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SHEL­TERSUITS FÜR OBDACH­LO­SE – EINE IDEE, DIE LEBEN RET­TEN KANN

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Alex Eich­ner
19.02.2021



Wenn im Win­ter die Tem­pe­ra­tu­ren in den Kel­ler gehen, kämp­fen vie­le Men­schen, die kein fes­tes Dach über dem Kopf haben ums Über­le­ben. Eine neue Idee aus Hol­land könn­te ihnen helfen.

Klir­ren­de Käl­te. Eisi­ger Wind im Gesicht. Die Hän­de las­sen sich kaum mehr bewe­gen. Win­ter in Ber­lin mit Schnee und zwei­stel­li­gen Minus­gra­den. Wer kann, wärmt sich schnell in der hei­mi­schen Woh­nung auf – bei einer hei­ßen Tas­se Tee und schaut dem Schnee­trei­ben drau­ßen zu. Für die­je­ni­ge, die kein Zuhau­se haben ist jetzt die här­tes­te Zeit.

Men­schen, die auf der Stra­ße leben — die aus den ver­schie­dens­ten Grün­den in kei­ner Not­über­nach­tung Schutz fin­den. Coro­na hat deren Lage noch wei­ter ver­schlech­tert. Auch tags­über sind die Plät­ze in den Wär­me­stu­ben knapp gewor­den. Wenn über­haupt wel­che offen sind. Abstand und Hygie­ne­re­geln zwin­gen vie­le, stän­dig im Frei­en zu blei­ben. Da kam eine Idee aus Hol­land gera­de recht. Eine Idee, die Leben ret­ten kann.

Eine zwei­te Haut für das Leben auf der Straße

Der jun­ge Mode­de­si­gner Bas Tim­mer hat­te erfah­ren, dass der obdach­lo­se Vater eines Freun­des an Unter­küh­lung starb. Da beschloss er, künf­tig kei­ne teu­re Mode mehr zu ent­wer­fen. Er ent­wi­ckel­te eine zwei­te Haut für das Leben auf der Stra­ße – einen Schutz­an­zug für Obdach­lo­se. Der Shel­tersu­it ist eine mul­ti­funk­tio­na­le, wind- und was­ser­dich­te Jacke mit gro­ßer Kapu­ze und inte­grier­tem Schal, die zu einem Schlaf­sack umge­wan­delt wer­den kann. Das Innen­fut­ter aus recy­cel­ten Schlaf­sä­cken, die Außen­haut aus gebrauch­ten Zel­ten. Öko­lo­gisch kor­rekt und über­aus prak­tisch. Der Shel­tersu­it soll wär­men und Schutz vor dem Erfrie­ren bie­ten – aber auch eine gewis­se Wür­de ver­lei­hen. „Desi­gned für Digni­ty“ wie sie Shel­tersu­it Foun­da­ti­on sagt. Die­se wur­de von Bas Tim­mer gegrün­det und hat inzwi­schen in den Nie­der­lan­den schon 12.500 Shel­tersuits gefer­tigt und ver­teilt. Das Ate­lier der Shel­tersu­it Foun­da­ti­on liegt in Ensche­de. Hier arbei­ten, neben 27 Ehren­amt­li­chen auch 14 Geflüch­te­te. Sie ler­nen nähen, bekom­men Sprach­kur­se und wer­den für ihre Arbeit bezahlt. Direkt um die Ecke, auf der deut­schen Sei­te, ist Kris­ti­na Ede­ler auf­ge­wach­sen. Sie arbei­tet in der Cari­­tas-Ambu­lanz am Bahn­hof Zoo, dem ältes­ten medi­zi­ni­schen Hilfs­pro­jekt für Woh­nungs­lo­se in Ber­lin. Ede­ler hör­te von den Shel­tersuits und nahm kurz­ent­schlos­sen den Tele­fon­hö­rer in die Hand. Sie frag­te ein­fach mal an, ob Tim­mer und sein Team sich vor­stel­len kön­nen, die Schutz­an­zü­ge auch in Ber­lin zu ver­tei­len. Sie konn­ten. In kür­zes­ter Zeit wur­de alles Not­wen­di­ge auf die Bei­ne gestellt – und dann fing es auch schon an zu schneien.

