemein­sam durch!“
Hier geht es zur Web­site zur Akti­on Brief­tau­be.

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