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KLI­MA­SCHUTZ – SOZI­AL UND GERECHT: GEHT DAS?

Autorin Susanne Feeß

Susan­ne Feeß
03.09.2021



Umwelt schüt­zen, Kli­ma ret­ten und Kon­sum von fair her­ge­stell­ten Pro­duk­ten lie­gen im Trend. 

Wie kön­nen wir, als Gesell­schaft und als Ein­zel­per­son, kon­se­quent am Kli­­ma- und Umwelt­schutz dran­blei­ben und dar­an mit­wir­ken, dass alle Men­schen dar­an teil­ha­ben können?

Aus­ran­gier­te Schwimm­wes­ten der ehe­ma­li­gen Flug­ge­sell­schaft Con­dor die­nen als Stoff für extra­va­gan­te Upcycling-Produkte. 

Umwelt­scho­nen­de Hand­lungs­mög­lich­kei­ten in der Gesell­schaft fest zu ver­an­kern ist ein schwie­ri­ges The­ma. Ein Bei­spiel aus der Pra­xis, das zeigt wie es geht, ist das bun­des­wei­te Pro­jekt Stromspar-Check!

Als ein gemein­sa­mes Ange­bot des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des e. V. und des Bun­des­ver­ban­des der Ener­­gie- und Kli­ma­schutz­agen­tu­ren Deutsch­lands e. V bie­tet das Pro­jekt Bera­tung zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz für ein­kom­mens­schwa­che Haus­hal­te (Haus­hal­te, die Sozi­al­leis­tun­gen bezie­hen oder nur über eine gerin­ge Ren­te ver­fü­gen) an. Der Strom­­s­par-Check star­te­te 2005 in Frank­furt als Koope­ra­ti­on zwi­schen dem Ener­gie­re­fe­rat Frank­furt und dem Cari­tas­ver­band Frank­furt. Ziel war, effi­zi­en­te Ener­gie­nut­zung an Men­schen her­an­zu­tra­gen, die über die Ver­brau­cher­zen­tra­le oder öffent­li­che Maß­nah­men nicht erreicht wer­den. Schnell ent­stand die Idee, gemein­sam mit dem Job­cen­ter, die­ses Bera­tungs­an­ge­bot als Beschäf­ti­gungs­maß­nah­me für Lang­zeit­ar­beits­lo­se zu etablieren.

 

Kli­ma­schutz und sozia­le Gerech­tig­keit gehö­ren unteil­bar zusammen. 

Über Qua­li­fi­ka­tio­nen wer­den bis heu­te Sozialleistungsempfänger*innendarin geschult, nie­der­schwel­li­ge Bera­tun­gen über Strom spa­ren, Kli­ma­schutz und Ener­gie­ef­fi­zi­enz durch­zu­füh­ren. Die Initia­ti­ve, sinn­vol­le Beschäf­ti­gun­gen anzu­bie­ten, bei der jede Per­son spü­ren kann, gebraucht zu wer­den und die gleich­zei­tig Kli­­ma- und Umwelt­schutz ein­schließt, wur­de 2008 als bun­des­wei­tes Pro­jekt ausgeweitet. 

Öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­tio­nen von Gesell­schaf­ten müs­sen sozi­al­po­li­ti­sche Kom­po­nen­ten mit­den­ken. Kli­ma­schutz muss inte­gra­ler Bestand­teil der Sozi­al­po­li­tik sein, damit alle Men­schen Anteil neh­men kön­nen. Die Cari­tas über­nimmt hier­für Ver­ant­wor­tung, um die Lücke zwi­schen sozi­al­po­li­ti­schen For­de­run­gen und Rea­li­tät zu schlie­ßen. Ein wei­te­res Bei­spiel hier­für ist das Pro­jekt EiN­ZIG­WA­RE (www.einzigware.de).  

 

Öko­lo­gisch – krea­tiv – sozi­al: EiN­ZIG­WA­RE und Warenmeister*innen

Die Cari­tas in Deutsch­land stell­te 2012 das The­ma „Soli­da­ri­tät und gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt“ in den Fokus ihrer Arbeit, womit Men­schen fit gemacht wer­den soll­ten für den ers­ten Arbeits­markt. So ent­stand EiN­ZIG­WA­RE, das Upcy­cling Label des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des für Uni­ka­te, das auf Nach­hal­tig­keit, Müll­ver­mei­dung und sozia­le Teil­ha­be setzt.


Hocker und Bank aus alten Flugzeug-Sicherheitsgurten
Hocker und Bank aus alten Flugzeug-Sicherheitsgurten.

EiN­ZIG­WA­RE gibt Gegen­stän­den neu­es Leben und Men­schen neue Chan­cen. So wer­den bspw. aus den Mesh-Pla­­nen der Cari­­tas-Jah­­res­­kam­­pa­­g­nen Taschen, Etuis und ande­re schö­ne Uni­ka­te. Aktu­ell gehö­ren rund 25 Stand­or­te zur Mar­ke. Die Werk­stät­ten der Beschäf­ti­gungs­be­trie­be von cari­team im Cari­tas­ver­band Frank­furt sind ein Teil davon.

In Frank­furt die­nen aus­ran­gier­te Sicher­heits­gur­te der Flug­ge­sell­schaft Con­dor für die Gestal­tung extra­va­gan­ter Sitz­mö­bel. Die seit Jah­ren bestehen­de Koope­ra­ti­on mit der Mes­se Frank­furt sorgt immer wie­der für außer­ge­wöhn­li­che Stof­fe von Tex­til­mes­sen, die krea­tiv ver­ar­bei­tet wer­den. Inzwi­schen bestehen seit vie­len Jah­ren enge Koope­ra­tio­nen mit dem regio­na­len Strom­an­bie­ter Mai­no­va, den umlie­gen­den Kom­mu­nen und dem Bund.