„In den Nie­der­lan­den wur­den schon mehr als 12.500 Shel­tersuits gefer­tigt – 80 davon wer­den von der Cari­tas an Ber­li­ner Obdach­lo­se verteilt “


Mei­ne Auf­ga­be war es, die Pres­­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit für das Pro­jekt zu koor­di­nie­ren, denn die gelie­fer­ten Shel­tersuits – 80 an der Zahl – kos­ten natür­lich auch etwas. Was an die obdach­lo­sen Men­schen umsonst ver­teilt wird muss schließ­lich bezahlt wer­den. 300 Euro pro Shel­tersu­it in der Her­stel­lung mit allem Drum und Dran – inklu­si­ve Löh­ne und Trans­port soll­ten mög­lichst über Spen­den finan­ziert wer­den. Dafür braucht es Auf­merk­sam­keit. Der Gedan­ke ging auf – das Medi­en­in­ter­es­se war immens. Die Ver­tei­lung lief über das Cari­­tas-Arzt­­mo­­bil. Die Kolleginnen*innen ken­nen die Plät­ze, an denen sich Obdach­lo­se auf­hal­ten und wis­sen wer Hil­fe braucht. Kris­ti­na ließ es sich nicht neh­men, tat­kräf­tig bei der Ver­tei­lung zu hel­fen. Bei Eises­käl­te stapf­te sie mit Ihren Kollegen*innen durch Näs­se und Schnee und such­te nach Men­schen, für die der Shel­tersu­it gemacht wur­de. Womit Kris­ti­na nicht so wirk­lich gerech­net hat war, dass sie plötz­lich zahl­rei­chen Pres­se­leu­ten über die Akti­on berich­ten soll­te. Kame­ras und Fern­seh­teams gehör­ten zuvor nicht unbe­dingt zu ihrem Berufs­all­tag. Also ver­such­te ich, ihr zu Sei­te zu ste­hen und beglei­te­te sie immer mal wie­der beim Ver­tei­len der Shel­tersuits wenn dabei Drehs anstan­den. „Für mich ist das Beson­de­re der Akti­on, dass es hier­bei nicht nur um das rei­ne Ver­tei­len der Shel­tersuits geht, son­dern auch um die Men­schen und ihre Geschich­te. Wir haben Leu­te getrof­fen, die frü­her gute Jobs hat­ten und dann auf der Stra­ße gelan­det sind oder bei denen die Tren­nung von ihrer Frau dafür gesorgt hat, dass sie den Halt ver­lo­ren haben. Auch Geflüch­te­te aus Syri­en waren dabei, die in Deutsch­land auf einen Neu­an­fang hof­fen. Die 80 war­men Shel­tersuits ste­hen für mich auch für 80 unter­schied­li­che Schick­sa­le“, erzählt Kris­ti­na von ihren Ein­drü­cken. Auch mich hat manch eine Begeg­nung nicht kalt gelas­sen. Eine ein­schnei­den­de Erfah­rung, die auch dazu geführt hat, dass der Respekt für mei­ne Caritas-Kollegen*innen in der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe enorm gewach­sen ist.

Suche nach ver­ste­cken Schlafplätzen

In den ver­gan­gen zwei Wochen war Kris­ti­na mit den Teams aus der Cari­­tas-Ambu­lanz am Bahn­hof Zoo und des Cari­­tas-Arzt­­mo­­bils fast unun­ter­bro­chen unter­wegs. Sie hiel­ten Aus­schau nach ver­steck­ten Schlaf­plät­zen, gin­gen Insi­der­tipps nach und spra­chen Men­schen auf der Stra­ße an, um die schüt­zen­de Haut an den Mann oder die Frau zu brin­gen. Ich war begeis­tert vom Enthu­si­as­mus und Enga­ge­ment der Kollegen*innen. Kei­ne Stre­cke war ihnen zu weit, kei­ne Hür­de zu hoch. Es war eis­kalt, oft dun­kel, glatt und ver­schneit aber die Shel­tersuits soll­ten ja genau des­halb dort­hin, wo sie jetzt drin­gend gebraucht wer­den. Die Tem­pe­ra­tu­ren in Ber­lin san­ken in die­sen Tagen immer weit unter den Gefrier­punkt. Es hät­te kaum einen bes­se­ren Zeit­punkt für die Akti­on geben kön­nen als die ers­ten bei­den Febru­ar-Wochen in denen ein Win­ter Ein­zug hielt, wie wir ihn schon vie­le Jah­re nicht mehr erlebt haben. Auch wenn das aller­ers­te Ziel der Cari­tas ist, die Leu­te in Woh­nun­gen unter­zu­brin­gen gibt es Men­schen, die auf der Stra­ße leben. Genau für die ist so ein Shel­tersu­it viel­leicht die Rettung.

