CARI­TAS-POSI­TI­ON: WIR KOM­MEN NUR MIT­EIN­AN­DER DURCH DIE KRISE

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Deut­scher Caritasverband 
13.01.2021

Soli­da­ri­tät ist ein Schlüs­sel dafür, dass wir die Pan­de­mie gut über­ste­hen. Dabei kommt es auf jede(n) an. Aber es braucht auch poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, die den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt beför­dern und die Hil­fen für Men­schen in Not dau­er­haft sichern. 

Coro­na ver­än­dert das Leben vie­ler Men­schen. Aus Sicher­heit und Wohl­stand wer­den Angst und Exis­tenz­sor­gen. Die freie, demo­kra­ti­sche Gesell­schaft gerät unter Druck, auch durch spal­ten­de Kräf­te in der Bevöl­ke­rung. Die Bedeu­tung des Sozi­al­staa­tes und eines guten Gesund­heits­sys­tems wer­den offen­sicht­lich – auch für Grup­pen, die bis­lang gut ohne Hil­fe klar­ge­kom­men sind. Exis­tenz­be­dro­hend wird die Pan­de­mie aller­dings für die, die schon län­ger auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind: Woh­nungs­lo­se, arme Men­schen, Alleinerziehende… 
Als Wohl­fahrts­ver­band trägt der Deut­sche Cari­tas­ver­band (DCV) dazu bei, sozia­le Sicher­heit Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen – auch in Zei­ten der Pan­de­mie. Mit einem brei­ten Ange­bot sozia­ler Diens­te und Leis­tun­gen ant­wor­tet er auf sozia­le Bedar­fe und Not­la­gen und trägt sei­ne Erfah­run­gen in die gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Debat­te. Als Soli­da­ri­täts­stif­ter ver­söhnt der DCV und wirkt für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt. Zur Bewäl­ti­gung der Pan­de­mie-Fol­gen braucht es 
  • eine Bün­de­lung von Kräf­ten und die Bil­dung von Alli­an­zen zur Stär­kung des gesell­schaft­li­chen Zusammenhalts.
  • Spal­tun­gen, Pola­ri­sie­run­gen und fal­schen Ver­ein­fa­chun­gen müs­sen wir ent­ge­gen­tre­ten und Vor­aus­set­zun­gen für Soli­da­ri­tät (auch unter Unglei­chen) stärken.
  • Wir müs­sen die Teil­ha­be­chan­cen aller Men­schen durch anwalt­schaft­li­ches Reden, soli­da­ri­sches Han­deln sowie durch Enga­ge­ment und Empower­ment verbessern.
Die Cari­tas will dazu ihren Bei­trag leis­ten und lädt alle ein, bei die­sen Anlie­gen mit­zu­den­ken und ent­spre­chend zu handeln: 