Neben dem wich­ti­gen Aspekt der res­­sour­cen- und kli­ma­scho­nen­den Pro­duk­ti­on steht bei EiN­ZIG­WA­RE die Beschäf­ti­gung für Lang­zeit­ar­beits­lo­se und deren indi­vi­du­el­le Qua­li­fi­ka­ti­on im Vor­der­grund. In den Werk­stät­ten der Beschäf­ti­gungs­be­trie­be von cari­team erhal­ten sie die Mög­lich­keit, einer sinn­vol­len Tätig­keit nach­zu­ge­hen, schritt­wei­se wie­der an das Arbeits­le­ben her­an­ge­führt zu wer­den und wie­der am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men. Als Wa(h)renmeister leis­ten sie einen Bei­trag zum Umwelt­schutz, in dem sie Upcy­cling­tech­ni­ken erler­nen und bekom­men indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung, ihre Fähig­kei­ten auszubauen.

Das Kon­zept der Beschäf­ti­gungs­maß­nah­me nimmt die ehe­mals Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in ihrer Indi­vi­dua­li­tät in den Blick. Die För­der­pha­se kann des­halb auch mal über meh­re­re Jah­re gehen. Der Mensch, auch mit per­sön­li­chen und/oder psy­chi­schen Pro­ble­men, die alle Bemü­hun­gen erschwe­ren, kann sich lang­fris­tig in eine Auf­ga­be inte­grie­ren und sich voll und ganz per­sön­lich dar­auf ein­las­sen. Man­cher Stromsparberater*in wur­de so auch schon zum*r Projektleiter*in und hat seine/ihre Beru­fung gefunden.

„Wir kön­nen Türen öff­nen, sogar in die­sen schwie­ri­gen Zeiten“

Petra Spöck, Pro­jekt­lei­te­rin des Strom­­s­par-Checks in Frank­furt, erklärt: „Die Cari­tas schließt die Lücke zwi­schen umwelt­po­li­ti­schen Pro­jek­ten und sozi­al­po­li­ti­schen Aspek­ten durch lebens­na­he Bera­tung, die in den Haus­hal­ten und ent­lang der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on statt­fin­det. Der Ver­band arbei­tet dicht am Leben der Men­schen und geht durch ver­schie­de­ne Akti­vi­tä­ten oder Pro­jek­te auf die Men­schen zu. Das ist unser Vor­teil. Man kennt uns oft bereits durch ande­re sozia­le Diens­te. Die städ­ti­schen Bera­tungs­an­ge­bo­te sind der Ziel­grup­pe meist nicht bekannt oder sie kom­men nicht auf die Idee, sich dort bera­ten zu lassen.“

Bewusst­seins­bil­dung für Kli­­ma- und Umwelt­schutz auf Augen­hö­he. Die Berater*innen ken­nen die Pro­ble­ma­tik der Men­schen aus dem eige­nen Leben. Sie sind Teil der Ziel­grup­pe, spre­chen ihre Spra­che. Als Multiplikator*innen kön­nen sie ver­mit­teln, was sie selbst gelernt haben: Klei­ne Ver­än­de­run­gen in mei­nem Ver­hal­ten kön­nen zu einer Redu­zie­rung mei­nes Strom­ver­brauchs führen.

„Kos­ten­lo­se Bera­tung für ein­kom­mens­schwa­che Fami­li­en ohne ‘Kom­­fort-Ver­­­lust´.“ Stromberater*innen ermit­teln die Strom­fres­ser und suchen gemein­sam mit den Haus­hal­ten Lösun­gen. Auch ein neu­er, strom­spa­ren­der Kühl­schrank ist nicht immer in wei­ter Fer­ne. Die Berater*innen wis­sen, wel­che loka­len Geschäf­te oder Gut­schein­sys­te­me vor­han­den sind, um neue, ener­gie­spa­ren­de, Kühl­schrän­ke zu erwerben.

Je län­ger und inten­si­ver das Netz­werk vor Ort aus­ge­baut wird, umso weni­ger kön­nen die Län­der und Ener­gie­re­fe­ra­te an der The­ma­tik vor­bei­kom­men. Man spricht von „Ener­gie­ar­mut“ und der Pro­ble­ma­tik, dass Sozi­al­ta­ri­fe nicht nach­hal­tig grei­fen, weil sie den Ver­brau­cher und sein Bewusst­sein nicht im Blick haben. Auch die Kom­mu­nen ler­nen durch den Strom­­s­par-Check dazu und mer­ken, dass sozi­al und gerecht prak­ti­zier­ter Kli­ma­schutz nicht nur die Mit­tel­schicht und die Eigen­heim­be­sit­zer in den Blick neh­men darf, son­dern die gesam­te Gesell­schaft inte­griert wer­den muss.

Inves­ti­ti­on in Tech­nik bedeu­tet Inves­ti­ti­on in die Men­schen. Strom­spa­ren ist nicht nur was für Rei­che! „Wenn wir in Zukunft eine noch bes­se­re Zusam­men­ar­beit mit den Sozi­al­rat­häu­sern oder den Job­cen­tern errei­chen, könn­te das Ziel, alle ein­kom­mens­schwa­chen Fami­li­en effi­zi­ent zu bera­ten, Wirk­lich­keit wer­den,“ betont Frau Spoeck. 

 

Wei­te­re Infos und Links

Zu erwer­ben sind vie­le der EiN­­ZI­G­­WA­­RE-Pro­­­du­k­­te über die Home­page www.einzigware.de

Infor­ma­tio­nen zum Strom­­s­par-Check gibt es über die Home­page www.stromspar-check.de

Eine Frau sitzt in einer Werkstätte und zeigt eine Upcycling-Tasche, die sie soeben genäht hat.