Fotos: Cathe­ri­na Tew


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ELF REI­ME AUS AACHEN ZUM CORONA-KARNEVAL

Martin Herceg

Mar­tin Her­ceg
11.02.2021



Hel­au, Alaaf, Nar­ri Nar­ro : Nor­ma­ler­wei­se wür­de am heu­ti­gen Don­ners­tag in vie­len Cari­­tas-Ein­­rich­­tun­­­gen die fünf­te Jah­res­zeit mit einem bun­ten Trei­ben ein­ge­läu­tet. Die­ses Jahr macht uns
Coro­na einen Strich durch die Rechnung.

Unse­re Kolleg*innen aus Aachen wol­len sich ihre Freu­de am Kar­ne­val aber nicht neh­men las­sen — und haben einen ganz beson­de­ren Video­gruß produziert.


In Aachen ver­leiht der Aache­ner Kar­ne­vals­ver­ein (AKV) jähr­lich zum Kar­ne­val den Orden „Wider den tie­ri­schen Ernst“ an Pro­mi­nenz. Wenn nicht gera­de Coro­na ist und Saal- und Sit­zungs­kar­ne­val aus­fal­len müs­sen. So wie in die­sem Jahr. Der Diö­ze­sanca­ri­tas­ver­band in Aachen ver­liert trotz­dem nicht den Humor. Ganz im Gegen­teil. Er hat den Film „Elf Rei­me zum Kar­ne­val“ produziert.https://youtu.be/3NrybGWBPOw

Wer steckt dahin­ter und wie kam es dazu? 

Die Idee ent­stand in einer Redak­ti­ons­sit­zung der Face­­book-Grup­­pe des Cari­tas­ver­ban­des für das Bis­tum Aachen. Die gibt es seit zwei Jah­ren, und sie arbei­tet eigent­lich von Anfang an nach dem Mot­to der Cari­­tas-Dach­­kam­­pa­­g­ne #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam. Denn sie ver­steht Öffent­lich­keits­ar­beit als Quer­schnitt­auf­ga­be. Zu Weih­nach­ten hat­te die elf­köp­fi­ge Grup­pe bereits ein bei einer Video­kon­fe­renz in ver­teil­ten Rol­len gele­se­nes Weih­nachts­ge­dicht gepos­tet. Und nun kam die Idee, einen ähn­li­chen Film für Kar­ne­val zu machen.

“Diö­ze­sanca­ri­tas­di­rek­tor Ste­phan Jent­gens setz­te sich ans Key­board und lie­fer­te den Tusch.”

Chris­ti­an Heid­rich, der Refe­rent für Pres­­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit des Ver­ban­des, lie­fer­te die Rei­me, Simo­ne Esch­wei­ler bas­tel­te das Cari­­tas-Schild, das zum Ende jeder Stro­phe in die Kame­ra gehal­ten wird, sowie den Hin­ter­grund im Vor- und Abspann des Films. Der neue Aache­ner Diö­ze­sanca­ri­tas­di­rek­tor Ste­phan Jent­gens setz­te sich ans Key­board und lie­fer­te den Tusch. Und daheim oder in ihrem Büro nah­men die wei­te­ren Face­­book-Grup­­pen­­mi­t­­glie­­der Miri­am Alden­ho­ven, The­re­sia Hei­mes, Mar­co Jan­sen, Anna Kohlw­ey, Dr. Jana-Reis­­sen Kosch, Roman Schlag, Ute Schramm, Judith Swo­bo­da und Vanes­sa Wil­lems je eine Stro­phe als Video auf. Den Rest erle­dig­te ein Videoschnitt-Programm. 

