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EIN TAUSCH­SCHRANK FÜR DEN ZUSAMMENHALT

Christian Heidrich

Chris­ti­an Heid­rich
02.12.2021



Die zün­den­de Idee eines Eltern­rats­mit­glie­des des inklu­si­ven Fami­li­en­zen­trums Anna Roles der Cari­­tas-Lebens­­­wel­­ten in Aachen-Lich­­ten­­busch, die Unter­stüt­zung durch das Team des Fami­li­en­zen­trums und die Tat­kraft eines Hand­wer­kers mach­ten es mög­lich: In Aachen ‑Lich­ten­busch steht jetzt ein Tauschschrank.

Ein schö­nes Bei­spiel dafür, was die Cari­­tas-Dach­­kam­­pa­­g­ne „Das machen wir gemein­sam“ meint.

Jean-Bap­­tis­­te Guin leg­te Hand an und setz­te die Idee des Tausch­schranks mit Hil­fe von Stahl, Mul­­ti­­plex-Pla­t­­ten und Glas um.

Er heißt „Wili“, trotzt jedem Wet­ter und ist vor dem Fami­li­en­zen­trum Anna Roles der Cari­tas Lebens­wel­ten in Aachen-Lich­­ten­­busch zuhau­se. „Wili“ ist ein Tausch­schrank. Sein Name ist die Abkür­zung für die Initia­ti­ve „Wir in Lich­ten­busch“. Dass es den aus Cor­ten­stahl gefer­tig­ten Schrank über­haupt gibt, ver­dankt er Phil­ipp Schaps. Als Mit­glied des Eltern­ra­tes des Fami­li­en­zen­trums kam er auf die Idee. Die Initia­ti­ve „Wir in Lich­ten­busch“ woll­te den Spiel­platz in der Mit­te des Ortes am Fami­li­en­zen­trum auf­wer­ten. Im Ort leben vie­le jun­ge Fami­li­en, deren Aus­tausch unter­ein­an­der geför­dert wer­den soll­te: „So kamen wir auf die Idee, einen Platz zu haben, wo man Din­ge aus­tau­schen kann, die man noch brau­chen kann“, sagt Phil­ipp Schaps.

Der per­fek­te Ort für einen Tauschschrank

Nata­scha Bie­niek, Stand­ort­lei­tung des Fami­li­en­zen­trums Anna Roles der Cari­tas Lebens­wel­ten, war begeis­tert, als Phil­ipp Schaps die Idee an das Fami­li­en­zen­trum her­an­trug: „Wir fan­den die Idee toll, weil wir ein Fami­li­en­zen­trum sind und das Zusam­men­füh­ren der Fami­li­en unter­stüt­zen wol­len. Hier ist der per­fek­te Ort dafür, weil vie­le Fami­li­en hier­hin kom­men und im Fami­li­en­zen­trum Kur­se machen“, sagt sie. Chris­tia­ne Hauch, Gebiets­lei­tung bei den Cari­tas Lebens­wel­ten, erin­nert dar­an, dass es bis zum Auf­stel­len des Tausch­schranks vor dem Fami­li­en­zen­trum in der Ein­rich­tung zwei Schrän­ke gab: einen für Bücher, einen für Klei­dung. „Da kamen aber nur die Eltern her­an, deren Kin­der bei uns einen Kin­der­gar­ten­platz haben. Jetzt mit die­sem Tausch­schrank hier drau­ßen ist genau das erreicht, was wir von den Cari­tas Lebens­wel­ten möch­ten: öff­nen für den Sozi­al­raum“, sagt sie.

„Wir fan­den die Idee toll, weil wir ein Fami­li­en­zen­trum sind und das Zusam­men­füh­ren der Fami­li­en unter­stüt­zen wol­len. Hier ist der per­fek­te Ort dafür, weil vie­le Fami­li­en hier­hin kom­men und im Fami­li­en­zen­trum Kur­se machen“, sagt Nata­scha Bieniek

Zwei Schrän­ke: einen für Bücher, einen für Kleidung

Jean-Bap­­tis­­te Guin, ein ört­li­cher Schrei­ner, bau­te den Tausch­schrank. „Durch den Cor­ten­stahl ist der Schrank Wet­ter­fest und damit unver­wüst­lich. Das Innen­le­ben ist aus wet­ter­fes­ten Mul­­ti­­plex-Pla­t­­ten. Wir hof­fen, dass uns der Schrank lan­ge gute Diens­te tut“, sagt er.