Interviewte

Nico­la Bus­kot­te, Refe­ren­tin für Pres­se­ar­beit, Bun­des­pro­jekt Strom­­s­par-Check Aktiv

Petra Spöck, Pro­jekt­lei­tung Ener­gie­spar­ser­vice, Cari­tas­ver­band Frank­furt e.V.

Clau­dia Dobrow, Arbeits­be­reichs­lei­te­rin cari­team, Cari­tas­ver­band Frank­furt e.V.  


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TAN­DEMS MIT POLI­TI­SCHER BEDEUTUNG

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Mar­kus Har­mann
11.08.2021



“Men­schen stär­ken Men­schen”: Zum Bei­spiel indem sie als ehren­amt­li­che Paten beim Ler­nen, bei der Arbeits­su­che oder im All­tag unterstützen.

Damit nie­mand sozi­al abstürzt, führt die Cari­tas zahl­rei­che Pro­jek­te durch und setzt dabei auch auf sozia­les Enga­ge­ment. Das Tan­­dem-Pro­­­jekt in Gum­mers­bach ist dafür ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel und auch für die Poli­tik von Bedeu­tung: Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht besuch­te das Cari­­tas-Kauf­haus und sprach mit Haupt- und Ehrenamtlichen.

Christine Lambrecht besucht das Caritas-Kaufhaus in Gummersberg.
Chris­ti­ne Lam­brecht besucht das Cari­­tas-Kauf­haus in Gum­mers­berg. Foto: Mar­kus Harmann

„Wir kön­nen und wol­len als Staat nicht all das leis­ten, was die Ehren­amt­li­chen einbringen.“ 

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD) hat am 11. August das Cari­­tas-Kauf­haus in der Gum­mers­ba­cher Innen­stadt besucht. Sie hat sich dort über das Pro­jekt „Men­schen stär­ken Men­schen“ des Cari­tas­ver­ban­des für den Ober­ber­gi­schen Kreis infor­miert. Das Pro­jekt läuft seit 2016 und wird vom Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um finan­zi­ell geför­dert. Ziel von „Men­schen stär­ken Men­schen“ ist es, ehren­amt­li­che Paten für Geflüch­te­te, Jugend­li­che oder Arbeit­su­chen­de zu gewin­nen. Die­se hel­fen dann etwa beim Sprach­er­werb, erle­di­gen Behör­den­gän­ge oder unter­stüt­zen im Alltag.

 


Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht zusammen mit dem Patenschafts-Duo Katharina Vankerkom und Hassatou Diallo.
Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht zusam­men mit dem Paten­­schafts-Duo Katha­ri­na Van­ker­kom und Hassa­tou Dial­lo. Foto: Mar­kus Harmann

So wie Katha­ri­na Van­ker­kom (30) aus Gum­mers­bach. Die Gesund­heits­öko­no­min hilft in ihrer Frei­zeit Hassa­tou Dial­lo (29) beim Deutsch­ler­nen. Frau Dial­lo ist zwei­fa­che Mut­ter und flüch­te­te vor vier Jah­ren aus dem afri­ka­ni­schen Gui­nea nach Deutsch­land. Sie träumt davon, als Zahn­tech­ni­ke­rin zu arbei­ten – vor­her muss sie jedoch ihren Deutsch­kurs bestehen. „Das Schö­ne an die­sem Ehren­amt ist, dass wir bei­de davon pro­fi­tie­ren. Ich freue mich immer, wenn Hassa­tou mich um Hil­fe bit­tet. Und sie pro­fi­tiert davon, wenn wir mit­ein­an­der deutsch spre­chen“, sagt Vankerkom.

Ehren­amt und Enga­ge­ment ver­än­dert sich

Minis­te­rin Lam­brecht such­te das Gespräch mit den Tan­dems und besich­tig­te das Cari­tas­Kauf­haus. Die Paten­schaf­ten för­dern ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, Viel­falt und Tole­ranz, sie sei­en ein wich­ti­ger Bau­stein für das Zusam­men­le­ben, beton­te Dun­ja Kühr-Honer­­mann von der Cari­tas im Ober­ber­gi­schen Kreis. Das Ehren­amt spie­le dabei eine wich­ti­ge Rol­le. Die Cari­tas in Ober­berg hat der­zeit 160 Ehren­amt­li­che in ihren Rei­hen. „Ohne sie könn­ten wir das Pro­jekt nicht schaf­fen“, so Kühr-Honermann.

Nicht alle Ehren­amt­li­chen sind stän­dig im Ein­satz, man­che nur stun­­­den- oder tage­wei­se, je nach­dem wie es gera­de zur Lebens­pla­nung pas­se. Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lam­brecht beton­te, es sei wich­tig zu akzep­tie­ren, dass sich das Ehren­amt ver­än­de­re und dass die Men­schen sich unter­schied­lich ein­bräch­ten. „Wir kön­nen und wol­len als Staat nicht all das leis­ten, was die Ehren­amt­li­chen ein­brin­gen“, so Lambrecht.

Cari­tas setzt sich für bes­se­re sozia­le Absi­che­rung ein

Doch ganz ohne staat­li­che Unter­stüt­zung, wie bei­spiels­wei­se über die Pro­jekt­för­de­rung von “Men­schen stär­ken Men­schen” sind sol­che Pro­jek­te auch für die Cari­tas nicht mach­bar. Des­halb setzt sich die Cari­tas im Wahl­kampf zur Bun­des­tags­wahl für eine bes­se­re sozia­le Absi­che­rung in Deutsch­land ein. 