Ste­phan Jent­gens: “Humor ist eine zutiefst christ­li­che Grundhaltung”

„Ich freue mich, dass sich unse­re Face­­book-Grup­­pe in der Geschäfts­stel­le Gedan­ken gemacht hat, wie der Kar­ne­val in die­sen Zei­ten trotz­dem hoch­ge­hal­ten wer­den kann: mit Humor“, sagt Diö­ze­sanca­ri­tas­di­rek­tor Ste­phan Jent­gens. Und er erin­nert an die Bedeu­tung des Humors, auch in schwie­ri­gen Zei­ten der Coro­­na-Pan­­de­­mie: „Humor ist hei­te­re Gelas­sen­heit, eine Hal­tung, mit der auch nicht so tol­le Pha­sen gemeis­tert wer­den kön­nen. Humor ver­kennt dabei nicht das Leid, das eine Pan­de­mie mit sich bringt und auch nicht das Mühen so vie­ler in unse­rer Gesell­schaft, die dafür sor­gen, dass die Situa­ti­on beherrsch­bar bleibt. Mit Humor kön­nen wir ande­ren Men­schen eine Freu­de machen. Humor, hei­te­re Gelas­sen­heit, ist eine zutiefst christ­li­che Grundhaltung.“ 

„Humor ist hei­te­re Gelas­sen­heit, eine Hal­tung, mit der auch nicht so tol­le Pha­sen gemeis­tert werden”

Auch wenn Kar­ne­val in die­sem Jahr anders ist, der Cari­tas­ver­band für das Bis­tum Aachen wünscht mit sei­nem Video – nicht nur an den kar­ne­va­lis­ti­schen Tagen – eine gro­ße Por­ti­on hei­te­re Gelas­sen­heit. Das Video sagt es zum Schluss so: „Nun macht es gut, fei­ert noch was, wünscht die Face­­book-Grup­­pe der Caritas.“

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Wie wich­tig ist ihnen Humor in Coronazeiten?

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DIOALOG­VER­AN­STAL­TUN­GEN
ZUR CARI­­TAS-KAM­­PA­­G­NE

Gabriele Göhring

Gabrie­le Göh­ring
04.02.2021



Am 25. Febru­ar 2021 star­ten wir mit unse­ren digi­ta­len Dia­log­ver­an­stal­tun­gen zur Cari­­tas-Jah­­res­­kam­­pa­­g­ne. Coro­na bedingt fin­den die­se Online statt. Um was es geht – und wie ihr mit­ma­chen könnt:

Zei­gen wir Soli­da­ri­tät für alle – oder spa­ren wir sie uns? Dazu wol­len wir am 25. Febru­ar 2021 von 15 bis 16.30 Uhr in einer Online- Ver­an­stal­tung mit Mitarbeiter_innen der Cari­tas und Inter­es­sier­ten ins Gespräch kommen.

Ange­regt wird die Dis­kus­si­on durch einen Input von Prof. Chris­ti­an Stö­cker (Jour­na­list, Autor und Psy­cho­lo­ge) von der HAW Ham­burg. Er zeigt auf, wie sich gesell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Pro­zess – nicht nur das Coro­na­vi­rus – expo­nen­ti­ell ver­brei­ten. Wie sieht Soli­da­ri­tät für alle unter den Vor­zei­chen der gro­ßen Beschleu­ni­gung aus? Und wie kön­nen wir gemein­sam das Expe­ri­ment bestehen, das durch die skiz­zier­te Ent­wick­lung beschrie­ben ist?

Wie hat sich die Soli­da­ri­tät in den letz­ten Jah­ren verändert? 

Andrea Hnio­pek, Exper­tin für Exis­tenz­si­che­rung bei der Cari­tas Ham­burg, gibt einen Ein­blick zu den kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie für obdach­lo­se Men­schen. Wie hat sich die Soli­da­ri­tät gegen­über benach­tei­lig­ten Men­schen in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert? Wel­che Rol­le spie­len dabei die gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen? Wie gelingt „Soli­da­ri­täts­stif­tung“ als Grund­auf­trag der Cari­tas in der gro­ßen Beschleu­ni­gung von Reich­tum und Wohlstand? 

Jetzt anmel­den zur ers­ten Dialogveranstaltung 

Danach sind Sie gefragt! Tei­len Sie die Erkennt­nis­se der Referent_innen? Wel­che Erfah­run­gen machen Sie in Ihrem Arbeits­be­reich? Berich­ten Sie uns von Ihren Erfah­run­gen, brin­gen Sie Ihre Vor­schlä­ge und Über­le­gun­gen ein.