Nata­scha Bie­niek und Chris­tia­ne Hauch (v.l.) von den Cari­tas Lebens­wel­ten unter­stütz­ten die Idee des Tausch­schranks, weil er ein Anlie­gen der Lebens­wel­ten för­dert: die Öff­nung für den Sozialraum

Kin­der freu­en sich über den Tauschschrank 

Die Idee des Tausch­schranks kam auch bei der Stä­de­Re­gi­on Aachen so gut an, dass sie ihn bei einem Wett­be­werb mit einem Geld­preis prä­mier­te. Und auch den Kin­dern im Ort gefällt der Schrank gut: „Ich fin­de den Tausch­schrank toll, weil man dort Din­ge hin­ein­tun kann, die man nicht mehr braucht und etwas, was man dar­in fin­det und ger­ne haben möch­te, zum Bei­spiel Spiel­sa­chen, mit­neh­men kann“, sagt die neun­jäh­ri­ge Ines.

Cari­tas in Aachen-Lichtenbusch

Wer mehr wis­sen möch­te über den Tausch­schrank in Aachen-Lich­­ten­­busch, kann sich ein Video anschau­en unter. www.caritas-ac.de/kampagne.


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KIN­DER­GRUND­SI­CHE­RUNG UND KIN­DER­RECH­TE INS GRUNDGESETZ

Eva-Maria Bolay

Eva-Maria Bolay
28.09.2021



Jedes 5. Kind ist in Deutsch­land von Armut bedroht. Was muss pas­sie­ren, damit sich die­se Quo­te ver­än­dert? MACH DICH STARK schmie­det in Baden-Wür­t­­te­m­­berg an einem gro­ßen Bünd­nis, das der Kin­der­ar­mut den Kampf ansagt.

Bereits 40 Pro­mis, Stif­tun­gen oder Unter­neh­men fech­ten an der Sei­te der Initia­ti­ve für mehr Chancengleichheit.

Kin­­der­­rech­­te-Figur der Akti­on „Schau mal, hier bin ich“ Foto: Cari­tas Rottenburg-Stuttgart

Kin­der­ar­mut geht uns alle an

Kin­der­ar­mut ist kei­ne gesell­schaft­li­che Rand­er­schei­nung. Jedes 5. Kind ist davon betrof­fen! Dabei ist der Umstand, arm zu sein, kein rein finan­zi­el­les The­ma. Armut grenzt Kin­der und Jugend­li­che aus. Armut macht perspektivlos.
Im wirt­schaft­lich star­ken Baden-Wür­t­­te­m­­berg sind vor allem Kin­der von Allein­er­zie­hen­den und aus kin­der­rei­chen Fami­li­en betrof­fen. Sie sind von Geburt an nicht nur einem höhe­ren Armuts­ri­si­ko aus-gesetzt, son­dern haben es auch sehr viel schwe­rer als ihre Alters­ge­nos­sen, eine gute schu­li­sche und beruf­li­che Aus­bil­dung zu erhal­ten. Sie star­ten somit qua Geburt mit „schlech­te­ren Kar­ten“ ins Leben. Wo Kin­der kei­ne Chan­ce erhal­ten, sich gut zu ent­wi­ckeln, wird Kin­der­ar­mut zu einer schlei­chen­den Gefahr für unse­re Gesell­schaft. Kin­der­ar­mut ent­zieht ihr Poten­zia­le, gefähr­det unse­ren Wohl­stand und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt. Denn Armut ver­erbt sich. Und die armen Kin­der von heu­te wer­den zu den armen Erwach­se­nen von morgen.
Die­se Tat­sa­che will die Initia­ti­ve MACH DICH STARK nicht län­ger hin­neh­men. Sie hat das gro­ße Ziel, den Anteil an Kin­dern, die im Süd­wes­ten in Armut leben, bis 2030 um ein Drit­tel zu redu­zie­ren. Um das zu errei­chen, müs­sen die Ursa­chen im Sys­tem, die Armut beför­dern, und ihre nega­ti­ven Fol­gen für Bil­dung, Gesund­heit, Woh­nen und Teil­ha­be bekämpft wer­den. Dazu ver­folgt die Initia­ti­ve das Ziel, Men­schen, Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen im Kampf gegen Kin­der­ar­mut zu ver­ei­nen. Gemein­sam gilt es dafür zu sor­gen, dass allen Kin­dern Ent­wick­lung und Teil­ha­be ermög­licht wird. Der­zeit gibt es 40 Part­ner (Stif­tun­gen, Fonds, Unter­neh­men, Künst­ler, Bil­dungs­trä­ger sowie Ver­bän­de), die das Anlie­gen unterstützen.