Um Men­schen auch wei­ter­hin vor Armut, sozia­lem und öko­no­mi­schem Abstieg, vor Woh­­nungs- oder Erwerbs­lo­sig­keit zu bewah­ren, müs­sen wir uns auch wei­ter­hin enga­gie­ren und gemein­sam für eine soli­da­ri­sche Zukunft kämp­fen. Für die kom­men­de Bun­des­re­gie­rung heißt das: Das Netz sozia­ler Siche­rung muss fes­ter geknüpft werden.

Lesen Sie in unse­rem Blog, was genau wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung beim The­ma sozia­le Absi­che­rung for­dern.



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DEMO­KRA­TIE EIN­FACH MACHEN! — IN DER JUGENDSOZIALARBEIT

Theresa Schmidt

The­re­sa Schmidt
27.07.2021



Noch wer­den benach­tei­lig­te jun­ge Men­schen zu wenig durch poli­ti­sche Bil­dung erreicht. Des­halb will IN VIA im Pro­jekt „Demo­kra­tie ein­fach machen!“ Fach­kräf­te dabei unter­stüt­zen, Demo­kra­tie­bil­dung in den Ange­bo­ten der Jugend­so­zi­al­ar­beit umzusetzen.

Die Pan­de­mie hat beson­ders die jun­gen Men­schen hart getrof­fen, die schon vor­her benach­tei­ligt waren. Sie dro­hen in der Schu­le und bei der Suche nach Aus­bil­dung und Beruf wei­ter abge­hängt zu wer­den. Aber auch ihre poli­ti­schen Teil­ha­be­chan­cen sind oft gerin­ger als bei Gleichaltrigen.

Umgang mit men­schen­ver­ach­ten­den Hal­tun­gen im All­tag. Foto: IN VIA Köln e.V.

In ihrem All­tag haben die jun­gen Men­schen kaum Gele­gen­hei­ten Demo­kra­tie zu erle­ben. Zu poli­ti­schen Bil­dungs­an­ge­bo­ten haben sie wenig Zugang. Poli­ti­sche Bil­dung ist aber wich­tig, damit Jugend­li­che erfah­ren, dass ihre Mei­nung zählt und sie etwas bewir­ken kön­nen. Sie sol­len die Chan­ce haben, ihre Anlie­gen ein­zu­brin­gen und unse­re Gesell­schaft aktiv mit­zu­ge­stal­ten. Erle­ben Jugend­li­che die­se Selbst­wirk­sam­keit nicht, kann dies Gefüh­le der Ohn­macht und Resi­gna­ti­on auslösen. 

Die eige­nen Rech­te ken­nen und Mit­be­stim­mung einfordern

Gera­de für Jugend­li­che, die selbst Dis­kri­mi­nie­rung erfah­ren, ist es wich­tig, ihre Rech­te zu ken­nen, um die­se selbst­be­wusst ein­for­dern zu kön­nen. Poli­ti­sche Bil­dungs­an­ge­bo­te eröff­nen Räu­me, in denen sie sich ihrer Res­sour­cen bewusst­wer­den, Kom­pe­ten­zen ent­wi­ckeln und Aner­ken­nung erfah­ren kön­nen. Sie eig­nen sich Wis­sen an, ler­nen aber auch ganz prak­tisch, ihre Posi­ti­on zu ver­tre­ten, in der Grup­pe einen Kon­sens zu fin­den und mit Kon­flik­ten umzu­ge­hen. Das stärkt sie in ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und eröff­net damit neue Per­spek­ti­ven und Lebenschancen. 

Metho­den für Demo­kra­tie­bil­dung in der Jugendsozialarbeit

In dem Pro­jekt „Demo­kra­tie ein­fach machen!“ von IN VIA wird ein pra­xis­taug­li­ches Hand­buch mit krea­ti­ven Metho­den zu den ver­schie­de­nen Facet­ten der Demo­kra­tie­bil­dung ent­wi­ckelt. Es soll den Fach­kräf­ten hel­fen, die­se The­men in der all­täg­li­chen Arbeit mit den Jugend­li­chen ein­zu­brin­gen. Dabei geht es bei­spiels­wei­se dar­um, Viel­falt wert­zu­schät­zen, Dis­kri­mi­nie­rung zu erken­nen, mit men­schen­feind­li­chen Äuße­run­gen umzu­ge­hen und die eige­ne Mei­nung zu ver­tre­ten. Damit das The­ma Demo­kra­tie für die Jugend­li­chen nicht abs­trakt bleibt, suchen wir gezielt nach Metho­den und The­men, die etwas mit der Lebens­rea­li­tät der jun­gen Men­schen zu tun haben. Dazu gibt es Grup­pen­übun­gen, Rol­len­spie­le und gemein­sa­me Entscheidungsprozesse. 

„Es ist für uns ein wich­ti­ger Grund­satz, die jun­gen Men­schen als Expert*innen für ihr eige­nes Leben mit ihren Wün­schen und For­de­run­gen ernst zu nehmen!“

Die Stim­me der jun­gen Men­schen ernst nehmen

In die Erar­bei­tung des Metho­den­hand­buchs bezie­hen wir sowohl Fach­kräf­te als auch Jugend­li­che ein. Wir bit­ten sie, eini­ge der Metho­den aus­zu­pro­bie­ren und uns rück­zu­mel­den, ob und wie sie funk­tio­nie­ren und was wir noch ver­bes­sern kön­nen. So wol­len wir sicher­stel­len, dass die Metho­den auch dem Bedarf und den The­men der Jugend­li­chen ent­spre­chen. Über­haupt ist es für uns ein wich­ti­ger Grund­satz, die jun­gen Men­schen als Expert*innen für ihr eige­nes Leben mit ihren Wün­schen und For­de­run­gen ernst zu nehmen!