Dia­log­ver­an­stal­tung II: Bleibt unse­re Wert­schät­zung – oder ver­fliegt sie? 

Am 18. März 2021 um 15 Uhr geht es wei­ter mit der Fra­ge: Bleibt unse­re Wert­schät­zung – oder ver­fliegt sie wie unser Applaus? Prof. Dr. Frank Schulz-Nies­­wandt, beleuch­tet die Fra­ge aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven: Wo steht die Freie Wohl­fahrts­pfle­ge, wo will sie hin, als gesell­schafts­po­li­ti­scher Akteur von sozia­ler Wohl­fahrts­pro­duk­ti­on? Will die Freie Wohl­fahrts­pfle­ge raus aus dem »Spin­nen­netz des kapi­ta­lis­ti­schen Geis­tes« und sich ech­ter Gemein­wohl­öko­no­mie ver­pflich­ten? Für wel­che recht­li­chen und finan­zi­el­len Rah­men­be­din­gun­gen muss sich die Freie Wohl­fahrts­pfle­ge ein­set­zen, um die­sen Weg gehen zu können?

Jetzt anmel­den zur zwei­ten Dialogveranstaltung

Die Per­spek­ti­ve der Pra­xis stellt, Bar­ba­ra Die­t­­rich-Schlei­cher, Refe­ren­tin Sozi­al­sta­tio­nen im Cari­tas­ver­band für die Erz­diö­ze­se Frei­burg, vor. 

Dia­log­ver­an­stal­tung III: Ist die Wür­de unan­tast­bar oder akzep­tie­ren wir Ausnahmen?

Die drit­te Dia­log­ver­an­stal­tung fin­det am 15. April 2021, 15 Uhr bis 16:30 Uhr statt. Dann wer­den wir dis­ku­tie­ren über: “Ist die Wür­de immer unan­tast­bar – oder akzep­tie­ren wir Ausnahmen?“Ausschreibung und Anmel­dung demnächst

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INTER­VIEW: WIE DIE CARI­TAS IN DORT­MUND ERFOLG­REICH IMPFT

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Anja Stoiser
22.01.2021


In den Senio­ren­hei­men der Dort­mun­der Cari­tas haben sich nahe­zu 100 Pro­zent der Bewoh­ner imp­fen las­sen. Auch die Impf­be­reit­schaft der Mit­ar­bei­ten­den ist hoch. Für Tobi­as Berg­hoff, von der Cari­­tas-Alten­hil­­fe GmbH steht fest: ohne ste­ti­ge Auf­klä­rung geht es nicht. 

Herr Berg­hoff, in den sie­ben Cari­­tas-Seni­o­­ren­hei­­men in Dort­mund ist die Impf­be­reit­schaft von Bewoh­nern und Pfle­ge­per­so­nal beson­ders hoch. Wie haben Sie das geschafft?

Wir ver­su­chen, so aus­führ­lich wie mög­lich über die Imp­fun­gen zu infor­mie­ren und beson­ders nach­weis­li­chen Falsch­mel­dun­gen im Zusam­men­hang mit der Imp­fung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Mit unse­ren Ein­rich­tungs­lei­tun­gen der Alten­zen­tren habe ich per­sön­lich inten­si­ve Gesprä­che geführt. Denn die Hal­tung der Lei­tung hat natür­lich auch gro­ßen Ein­fluss auf den Zuspruch der Mit­ar­bei­ten­den vor Ort in den Einrichtungen. 

Tobi­as Berg­hof, Geschäfts­füh­rer der Cari­­tas-Alten­hil­­fe GmbH / Foto: privat

Wel­che Infor­ma­tio­nen haben Sie vor den Imp­fun­gen bereit­ge­stellt? Neben dem per­sön­li­chen Aus­tausch set­zen wir auf ver­schie­de­ne Info­ma­te­ria­li­en. Bei­spiels­wei­se nut­zen wir das Mate­ri­al der Kam­pa­gne des Minis­te­ri­ums für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nor­d­rhein-Wes­t­­fa­­len „Deutsch­land krem­pelt die #ärmel­hoch“. Dies haben wir auf unse­rer Web­site bereit­ge­stellt, ent­spre­chen­de Pla­ka­te wur­den in unse­ren Ein­rich­tun­gen ver­teilt. Über unse­re Social Media Kanä­le auf Face­book und Insta­gram tei­len wir u.a. infor­ma­ti­ve Kurz­vi­de­os. In unse­rem monat­li­chen Mit­ar­bei­ter­brief geben wir aktu­ell Ant­wor­ten auf die wich­tigs­ten Fra­gen zur Imp­fung und ver­su­chen damit auch Gerüch­te zu zer­streu­en. Zudem füh­ren die imp­fen­den Ärz­te Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen durch, um auf indi­vi­du­el­le Fra­gen und Sor­gen zu antworten. 