Sicher & frei – #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam

Die wirt­schaft­li­chen, sozia­len, poli­ti­schen und psy­chi­schen Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie prä­gen unse­re Gesell­schaft, die Poli­tik sowie die Arbeit der Cari­tas im Jahr 2021 – und weit dar­über hin­aus.Im Spa­gat zwi­schen Sicher­heit und Frei­heit will die Cari­tas gemein­sam mit der Poli­tik alles tun, um Men­schen zu schüt­zen und die Pan­de­mie-Fol­gen zu bewäl­ti­gen. Gesund­heit­li­che Sicher­heit hat Vor­rang – dafür wer­den Frei­heits­rech­te ein­ge­schränkt. Die Abwä­gung zwi­schen Sicher­heit und Frei­heit war und bleibt her­aus­for­dernd, wie die­se Fra­gen zeigen: 
  • Dür­fen Ange­hö­ri­gen-Kon­tak­te in Ein­rich­tun­gen der Alten­hil­fe und der Behin­der­ten­hil­fe aus Sicher­heits­grün­den dau­er­haft ein­ge­schränkt oder ver­wehrt werden?
  • Dür­fen unse­re per­sön­li­chen Bewe­gungs­mus­ter digi­tal über­wacht und für epi­de­mio­lo­gi­sche Maß­nah­men aus­ge­wer­tet werden?
  • Ist es rich­tig, auch Kin­der aus benach­tei­lig­ten Lebens­ver­hält­nis­sen – ohne die nöti­ge digi­ta­le Aus­stat­tung – ins Home­schoo­ling zu schicken?
  • Wel­che Lösun­gen sind mög­lich, um Men­schen in Flücht­lings­un­ter­künf­ten mehr Frei­raum und Abstand zu geben?
  • Die Pan­de­mie darf nicht wei­ter zur Ver­tie­fung sozia­ler und öko­no­mi­scher Ungleich­heit füh­ren. Das Netz sozia­ler Siche­rung muss dort fes­ter geknüpft und nach­jus­tiert wer­den, wo Men­schen in schwie­ri­gen oder bis­lang gere­gel­ten Lebens­ver­hält­nis­sen in neue sozia­le Not­la­gen geraten.
  • Die Mög­lich­keit staat­li­cher Ein­schrän­kun­gen der Betriebs­aus­übung sozia­ler und gesund­heit­li­cher Diens­te und Ein­rich­tun­gen muss mit dau­er­haft wirk­sa­men Regeln für eine öko­no­mi­sche Absi­che­rung der sub­si­diä­ren Leis­tungs­er­brin­ger als zen­tra­le Säu­le der sozia­len Infra­struk­tur ver­knüpft sein.
  • Es bedarf einer sorg­sa­men Abwä­gung zwi­schen unter­schied­li­chen Inter­es­sen im Span­nungs­feld von Für­sor­ge einer­seits und per­sön­li­cher Frei­heit und Teil­ha­be ande­rer­seits, ins­be­son­de­re auch mit Blick auf infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Rege­lun­gen und Beschrän­kun­gen. Es geht um den Erhalt von Hand­lungs­spiel­räu­men und indi­vi­du­ell bezie­hungs­wei­se regio­nal ange­pass­te Lösun­gen zum Schutz vul­nerabler Personengruppen.