Fotos, die im Rah­men des Pro­jek­tes „Demo­kra­tie rockt“ ent­stan­den sind. Foto: IN VIA Köln e.V.

Demo­kra­tie rockt! Jun­ge Men­schen auf der Suche nach leben­di­ger Demokratie 

Wie Demo­kra­tie­bil­dung in der Pra­xis aus­se­hen kann, zeigt das Pro­jekt „Demo­kra­tie rockt!“ von IN VIA Köln. Dort gin­gen jun­ge Men­schen aus den berufs­vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men der Fra­ge nach: Wo erle­ben wir leben­di­ge Demo­kra­tie in unse­rem All­tag in Köln? Dabei ging es um Demo­kra­tie im Klei­nen sowie im Gro­ßen. Die Ant­wor­ten hiel­ten sie foto­gra­fisch fest. Aus 134 Fotos, die den Facet­ten­reich­tum von Demo­kra­tie wider­spie­geln, wur­den in einem demo­kra­ti­schen Wahl­pro­zess 50 ein­drucks­vol­le Fotos durch die jun­gen Men­schen aus­ge­wählt. Sie zei­gen The­men wie Gleich­be­rech­ti­gung, Frie­den, Gerech­tig­keit, (Grund-)Rechte und Frei­heit. Die The­men­viel­falt spie­gelt sich im Pro­jekt auch in den Unter­richts­ein­hei­ten zum The­ma Demo­kra­tie wider: eine span­nen­de Fra­ge­run­de mit zwei Poli­zis­ten aus Köln sowie Besu­che der Aus­län­der­be­hör­de, des NS-Doku­­men­­ta­­ti­on­s­­zen­­trums und eines inter­kul­tu­rel­len Gemeinschaftsgartens.
Wir wol­len, dass alle Men­schen ihr Recht auf Mit­be­stim­mung umset­zen und sich mit ihren Anlie­gen ein­brin­gen kön­nen! Des­halb wol­len wir DEMO­KRA­TIE EIN­FACH MACHEN!

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KLI­MA­SCHUTZ MUSS SOZI­AL UND GERECHT SEIN!

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Deut­scher Cari­tas­ver­band e.V.
26.07.2021



Die sozi­al-öko­­­lo­­gi­­sche Trans­for­ma­ti­on gehört zu den gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft. 

Pan­de­mie­fol­gen, Digi­ta­li­sie­rung und Kli­ma­wan­del ver­stär­ken sich als Her­aus­for­de­run­gen gegen­sei­tig –  des­halb müs­sen wir die gegen­sei­ti­gen Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge beach­ten und ange­mes­se­ne Lösungs­kon­zep­te zu entwickeln.

Kli­ma­schutz sozi­al gerecht ausgestalten

Die Her­aus­for­de­rung ist enorm. Um die 1,5‑Grad-Grenze annä­hernd zu errei­chen, müs­sen die Emis­sio­nen in Deutsch­land in den kom­men­den fünf bis sechs Jah­ren etwa hal­biert, die Anstren­gun­gen nahe­zu ver­zehn­facht wer­den. Denn kli­ma­po­li­tisch nicht (aus­rei­chend) aktiv zu wer­den, ist mit erheb­li­chen sozia­len, öko­no­mi­schen und geo­po­li­ti­schen Kol­la­te­ral­schä­den verbunden.

Sozia­le Gerech­tig­keit und Kli­ma­schutz bedin­gen sich gegen­sei­tig und müs­sen bei­de glei­cher­ma­ßen beför­dert wer­den. Weder reicht eine ver­tei­lungs­po­li­ti­sche Abfe­de­rung von Kli­ma­schutz­maß­nah­men noch soll­ten Kli­ma­schutz­maß­nah­men aus falsch ver­stan­de­ner Rück­sicht­nah­me auf ein­kom­mens­schwä­che­re Haus­hal­te unterbleiben.

Als ers­tes ist zu prü­fen, wel­che vor­han­de­nen For­de­run­gen sub­stan­zi­ell zur Trei­b­haus­­gas-Redu­k­­ti­on bei­tra­gen. Zwei­tens sind die sozia­len Aus­wir­kun­gen zu unter­su­chen, damit Kli­ma­schutz nicht ein­sei­tig Ein­kom­mens­schwä­che­re belas­tet. Ambi­tio­nier­ter und sozi­al gerech­ter Kli­ma­schutz soll zur Leit­li­nie der Daseins­vor­sor­ge werden.

War­um mischt sich die Cari­tas aus sozi­al­po­li­ti­scher Per­spek­ti­ve in die Kli­ma­po­li­tik ein?

Glo­bal und natio­nal lei­den ein­kom­mens­är­me­re Men­schen, Älte­re sowie Kin­der und Jugend­li­che stär­ker unter den Fol­gen der bereits spür­ba­ren Kli­ma­kri­se. Häu­fi­ger auf­tre­ten­de Wet­ter­ex­tre­me, Dür­re, der Ver­lust an frucht­ba­ren Böden, der Anstieg des Mee­res­spie­gels, Deser­ti­fi­ka­ti­on und die Ver­sal­zung der Böden füh­ren zu Ernäh­rungs­kri­sen und zum Ver­lust an Lebens­per­spek­ti­ven im Glo­ba­len Süden.

Auch in Deutsch­land lei­den zuvor­derst Ein­kom­mens­är­me­re, die häu­fig in schlecht iso­lier­ten Woh­nun­gen leben. Sie hei­zen sich in hei­ßen Som­mern stark auf und las­sen die nöti­ge Abküh­lung nicht zu, weil in dicht bebau­ten Stadt­vier­teln Frisch­luft­schnei­sen für die Abküh­lung fehlen.