„Fake-News, also Lügen, sind natür­lich ein Pro­blem. Hier hilft nur geziel­te Infor­ma­ti­on und Aufklärung.“

Bun­des­weit bekla­gen vie­le Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, dass sie und ihre Mit­ar­bei­ten­den gezielt von Coro­nal­eug­nern mit Fehl­in­for­ma­tio­nen zur Covid-Imp­­fung über­flu­tet wer­den. War das bei ihnen auch der Fall — und wie gehen sie damit um, wenn Pfle­ge­kräf­te durch Aus­sa­gen über Unfrucht­bar­keit etc. ver­un­si­chert waren? Fake-News, also Lügen, sind natür­lich ein Pro­blem. Hier hilft nur geziel­te Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung. Dies machen wir gemein­sam mit den imp­fen­den Ärz­ten und der ste­ti­gen Auf­klä­rung in den Ein­rich­tun­gen durch Füh­rungs­kräf­te und den Mitarbeitervertretungen.

Wel­che Haupt­ar­gu­men­te hat­ten die Bewohner_innen, sich imp­fen zu lassen?

Die meis­ten unse­rer Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner ver­trau­en der Wirk­sam­keit der Imp­fung und sehen in even­tu­el­len Neben­wir­kun­gen ein weit­aus gerin­ge­res Risi­ko, als eine Covid-Erkran­­kung durch­ma­chen zu müs­sen. Vie­le wün­schen sich auch eine Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät und ver­mis­sen ihre lieb­ge­won­ne­nen Akti­vi­tä­ten in den Ein­rich­tun­gen, die der­zeit lei­der nicht im vol­len Umfang mög­lich sind.Wel­che Haupt­ar­gu­men­te hat­te das Pfle­ge­per­so­nal, sich imp­fen zu las­sen?Gera­de unse­re Mit­ar­bei­ten­den in der Pfle­ge haben ein sehr kla­res Ver­ständ­nis davon, wie schwer eine Coro­na­in­fek­ti­on ver­lau­fen kann, sowohl bei älte­ren als auch bei jün­ge­ren Men­schen. Die Sor­ge, das Virus könn­te in die Ein­rich­tung kom­men, ist bei den meis­ten groß.
Haben sich auch jun­ge Pfleger_innen und Azu­bis imp­fen las­sen? Was war ihr Antrieb?Ja, auch unter den Jün­ge­ren gab es eine gute Betei­li­gung. Jun­ge männ­li­che Pfle­ger und Aus­zu­bil­den­de waren der Imp­fung gegen­über in der Regel sehr auf­ge­schlos­sen. Bei jun­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen gab es tat­säch­lich die größ­ten Vor­be­hal­te, sehr wahr­schein­lich auf­grund der Annah­me, die Imp­fung könn­te Ein­fluss auf das Erb­gut neh­men. Herr Berg­hoff, wenn Sie an das Kam­­pa­­g­nen-Mot­­to #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam den­ken, was fällt Ihnen zu den Imp­fun­gen ein?Ein wich­ti­ger Aspekt ist hier der Gedan­ke der Soli­da­ri­tät. Die Imp­fung dient nicht allein dem Selbst­schutz. Durch eine hohe Impf­quo­te in der Bevöl­ke­rung sol­len beson­ders ver­letz­li­che Per­so­nen noch bes­ser geschützt wer­den. Die Bereit­schaft sich imp­fen zu las­sen, ist Aus­druck von Solidarität.

