KATHO­LI­SCHE KRAN­KEN­HÄU­SER WOL­LEN INTEL­LI­GEN­TEN STRUKTURWANDEL

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Ber­na­det­te Rüm­melin, Geschäfts­füh­re­rin des Katho­li­schen Kran­ken­haus­ver­bands Deutsch­lands (kkvd)
17.09.2021

Nach der Bun­des­tags­wahl wird der Reform­druck im Gesund­heits­we­sen wei­ter steigen. 

Schon jetzt befin­det sich die Kran­ken­haus­land­schaft in einem unge­re­gel­ten Struk­tur­wan­del, der vor allem Markt­ge­set­zen folgt. Das gefähr­det die gesund­heit­li­che Daseinsvorsorge.

Bundesgesunheitsminister Jens Spahn diskutiert mit kkvd-Vorstandsmitglied Ansgar Veer und Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstandsmitglied für Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes.
Bun­des­ge­sun­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dis­ku­tiert mit kkvd-Vor­stands­mit­glied Ans­gar Veer und Eva M. Wel­skop-Def­faa, Vor­stands­mit­glied für Sozi­al- und Fach­po­li­tik des Deut­schen Caritasverbandes.

In Deutsch­land gibt es der­zeit rund 1.900 Kran­ken­häu­ser, 283 davon befin­den sich in katho­li­scher Trä­ger­schaft. Die Zahl der Kli­ni­ken ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gesun­ken und die­ser Trend wird sich wei­ter fort­set­zen. Denn nicht jeder bis­he­ri­ge Kran­ken­haus­stand­ort wird in zehn Jah­ren noch gebraucht, um eine bedarfs­ge­rech­te Ver­sor­gung der Men­schen flä­chen­de­ckend sicherzustellen.

Doch wenn heu­te eine Kli­nik schließt, hat dies bis­wei­len wenig mit dem regio­na­len Ver­sor­gungs­be­darf zu tun. Viel­mehr müs­sen eini­ge Häu­ser auf­grund der Fehl­steue­rung im Sys­tem, des regu­la­to­ri­schen Drucks und der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ihre Türen schlie­ßen. Daher machen sich die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser dafür stark, den unge­steu­er­ten Struk­tur­wan­del in gelenk­te Bah­nen zu überführen.

Ver­sor­gungs­be­darf der Pati­en­ten muss Kran­ken­haus­pla­nung zugrun­de liegen

In unse­rem Posi­ti­ons­pa­pier zur Bun­des­tags­wahl und für die neue Legis­la­tur­pe­ri­ode for­dern wird kon­kret, dass die Kran­ken­haus­pla­nung auch künf­tig in den Regio­nen erfolgt und sich kon­se­quent am Ver­sor­gungs­be­darf der Men­schen ori­en­tiert. Über­stei­ger­tes Effi­zi­enz­stre­ben und Markt­lo­gik dür­fen nicht wich­ti­ger sein als die Ori­en­tie­rung der Kran­ken­haus­ver­sor­gung am Bedarf Patient:innen.

Ein Kahl­schlag in der Kli­nik­land­schaft, wie er von eini­gen Sei­ten pro­pa­giert wird, hät­te fata­le Fol­gen. Die Coro­na-Pan­de­mie zeigt, wie wich­tig Aus­weich- und Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten in der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung sind. Zudem gilt gera­de für älte­re, mul­ti­mor­bi­de Men­schen in länd­li­chen Regio­nen, dass lan­ge Wege hohe Hür­den sind. Aber auch jun­gen Fami­li­en ist eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung in der Nähe wichtig.

Netz­wer­ke von Kran­ken­häu­sern als Erfolgsmodell

Mit ihrer aus­ge­präg­ten Ver­bund­struk­tur bele­gen die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser schon heu­te, dass hohe Behand­lungs­qua­li­tät und Spe­zia­li­sie­rung auch in einem Netz­werk meh­re­rer Kli­ni­ken mög­lich sind, wenn sich jedes Haus auf sei­ne Stär­ken kon­zen­triert. Dar­über haben wir am 23. August auch mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn und Fach­ab­ge­ord­ne­ten aus dem Bun­des­tag dis­ku­tiert. Ans­gar Veer, kkvd-Vor­stands­mit­glied und Haupt­ge­schäfts­füh­rer der St. Boni­fa­ti­us-Hos­pi­tal­ge­sell­schaft in Lin­gen, schlug vor, dass Kran­ken­häu­ser in einer Netz­werk­struk­tur mit Auf­ga­ben­tei­lung bei der Finan­zie­rung gleich­ge­stellt wer­den mit einer Groß­kli­nik an einem Stand­ort. Der Gesund­heits­mi­nis­ter zeig­te sich dafür grund­sätz­lich offen.

Bundesgesunheitsminister Jens Spahn diskutiert mit kkvd-Vorstandsmitglied Ansgar Veer und Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstandsmitglied für Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes.

Außer­dem set­zen sich die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser in ihren Posi­tio­nen für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge ein. Dazu gehö­ren auch ein schnel­ler Aus­bau der Aus- und Wei­ter­bil­dung sowie die eigen­ver­ant­wort­li­che Aus­übung heil­kund­li­cher Tätig­kei­ten durch Pfle­ge­fach­kräf­te. Die star­ren Unter­gren­zen für das Pfle­ge­per­so­nal soll­ten schnellst­mög­lich durch die stär­ker am Pati­en­ten­be­darf ori­en­tier­te Pfle­ge­per­so­nal-Rege­lung 2.0 (PPR 2.0) ersetzt wer­den, bis vor­aus­sicht­lich 2025 ein wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes Instru­ment zur Pfle­ge­per­so­nal­be­mes­sung anwen­dungs­reif ist.

Die bun­des­weit 283 katho­li­schen Kran­ken­häu­ser bil­den die größ­te Grup­pe unter den frei­gemein­nüt­zi­gen Kli­ni­ken in unse­rem Land. Sie unter­mau­ern mit ihrer Arbeit Tag für Tag, dass die frei­gemein­nüt­zi­ge Trä­ger­schaft inno­va­tiv und ein Zukunfts­kon­zept ist. Hier gehen nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und Pati­en­ten­ori­en­tie­rung Hand in Hand. Gleich­zei­tig wur­den und wer­den hier Ver­sor­gungs­kon­zep­te ent­wi­ckelt und vor­an­ge­bracht, auch wenn sie noch nicht über die Regel­ver­sor­gung finan­ziert wer­den. Das galt bei­spiels­wei­se im Hos­piz- und Pal­lia­tiv­be­reich oder bei der Ver­sor­gung von HIV-Patient:innen. Daher ist es wich­tig, die Trä­ger­viel­falt und frei­gemein­nüt­zi­ge Akteu­re im Gesund­heits­we­sen auch wei­ter­hin zu stärken. 

Das kkvd Posi­ti­ons­pa­pier zum Down­load gibt es hier: 

https://kkvd.de/menschlich-innovativ-freigemeinnuetzig/

https://kkvd.de/wp-content/uploads/2021/05/210506_kkvd_Positionen_BTW2021.pdf

Die Vide­os zur Ver­an­stal­tung am 23. August gibt es hier:

https://www.youtube.com/channel/UCxK70KcaZSai5jVDJ6fgRpg

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