Opfer von Kli­ma­ka­ta­stro­phen sind meist nicht die Verursacher

Sowohl Kin­der und Jugend­li­che als auch älte­re Men­schen sind beson­ders stark von den Aus­wir­kun­gen der stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren betrof­fen. Älte­re lei­den häu­fi­ger unter Herz-Kreis­lauf­er­kran­­kun­­­gen und Jün­ge­re wei­sen ent­wick­lungs­be­dingt eine beson­de­re Ver­letz­bar­keit auf. Von Atem­wegs­er­kran­kun­gen sind alle glei­cher­ma­ßen betroffen.

Dabei sto­ßen die beson­ders von der Kli­ma­kri­se Betrof­fe­nen pro­por­tio­nal wesent­lich weni­ger Koh­len­di­oxid aus. Die Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung lebt mit einem Aus­stoß von weni­ger als einer Ton­ne CO2 kli­ma­ge­recht und stößt zusam­men nur halb so viel Treib­haus­ga­se aus wie das reichs­te 1 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung. Auch in Deutsch­land tra­gen die Mit­­­tel- und Ober­schicht durch grö­ße­re Woh­nun­gen sowie mehr (Frei­­zeit-) Mobi­li­tät deut­lich mehr zur Kli­ma­kri­se bei. Die bis­he­ri­ge Kli­ma­po­li­tik setzt in gro­ßen Tei­len auf finan­zi­el­le Anrei­ze (EEG-Umla­­ge, För­der­pro­gram­me bei Gebäu­de­sa­nie­rung, Kauf­prä­mie für E‑Autos…) oder auf Preis­si­gna­le (CO2-Preis) ohne Pro­gres­si­on. Dies begüns­tigt die Mit­­­tel- und Ober­schicht und führt auf­grund einer zuneh­mend erkenn­ba­ren sozia­len Schief­la­ge zu abneh­men­der Akzep­tanz. Aus die­sen sozi­al­po­li­ti­schen Grün­den mischt sich der Deut­sche Cari­tas­ver­band in die Kli­ma­po­li­tik ein.

Damit sozi­al gerech­ter Kli­ma­schutz gelingt, for­dern wir von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • CO2-Beprei­­sung samt Kli­ma­geld ein­füh­ren: Der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen muss deut­lich teu­rer wer­den. Damit eine Beprei­sung nicht zuvor­derst Ein­kom­mens­är­me­re betrifft, sind die Ein­nah­men in Form einer Kli­ma­prä­mie anteil­mä­ßig an alle zurück­zu­ge­ben. Durch den gerin­ge­ren Ener­gie­ver­brauch erhal­ten Ein­kom­mens­är­me­re mehr zurück, als sie in Form von höhe­ren CO2-Abga­­ben zah­len. Um Här­te­fäl­le zu ver­mei­den (hoher Strom­ver­brauch wegen Nacht­spei­cher­öfen etc.), bedarf es eines Ausgleichfonds.
  • Kli­ma­schäd­li­che Sub­ven­tio­nen abbau­en: Nach wie vor ist die Lis­te der kli­ma­schäd­li­chen Sub­ven­tio­nen und deren Höhe vor allem im Ver­kehrs­be­reich erschre­ckend (z.B. Dienst­wa­gen­pri­vi­leg, Steu­er­ver­güns­ti­gung für Die­sel­kraft­stoff, För­de­rung des Flug­ver­kehrs). Die­se gilt es rasch zurück­zu­fah­ren und die frei­wer­den­den Mit­tel in den Aus­bau einer öffent­li­chen, kli­ma­freund­li­chen Infra­struk­tur zu investieren.
  • Öffent­li­che Infrastruktur/Daseinsvorsorge (Verkehr/Wohnen/Wärme/Energie) aus­bau­en: Damit ein­kom­mens­är­me­re Haus­hal­te bei einer stei­gen­den CO2-Beprei­­sung alter­na­ti­ve Hand­lungs­mög­lich­kei­ten besit­zen, ist die öffent­li­che Infra­struk­tur aus­zu­bau­en, bei­spiels­wei­se in den Berei­chen Ver­kehr, Woh­nen (kom­mu­na­le Woh­nungs­un­ter­neh­men sind güns­ti­ger und i.d.R. kli­ma­ef­fi­zi­en­ter als pri­va­te Woh­nungs­un­ter­neh­men) und Wärmeversorgung.

 

Wei­te­re For­de­run­gen der Caritas

In unse­rer Bro­schü­re fin­den Sie zusätz­li­che Infos zum The­ma sozi­al gerech­ter Klimaschutz.

Die Cari­tas setzt sich zur Bun­des­tags­wahl 2021 dar­über hin­aus für gute Pfle­ge und für bes­se­re sozia­le Absi­che­rung ein. Einen Über­blick über unse­re For­de­run­gen fin­den sie unter “WIR FORDERN”.

Sie inter­ess­sie­ren sich für wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zu unse­ren For­de­run­gen oder möch­ten über die The­men ins Gespräch kom­men? Hier fin­den Sie unser aus­führ­li­ches sozi­al­po­li­ti­sches Hin­ter­grund­pa­pier als PDF-Down­­load.

Fra­gen Sie Ihre Kandidat_innen vor Ort

Am 26.09. ist Bun­des­tags­wahl – eine Ent­schei­dung mit enor­mer Trag­wei­te. Denn nach der Pan­de­mie müs­sen wir die rich­ti­gen Wei­chen in die Zukunft stel­len. Nut­zen Sie unse­re E‑Mail-Vor­­la­­ge, um die Kan­di­die­ren­den in Ihrem Wahl­kreis nach Ihrer Posi­ti­on zu fra­gen. So erfah­ren Sie, wel­che Plä­ne unse­re Politiker_innen für die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode haben.

