SOLI­DA­RI­TÄT MIT KIN­DERN DES KRIEGES

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Chris­ti­an Stock
18.01.2022

Noch immer wer­den im Kon­go Jun­gen und Mäd­chen ent­führt und zu Kriegs­ein­sät­zen gezwun­gen. Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo war selbst drei Jah­re lang Kin­der­sol­dat. Als Lei­ter eines Zen­trums für Kin­der­sol­da­ten unter­stützt er heu­te ande­re im Umgang mit den erleb­ten Traumata. 

Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo hilft ehe­mal­li­gen Kin­der­sol­da­ten, ein nor­ma­les Leben auf­zu­bau­en. © Foto: Ben­te Stachowske

„Ich war 13 Jah­re alt, als die Rebel­len mich zwan­gen, mit ihnen zu kom­men“, erzählt Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo. Im Jahr 2001 wur­de er ent­führt. „Drei Jah­re lang war ich Kin­der­sol­dat, bis mir end­lich die Flucht gelang.“ Wenn er ruhig, aber bestimmt von sei­nem Leben erzählt, wird eines schnell klar: Es war eine gute Idee, ihn zum Lei­ter eines Zen­trums für Kin­der­sol­da­ten im Kon­go zu machen. Denn bes­ser als er könn­te nie­mand die Jugend­li­chen ver­ste­hen, die unter sei­ner Lei­tung ver­su­chen, wie­der ins nor­ma­le Leben zurückzufinden.

Kin­der blei­ben Kin­der, auch als Soldaten

„Ich weiß, wie tief die see­li­schen Ver­let­zun­gen sind, die einem in die­ser Zeit zuge­fügt wer­den.“ Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo ist heu­te 33 Jah­re alt und war nur einer von zig­tau­sen­den Kin­der­sol­da­ten, die damals im Zwei­ten Kon­go­krieg von allen Kriegs­par­tei­en ein­ge­setzt wur­den. Meh­re­re kon­kur­rie­ren­de Rebel­len­grup­pen ver­such­ten, die Regie­rung der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go zu stür­zen, und gin­gen dabei extrem bru­tal vor. War­um so vie­le Kin­der zwangs­re­kru­tiert wur­den? „Kin­der blei­ben auch als Sol­da­ten Kin­der,“ erklärt Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo. „Des­halb sind sie für die Mili­zen leicht zu mani­pu­lie­ren­de Arbeits­kräf­te. Sie wer­den bevor­zugt für beson­ders grau­sa­me Tätig­kei­ten ein­ge­setzt, zum Bei­spiel das Töten von Deser­teu­ren oder Gefangenen.“

Drei Jah­re lang wur­de Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo selbst zum Kin­der­sol­da­ten­da­sein gezwun­gen. © Foto: Ben­te Stachowske

In einem unbe­ob­ach­te­ten Moment konn­te Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo flie­hen. Im nächs­ten Dorf erfuhr er zu sei­nem gro­ßen Glück, dass in der Nähe ein Cari­tas-Zen­trum für Kin­der­sol­da­ten lag. Dort absol­vier­te er ein drei­mo­na­ti­ges Demo­bi­li­sie­rungs­pro­gramm. Im Anschluss nahm ihn sei­ne Fami­lie wie­der auf. Er wuchs jedoch ohne sei­ne Mut­ter auf — sie war ermor­det wor­den, als er noch ein Klein­kind war. Sei­ne Brü­der waren nicht von Rebel­len ent­führt wor­den und konn­ten eine nor­ma­le Aus­bil­dung machen. Auch Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo setz­te nun den zwangs­wei­se unter­bro­che­nen Schul­be­such fort und mach­te sein Abitur. Nach dem Stu­di­um wur­de er Leh­rer an einer Grundschule.