„Armut ver­erbt sich. Die­se Tat­sa­che will die Initia­ti­ve MACH DICH STARK nicht län­ger hin­neh­men. Sie hat das gro­ße Ziel, den Anteil an Kin­dern, die im Süd­wes­ten in Armut leben, bis 2030 um ein Drit­tel zu reduzieren. “

Benach­tei­li­gung überwinden

MACH DICH STARK bün­delt Akti­vi­tä­ten. Im Jahr der baden-wür­t­­te­m­­ber­­gi­­schen Land­tags­wahl und Bun­des­tags­wahl hat die Initia­ti­ve bei­spiels­wei­se einen digi­ta­len Politiker_innengipfel mit Lan­d­­tags-abge­­or­d­­ne­­ten aller Par­tei­en – mit Aus­nah­me der AFD – ver­an­stal­tet. Im Aus­tausch mit Enga­gier­ten aus ver­schie­de­nen Gesell­schafts­be­rei­chen wie dem Sport oder Umwelt­schutz sowie Men­schen, die einst selbst von Kin­der­ar­mut betrof­fen waren, ent­wi­ckel­te die Dis­kus­si­ons­run­de ein Leit­bild, wie Benach­tei­li­gung über­wun­den wer­den kann. Dazu gehört ein Bil­dungs­sys­tem, das unab­hän­gig vom Ein­kom­men der Eltern für gelin­gen­de Bil­dungs­ver­läu­fe sorgt.
Eine ande­re Akti­on stand unter dem Mot­to „Schau mal, hier bin ich“. Hier setz­ten sich die Kin­der und Jugend­li­chen in ver­schie­de­nen Regio­nen und Ein­rich­tun­gen einen Tag lang mit ihren Rech­ten aus­ein­an­der. Am Ende gestal­te­te jedes Kind sei­ne eige­ne Kin­­der­­rech­­te-Figur, die sym­bo­lisch zeig­te: Kin­der­rech­te gel­ten über­all. In der Schu­le, in der Frei­zeit und in der Familie.

Land­tags­ab­ge­ord­ne­te beim digi­ta­len Gip­fel zum The­ma Kinderarmut

Bun­des­tags­wahl: Wel­che poli­ti­schen Wei­chen kann der Bund stellen?

Auf Bun­des­ebe­ne wer­den vie­le poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen getrof­fen, die direk­ten Ein­fluss auf die Lebens­be­din­gun­gen auch von ärme­ren Men­schen haben. In einer Kin­der­grund­si­che­rung etwa liegt viel Poten­zi­al, damit sich sozia­le Ungleich­heit nicht fort­pflanzt. Mit der Kin­der­grund­si­che­rung ver­bin­det sich die Idee: Je nied­ri­ger das Fami­li­en­ein­kom­men ist, des­to höher fällt der Betrag der Kin­der­grund­si­che­rung aus. Die­je­ni­gen, die über das Ein­kom­men der Eltern wenig haben, pro­fi­tie­ren am stärks­ten. Die Kin­der­grund­si­che­rung bün­delt alle bestehen­den fami­li­en­po­li­ti­schen und exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen wie Hartz IV, Kin­der­geld und steu­er­li­che Kin­der­frei­be­trä­ge. Dabei soll sich die Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums nicht am unte­ren Rand ori­en­tie­ren, son­dern an dem, was Kin­der und Jugend­li­che im Durch­schnitt in Deutsch­land zum Leben brauchen.