WEI­TE­RE BETRÄGE

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NIE­MAND DARF SOZI­AL ABSTÜRZEN!

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Deut­scher Cari­tas­ver­band e.V.
09.07.2021



Woh­nen, Bil­dung, Armut: Coro­na hat ein­mal mehr gezeigt, wie unter­schied­lich Lebens­be­din­gun­gen in Deutsch­land sind. 

Damit Men­schen in schwie­ri­gen, aber auch bis­lang gere­gel­ten Lebens­ver­hält­nis­sen nicht in sozia­le Not­la­gen gera­ten, muss das Netz sozia­ler Siche­rung fes­ter geknüpft wer­den. Des­halb for­dert die Cari­tas eine bes­se­re sozia­le Absi­che­rung, Maß­nah­men gegen Kin­der­ar­mut und für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Sozia­le Siche­rungs­sys­te­me auf Lücken überprüfen

Die Pan­de­mie hat gezeigt, wie ent­schei­dend eine funk­ti­ons­fä­hi­ge sozia­le Infra­struk­tur für das Wohl­erge­hen der Men­schen und für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt ist. Von Kran­ken­haus, zur All­ge­mei­nen Sozi­al­be­ra­tung bis hin zu bezahl­ba­rem Wohn­raum und fami­li­en­freund­li­cher, fair bezahl­ter Arbeits­plät­ze: Die sozia­le Infra­struk­tur muss umfas­send und für alle vor­han­den sein. Jeder Mensch muss die Ange­bo­te dort in Anspruch neh­men kön­nen, wo er lebt. Der Zugang zu ver­läss­li­cher Kin­der­be­treu­ung, Gesun­d­heits- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen oder zu Bera­tung in schwie­ri­gen Lebens­pha­sen, muss für alle gewähr­leis­tet sein.

Um die sozia­le Infra­struk­tur zu stär­ken, for­dern wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung unter anderem:

  • Die prä­ven­ti­ve Schuld­ner­be­ra­tung braucht einen ver­an­ker­ten Rechts­an­spruch und die Sucht­be­ra­tung muss mit einer kos­ten­de­cken­den, bun­des­weit ein­heit­li­chen und ver­läss­li­chen Finan­zie­rung der Grund­ver­sor­gung aus­ge­stat­tet werden.
  • Hand­lungs­be­darf besteht auch bei der ange­mes­se­nen Unter­brin­gung von woh­­nungs- und obdach­lo­sen Men­schen und der ord­nungs­recht­li­chen Unter­brin­gung, unab­hän­gig von der Staatsangehörigkeit.
  • Die Sprach­bar­rie­re ist unter ande­rem eine gro­ße Hür­de zu Ange­bo­ten der Daseins­vor­sor­ge. Die­se Hür­den müs­sen besei­tigt wer­den, nicht zuletzt durch Sprach­ver­mitt­lung für Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Behör­den und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen müs­sen sich inter­kul­tu­rell öff­nen, um der Viel­falt der Gesell­schaft Rech­nung zu tragen.
  • Die Kom­mu­nen müs­sen finan­zi­ell so aus­ge­stat­tet sein, dass sie eine ver­läss­li­che Finan­zie­rung der Daseins­vor­sor­ge und ein ange­mes­se­nes Ange­bot sozia­ler Infra­struk­tur­leis­tun­gen gewähr­leis­ten können. 

Bil­dungs­ge­rech­tig­keit jetzt end­lich umsetzen

Kin­der wach­sen in ers­ter Linie in Fami­li­en auf. Die Fami­lie hat ent­schei­den­den Ein­fluss auf die per­sön­li­che Ent­wick­lung und die Bil­dung von Kin­dern. Um Kin­der­ar­mut zu ver­mei­den müs­sen wir des­halb das fami­liä­re Umfeld, die öko­no­mi­sche Situa­ti­on der Eltern und die Erzie­hungs­kom­pe­tenz unter­stüt­zen. Auch Gewalt gegen Kin­der muss ver­hin­dert wer­den. Bera­­tungs- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für die Eltern sowie Bil­­dungs- und Bera­tungs­an­ge­bo­te für Kin­der und Jugend­li­che sind dafür unverzichtbar.

Die Bil­dungs­chan­cen von Kin­dern sind dar­über hin­aus sehr unter­schied­lich aus­ge­prägt und wer­den zudem von der sozia­len Her­kunft beein­flusst. Jugend­li­che aus bil­dungs­fer­nen Eltern­häu­sern errei­chen das Abitur deut­lich sel­te­ner (39 Pro­zent) wie Jugend­li­che aus bil­dungs­na­hen Eltern­häu­sern (81 Pro­zent). Durch die Coro­­na-Maß­­nah­­men ist die Ungleich­heit der Bil­dungs­vorraus­set­zun­gen und ‑chan­cen zusätz­lich ver­schärft worden.