  • Die Exper­ti­se auch der Cari­tas muss in die Pla­nung und Umset­zung von Prä­ven­ti­on und Gesund­heits­för­de­rung zum Abbau von (gesund­heit­li­cher) Chan­cen­un­gleich­heit und zur Gestal­tung einer pan­de­mie­sen­si­blen Nor­ma­li­tät ein­be­zo­gen werden.
  • Teil­ha­be- und Betei­li­gungs­rech­te von Kin­dern und Jugend­li­chen müs­sen gestärkt wer­den, um zu ver­hin­dern, dass die „Pan­de­mie­jah­re 2020/21“ nach­hal­tig Spu­ren der Beein­träch­ti­gung in ihrem Lebens­lauf hinterlässt.
  • Bera­tungs- und The­ra­pie­an­ge­bo­te gera­de auch für Kin­der und Jugend­li­che in länd­li­chen Regio­nen müs­sen aus­ge­baut und finan­zi­ell abge­si­chert werden.
  • Es bedarf einer pra­xis­na­hen Erfor­schung der Fol­gen der Pan­de­mie im Hin­blick auf die Inan­spruch­nah­me von fami­li­en­un­ter­stüt­zen­den Leistungen.
  • Die Ren­ten­ver­si­che­rung muss durch Aus­wei­tung des Ver­si­cher­ten­krei­ses hin zu einer Erwerbs­tä­ti­gen­ver­si­che­rung gestärkt wer­den, damit auch bis­her nicht abge­si­cher­te Grup­pen, deren Risi­ken in der Coro­na-Kri­se deut­lich sicht­bar wur­den (wie klei­ne Selbst­stän­di­ge), ein Sicher­heits­netz im Alter erhalten.
Als im Früh­jahr 2020 die Welt von der Pan­de­mie über­rascht wur­de, hat sich die Cari­tas rasch auf die neu­en Umstän­de ein­ge­stellt, um wei­ter­hin an der Sei­te der Men­schen sein zu können. 
  • Sozia­le Diens­te blei­ben in mög­lichst gro­ßem Umfang für ihre Klient(inn)en erreich­bar – zum Bei­spiel durch vir­tu­el­le, teils mit siche­ren Orts­ter­mi­nen kom­bi­nier­te Beratung.
  • Die Diens­te und Ein­rich­tun­gen der Cari­tas – von der Schwan­ge­ren­be­ra­tung bis zum Jugend­mi­gra­ti­ons­dienst – unter­stüt­zen ihre Klient(inn)en in der Exis­tenz­si­che­rung und bei der Ein­lö­sung sozi­al­recht­li­cher Ansprüche.
  • Mit einer sich rund um katho­li­sche Kran­ken­häu­ser ent­wi­ckeln­den Ver­sor­gung för­dert die Cari­tas die gesund­heit­li­che Chan­cen­gleich­heit – gera­de auch für ver­letz­li­che Bevölkerungsgruppen.
  • Um jun­gen Men­schen mit schlech­ten Start­chan­cen Per­spek­ti­ven auch unter Pan­de­mie-Bedin­gun­gen zu sichern, stärkt die Cari­tas ihre Ange­bo­te der Schul­so­zi­al­ar­beit und aus­bil­dungs­be­glei­ten­der Maßnahmen.
  • Sie arbei­tet in Bünd­nis­sen wie „Akti­ons­ta­ge Gefäng­nis“ mit ande­ren Ver­bän­den dar­an, die Bevöl­ke­rung für die Lage inhaf­tier­ter Men­schen in Coro­na-Zei­ten zu sensibilisieren.
  • Aus sys­te­ma­ti­scher Beob­ach­tung der Pan­de­mie­fol­gen für die Men­schen – etwa in den Bera­tungs­diens­ten der Cari­tas – wer­den Lösungs­vor­schlä­ge für neu oder ver­stärkt in Not Gera­te­ne formuliert.