Trau­ma­ta müs­sen pro­fes­sio­nell ver­ar­bei­tet werden

Seit 2012 arbei­tet er als Lei­ter des Cari­tas-Zen­trums für Kin­der­sol­da­ten in Kanya­ba­y­on­ga im Ost-Kon­go, das unter ande­rem von Cari­tas inter­na­tio­nal unter­stützt wird. In die­ser umkämpf­ten Regi­on wer­den bis heu­te Kin­der­sol­da­ten „rekru­tiert“ bezie­hungs­wei­se ent­führt, dar­un­ter vie­le Mäd­chen. Wenn die Rebel­len­grup­pen die Kin­der irgend­wann ent­las­sen oder wenn die Kin­der flie­hen kön­nen, brau­chen sie drin­gend pro­fes­sio­nel­le Beglei­tung, um die erlit­te­nen Trau­ma­ta zu bewältigen.

“Drei Jah­re lang war ich Kin­der­sol­dat, bis mir end­lich die Flucht gelang. Ich weiß, wie tief die see­li­schen Ver­let­zun­gen sind, die einem in die­ser Zeit zuge­fügt wer­den.” – Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo, Cari­tas Goma

„Die­se schreck­li­chen Erleb­nis­se müs­sen sie ver­ar­bei­ten, dabei unter­stüt­zen wir sie.“ Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo sieht das als sei­ne vor­dring­lichs­te Auf­ga­be an: „Wir bie­ten ihnen ein vor­über­ge­hen­des Zuhau­se und über­le­gen gemein­sam, ob sie wie­der die Schu­le besu­chen oder eine Aus­bil­dung machen können.“

Heu­te wer­den noch immer Kin­der ent­führt und zu Sol­da­ten aus­ge­bil­det. © Foto: Alex­an­der Bühler

Die Kin­der iden­ti­fi­zie­ren sich mit Jules Ira­du­kun­da Kamonyo

Die Wie­der­ein­glie­de­rung der Kin­der­sol­da­ten in die Gesell­schaft ist jedoch alles ande­re als ein­fach, berich­tet der Ein­rich­tungs­lei­ter: „Wir ver­su­chen Kon­takt zu ihren Fami­li­en her­zu­stel­len und sie behut­sam wie­der in ihre alte Umge­bung zu inte­grie­ren. Das ist oft schwie­rig, weil die Fami­li­en Angst vor ihnen haben und nicht möch­ten, dass sie zurückkommen.“

Vie­le der ehe­ma­li­gen Kin­der­sol­da­ten sind aggres­siv und gewalt­tä­tig, sie neh­men oft Dro­gen und wis­sen nicht, was sie mit ihrem Leben anfan­gen sol­len. Der Kon­takt mit einem der ihren ist daher von unschätz­ba­rem Wert: Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo ist ein über­zeu­gen­des Vor­bild dafür, wie man es schaf­fen kann, die Fes­seln der Ver­gan­gen­heit abzustreifen.

Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo macht um sei­ne Geschich­te und sein segens­rei­ches heu­ti­ges Wir­ken kei­ne gro­ßen Wor­te. Sei­ne Moti­va­ti­on erläu­tert er ganz beschei­den so: „Wir hel­fen den Kin­dern, ihren Platz in der Gemein­schaft wie­der zu finden.“

Seit 2012 lei­tet Jules Ira­du­kun­da Kamo­n­yo das Zen­trum für Kin­der­sol­da­ten in Kanya­ba­y­on­ga, Repu­blik Kon­go. © Foto: Ben­te Stachowske

 

Mehr über die Arbeit der Cari­tas welt­weit und über unser huma­ni­tä­res Hilfs­werk erfah­ren Sie auf den Web­sei­ten von Cari­tas inter­na­tio­nal: www.caritas-international.de.

 

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Eine Ant­wort auf „Soli­da­ri­tät: Jules Ira­du­kun­da Kamonyo“ 

Ein groß­ar­ti­ges Pro­jekt, ein Bera­tungs­haus für Kin­der­sol­da­ten. Das ist so wich­tig, die­sen Kin­dern eine Chan­ce zu geben, wie­der Mit­glie­der der Gesell­schaft zu wer­den und wie­der Kind sein zu kön­nen. Ich wün­sche viel Erfolg bei die­sem Projekt!

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