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CARI­­TAS-UMFRA­­GE: ZUSAM­MEN­HALT HAT ES SCHWER IN DER PANDEMIE

Langendorf_Nov2019
Mat­hil­de Langendorf
14.01.2021


Was macht die Pan­de­mie mit unse­rer Gesell­schaft? Was berei­tet den Men­schen Sor­gen? Bei der Ent­wick­lung der neu­en Cari­­tas-Kam­­pa­­g­ne kamen die­se Fra­gen immer wie­der auf. Wir haben Men­schen gefragt…

… bezie­hungs­wei­se wir haben sie von einem Umfra­­ge-Insti­­tut befra­gen las­sen. Befragt wur­den Mit­te Dezem­ber (11. bis 14. Dezem­ber) etwa 2.000 Men­schen online vom Umfra­­ge-Insti­­tut Insa Con­su­le­re. „Zusam­men­halt hat es schwer, aber es gibt Hoff­nung“ – könn­te eine Zusam­men­fas­sung der Ergeb­nis­se lauten.

Pan­de­mie schwächt gesell­schaft­li­chen Zusammenhalt

Mehr als die Hälf­te der Befrag­ten (52 %) erlebt einen durch die Coro­­na-Pan­­de­­mie geschwäch­ten gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt. Kein Wun­der, waren doch die Mona­te und Wochen vor der Befra­gung von Spal­tung geprägt, von der Gegen­über­stel­lung gesell­schaft­li­cher Grup­pen: die Risi­ko­grup­pen gegen die, die sich nicht als sol­che wahr­neh­men; Regel­treue ver­sus Mas­ken­muf­fel; Impf­be­rei­te ver­sus Impf­geg­ner; soge­nann­te „Sys­tem­re­le­van­te“ und alle ande­ren. Ledig­lich 17 % der Befrag­ten sind der Mei­nung, die Kri­se stär­ke den Zusammenhalt.

Vie­le glau­ben an die eige­ne Wirkung

Gefragt, ob sie selbst per­sön­lich etwas zur Stär­kung des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts bei­tra­gen kön­nen, ant­wor­ten 41 % der Teil­neh­men­den mit ja, 25 % wis­sen es nicht. Nur 27 % stim­men der Aus­sa­ge aus­drück­lich nicht zu.

Das heißt: Die meis­ten Men­schen füh­len sich mit­nich­ten ohn­mäch­tig oder über­for­dert vom gro­ßen The­ma Zusam­men­halt. Vie­le glau­ben, dass sie wirk­sam sein, dass sie etwas bewe­gen können.

Die­se Wil­li­gen und die Unschlüs­si­gen kön­nen abge­holt und mobi­li­siert wer­den. Eine Auf­ga­be unter ande­rem für die Cari­tas und eine Bestä­ti­gung, dass #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam der rich­ti­ge Ansatz ist.

Sozia­le Beru­fe müs­sen für die Poli­tik Prio­ri­tät haben

Die Auf­wer­tung sozia­ler Beru­fe lan­det mit Abstand an ers­ter Stel­le bei der Fra­ge: „Auf wel­che der fol­gen­den poli­ti­schen Hand­lungs­fel­der soll­te sich der Staat bald­mög­lichst am stärks­ten kon­zen­trie­ren?“ Es fol­gen der Kli­ma­schutz, die Unter­stüt­zung der sozia­len Infra­struk­tur und von sozia­len Hilfs­an­ge­bo­ten. Die­se Ant­wor­ten zeu­gen nicht davon, dass jeder nur an sich denkt – im Gegenteil.

Die Hand­lungs­fel­der, die die Studienteilnehmer_innen iden­ti­fi­ziert haben, sind ein Auf­trag an die Poli­tik, gera­de im Jahr der Bun­des­tags­wahl. Aber sie wer­fen vie­le Fra­gen, die sich nicht nur poli­ti­sche Par­tei­en stel­len müs­sen, son­dern jede_r von uns: Wel­che Pfle­ge wol­len wir, wel­che Beglei­tung der Schwächs­ten? Wer soll das machen – und unter wel­chen Bedin­gun­gen? Was ist uns sozia­le Siche­rung, was ist uns Bil­dung wert? Darf die Unter­stüt­zung, die Men­schen erhal­ten, von ihrer Post­leit­zahl abhän­gen? Was sind wir bereit zu tun und wor­auf sind wir bereit zu ver­zich­ten, um künf­ti­gen Genera­tio­nen einen lebens­wer­ten Pla­ne­ten zu hinterlassen?

Tre­ten Sie mit uns in den Dia­log zu die­sen Fra­gen, geben Sie Ant­wor­ten und erar­bei­ten Sie Lösungs­an­sät­ze. #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam


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