Zen­trum & Peri­phe­rie: #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam

Gleich­wer­ti­ge Lebens­ver­hält­nis­se in ganz Deutsch­land blei­ben 2021 weit oben auf der Tages­ord­nung. Denn sie ste­hen für glei­che Teil­ha­be-Chan­cen unab­hän­gig von der Post­leit­zahl. Neben bezahl­ba­rem Wohn­raum und fami­li­en­freund­li­chen, fai­ren Jobs braucht es dafür die finan­zi­el­le Absi­che­rung der Kom­mu­nen – sie sor­gen zusam­men mit den Wohl­fahrts­ver­bän­den für das sozia­le Netz vor Ort. 
  • Eine aus­kömm­li­che finan­zi­el­le Aus­stat­tung der Kom­mu­nen, die sie in die Lage ver­setzt, sozia­le Daseins­vor­sor­ge zu erhal­ten und zu gestal­ten (zum Bei­spiel Kom­pen­sa­ti­on von Gewer­be­steu­er­aus­fäl­len über 2021 hinaus)
  • eine part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit zwi­schen öffent­li­chen Leis­tungs­trä­gern und sub­si­diä­ren Leis­tungs­er­brin­gern zur Her­stel­lung und Wah­rung gleich­wer­ti­ger Lebensverhältnisse
  • Refor­men des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts, die für eine Kul­tur des Auf­wach­sens in allen Tei­len Deutsch­lands und für alle Kin­der – unab­hän­gig davon, ob sie eine Beein­träch­ti­gung haben und unab­hän­gig davon, wo sie woh­nen – die not­wen­di­gen Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen. Dazu gehört auch der Aus­bau einer qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Ganz­tags­be­treu­ung von Grundschulkindern
  • einen Rechts­an­spruch auf Schuld­ner­be­ra­tung, damit alle Ver- und Über­schul­de­ten die not­wen­di­ge Schuld­ner­be­ra­tung erhalten
  • eine Reform der Finan­zie­rung von Pfle­ge, ins­be­son­de­re auch der Pfle­ge­ver­si­che­rung, die eine hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung pfle­ge­be­dürf­ti­ger Men­schen mit der not­wen­di­gen Ent­las­tung pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger und einer tarif­li­chen Ver­gü­tung von Pfle­ge­kräf­ten in ganz Deutsch­land gewährleistet
  • eine flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit pal­lia­ti­ven und hos­piz­li­chen Ange­bo­ten in der Regel­ver­sor­gung inklu­si­ve der hos­piz­lich-pal­lia­ti­ven Spe­zi­al­ver­sor­gung und die Unter­stüt­zung einer regio­na­len Koor­di­nie­rung der hos­piz­lich-pal­lia­ti­ven Ange­bo­te der Bera­tung, Beglei­tung und Ver­sor­gung in der Spe­zi­al- und Regel­ver­sor­gung durch die För­de­rung von Netzwerken
  • die Schaf­fung gesetz­li­cher Grund­la­gen zur ver­ste­tig­ten Imple­men­tie­rung von Lot­sen­diens­ten (Frü­he Hilfen/„Babylotsen“) in allen Geburts­kli­ni­ken Deutschlands.
Um die Gleich­wer­tig­keit der Lebens­ver­hält­nis­se über­all in Deutsch­land zu stär­ken, leis­tet die Cari­tas auf unter­schied­li­chen Arbeits­fel­dern ihren Beitrag: 
  • Mit der sach­ge­rech­ten Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe trägt die Cari­tas dazu bei, dass die Regel­be­dar­fe in einem tole­ra­blen Abstand zu den Aus­ga­ben der gesell­schaft­li­chen Mit­te liegen.
  • Die Situa­ti­on ver­schul­de­ter Per­so­nen und von Haus­hal­ten mit nied­ri­gem Ein­kom­men wird öffent­lich gemacht, es wer­den Lösungs­vor­schlä­ge an die Poli­tik gege­ben, zum Bei­spiel durch die „Akti­ons­wo­che Schuld­ner­be­ra­tung“ der Arbeits­ge­mein­schaft Schuld­ner­be­ra­tung der Ver­bän­de oder durch die „Armuts­wo­chen“ der Caritas.
  • Durch Impul­se aus der Pra­xis an vie­len Orten hilft die Cari­tas bei der Wei­ter­ent­wick­lung der Hil­fen für Kin­der und Jugend­li­che mit oder ohne Behinderung.
  • Ange­bo­te der „Frü­hen Hil­fen“ zur Stär­kung und Ent­las­tung von Eltern sehr klei­ner Kin­der stellt die Cari­tas in einem dich­ten Netz zur Verfügung.
  • Die Betei­li­gung der Cari­tas bei der Umset­zung des Online­zu­gangs­ge­set­zes (OZG) wird inten­si­viert, um die Erreich­bar­keit ihrer Diens­te und Ange­bo­te auch über öffent­li­che Platt­for­men sicher­zu­stel­len. Dabei wird die Cari­tas dar­auf hin­wir­ken, die digi­ta­le Sozi­al­ver­wal­tung an den Bedürf­nis­sen der Nutzer(innen) sozia­ler Dienst­leis­tun­gen auszurichten.

Mehr erfah­ren:

Die­ser Bei­trag greift nur eini­ge Aspek­te der sozi­al­po­li­ti­schen For­de­run­gen der Cari­tas für das Jahr 2021 auf. Wei­te­re bezie­hen sich auf die … 
  • Siche­rung digi­ta­ler Teilhabe
  • Stär­kung des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts unter den Vor­zei­chen glo­ba­ler Wanderungsbewegungen
  • Ver­söh­nung öko­lo­gi­scher und sozia­ler Her­aus­for­de­run­gen in natio­na­ler und glo­ba­ler Perspektive.
Hier kön­nen Sie das Sozi­al­po­li­ti­sche Agenda­pa­pier des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des herunterladen. 

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