Um eine gute früh­kind­li­che Bil­dung, Betreu­ung und Erzie­hung sicher­zu­stel­len, for­dern wir unter ande­rem von der künf­ti­gen Bundesregierung:

  • Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen müs­sen in ihrer Bedeu­tung für die Gesell­schaft und inner­halb des Bil­dungs­sys­tems durch bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen gestärkt wer­den. Denn sie sind für über 90 Pro­zent der Kin­der die ers­te außer­fa­mi­liä­re Bil­dungs­in­sti­tu­ti­on und beson­ders für Kin­der aus benach­tei­lig­ten Fami­li­en ent­schei­dend für die Bildungsbiografie.
  • Der Anspruch auf Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schul­kin­der muss als ein Rechts­an­spruch auf ein Ange­bot von Erzie­hung, Bil­dung und Betreu­ung ver­an­kert wer­den und über einen rei­nen Betreu­ungs­an­spruch hin­aus­ge­hen, um die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Kin­der mit einem umfas­sen­den Bil­­dungs- und Teil­ha­be­ver­ständ­nis zu för­dern.
  • Die Leis­tun­gen und Ange­bo­te der Kin­­der- und Jugend­hil­fe müs­sen von Anfang an auch für alle Kin­der und Jugend­li­che im Asyl­ver­fah­ren offenstehen.
  • Schu­len müs­sen in die Lage ver­setzt wer­den, allen Kin­dern und Jugend­li­chen Zugang zu digi­ta­len End­ge­rä­ten zu ver­schaf­fen. Wir for­dern dafür eine Rege­lung im Bil­­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket.
  • Schul­so­zi­al­ar­beit muss sys­te­ma­tisch aus­ge­baut, abge­si­chert und als Ange­bot der Kin­­der- und Jugend­hil­fe gestärkt werden.

Kin­der­re­gel­sät­ze und die Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen ins­ge­samt real berechnen

In Deutsch­land wächst mehr als jedes fünf­te Kind in Armut auf. Das sind 2,8 Mil­lio­nen Kin­der unter 18 Jah­ren. Der aktu­el­le Armuts- und Reich­tums­be­richt zeigt, dass sich Armut ver­fes­tigt. Ein hoher Anteil der Kin­der aus Armuts­la­gen befin­det sich auch noch im jun­gen Erwach­se­nen­al­ter in die­ser Situa­ti­on. Allein­er­zie­hen­de und Mehr-Kind-Fami­­li­en wei­sen zudem ein über­durch­schnitt­li­ches Armuts­ri­si­ko auf. Auch wenn Armut vie­le Ursa­chen hat und mehr als nur der Man­gel an öko­no­mi­schen Res­sour­cen ist, kommt der Ein­kom­mens­ar­mut von Fami­li­en eine beson­de­re Bedeu­tung zu.  

Um den Ursa­chen für Kin­­der- und Jugend­ar­mut ent­ge­gen­zu­wir­ken, for­dern wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung unter anderem:

  • Trotz Refor­men bei ein­zel­nen Trans­fer­leis­tun­gen sind die Leis­tun­gen wei­ter­hin ver­wal­tungs­auf­wän­dig und bei vie­len Fami­li­en nicht bekannt. Zum zehn­jäh­ri­gen Bestehen des Bil­­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets (BuT) zeigt eine Cari­­tas-Umfra­­ge bei­spiels­wei­se, dass die Kon­flik­te bei der Lern­för­de­rung vor­pro­gram­miert sind. Zudem sind die Leis­tun­gen in vie­len Fäl­len unzu­rei­chend. Die gesetz­li­chen Vor­ga­ben müs­sen refor­miert und die Leis­tun­gen bes­ser bekannt gemacht wer­den, damit sie ver­läss­lich bei allen Fami­li­en ankommen.
  • Damit Kin­der und Jugend­li­che am gesell­schaft­li­chen Leben teil­ha­ben kön­nen, muss Teil­ha­be bei der Exis­tenz­si­che­rung berück­sich­tigt wer­den. Das kind­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum muss des­halb ein­heit­lich, trans­pa­rent sowie sach- und rea­li­täts­ge­recht ermit­telt wer­den.
  • Zudem sind Haus­hal­te von soge­nann­ten ver­deckt Armen aus der Refe­renz­grup­pe zu Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe her­aus­zu­rech­nen. Der Anteil für Strom muss bedarfs­de­ckend sein. Mehr­be­dar­fe für die dezen­tra­le Warm­was­ser­be­rei­tung müs­sen erhöht wer­den. Gleich­zei­tig dür­fen Erhö­hun­gen der Regel­sät­ze nicht zu neu­en aus­län­der­recht­li­chen Hür­den füh­ren, indem der Nach­weis der eigen­stän­di­gen Lebens­un­ter­halts­si­che­rung durch ent­spre­chend erhöh­te Min­dest­ein­kom­mens­sät­ze erschwert wird. Hier soll­ten die Anfor­de­run­gen von den stei­gen­den Regel­sät­zen ent­kop­pelt und an der rei­nen Exis­tenz­si­che­rung fest­ge­macht werden.
  • Auch die Wohn­si­tua­ti­on ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ein gutes Auf­wach­sen von Kin­dern. Des­halb ist es erfor­der­lich, dass die Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung im SGB II und SGB XII rechts­si­cher und aus­kömm­lich ermit­telt werden.

Wei­te­re For­de­run­gen der Caritas

Die Cari­tas setzt sich zur Bun­des­tags­wahl 2021 dar­über hin­aus für gute Pfle­ge und für einen sozi­al gerech­ten Kli­ma­schutz ein. Einen Über­blick über unse­re For­de­run­gen fin­den sie unter “WIR FORDERN”.

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Am 26.09. ist Bun­des­tags­wahl – eine Ent­schei­dung mit enor­mer Trag­wei­te. Denn nach der Pan­de­mie müs­sen wir die rich­ti­gen Wei­chen in die Zukunft stellen. 

Nut­zen Sie unse­re E‑Mail-Vor­­la­­ge, um die Kan­di­die­ren­den in Ihrem Wahl­kreis nach Ihrer Posi­ti­on zu fra­gen. So erfah­ren Sie, wel­che Plä­ne unse­re Politiker_innen für die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode haben.


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