Jedes Kind soll glei­che Rech­te haben! Foto: Cari­tas Rottenburg-Stuttgart

Kin­der in ihren Rech­ten stärken

Erst jüngst schei­ter­te der Ver­such, die Kin­der­rech­te im Grund­ge­setz zu ver­an­kern. Dabei hat die Coro­­na-Kri­­se uns vor Augen geführt, wie Kin­der­rech­te ein­ge­schränkt wer­den – etwa durch die Schlie­ßung von Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Zugleich wur­den und wer­den die Belan­ge jun­ger Men­schen im poli­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zess viel zu wenig berück­sich­tigt. Daher braucht es in Deutsch­land eine deut­li­che Stär­kung von Kin­der­rech­ten. MACH DICH STARK setzt sich dafür ein, dass die­se expli­zit im Grund­ge­setz ver­an­kert wer­den. Es ist wich­tig, dass das Anlie­gen auch im Koali­­ti­on­s­­ver-trag der neu­en Bun­des­re­gie­rung fest­ge­schrie­ben wird. Hier gilt es dafür ein­zu­tre­ten, dass ein neu­er Anlauf tat­säch­lich der UN-Kin­­der­­rechts­­kon­­ven­­ti­on gerecht wird.
Armut ist kom­plex und lässt sich nicht kur­zer­hand aus der Welt schaf­fen – das ist klar. Doch die Kin­der kön­nen sich nicht selbst aus ihrer Situa­ti­on befreien.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf der Web­site zum Pro­jekt MACH DICH STARK.

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KATHO­LI­SCHE KRAN­KEN­HÄU­SER WOL­LEN INTEL­LI­GEN­TEN STRUKTURWANDEL

Bernadette Rümmelin_DSF0333-RQ-zuschnitt

Ber­na­det­te Rüm­melin, Geschäfts­füh­re­rin des Katho­li­schen Kran­ken­haus­ver­bands Deutsch­lands (kkvd)
17.09.2021



Nach der Bun­des­tags­wahl wird der Reform­druck im Gesund­heits­we­sen wei­ter steigen. 

Schon jetzt befin­det sich die Kran­ken­haus­land­schaft in einem unge­re­gel­ten Struk­tur­wan­del, der vor allem Markt­ge­set­zen folgt. Das gefähr­det die gesund­heit­li­che Daseinsvorsorge.

Bundesgesunheitsminister Jens Spahn diskutiert mit kkvd-Vorstandsmitglied Ansgar Veer und Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstandsmitglied für Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes.
Bun­des­ge­sun­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dis­ku­tiert mit kkvd-Vor­­­stand­s­­mi­t­­glied Ans­gar Veer und Eva M. Wel­­skop-Def­­faa, Vor­stands­mit­glied für Sozi­al- und Fach­po­li­tik des Deut­schen Caritasverbandes.

In Deutsch­land gibt es der­zeit rund 1.900 Kran­ken­häu­ser, 283 davon befin­den sich in katho­li­scher Trä­ger­schaft. Die Zahl der Kli­ni­ken ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gesun­ken und die­ser Trend wird sich wei­ter fort­set­zen. Denn nicht jeder bis­he­ri­ge Kran­ken­haus­stand­ort wird in zehn Jah­ren noch gebraucht, um eine bedarfs­ge­rech­te Ver­sor­gung der Men­schen flä­chen­de­ckend sicherzustellen.

Doch wenn heu­te eine Kli­nik schließt, hat dies bis­wei­len wenig mit dem regio­na­len Ver­sor­gungs­be­darf zu tun. Viel­mehr müs­sen eini­ge Häu­ser auf­grund der Fehl­steue­rung im Sys­tem, des regu­la­to­ri­schen Drucks und der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ihre Türen schlie­ßen. Daher machen sich die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser dafür stark, den unge­steu­er­ten Struk­tur­wan­del in gelenk­te Bah­nen zu überführen.

Ver­sor­gungs­be­darf der Pati­en­ten muss Kran­ken­haus­pla­nung zugrun­de liegen

In unse­rem Posi­ti­ons­pa­pier zur Bun­des­tags­wahl und für die neue Legis­la­tur­pe­ri­ode for­dern wird kon­kret, dass die Kran­ken­haus­pla­nung auch künf­tig in den Regio­nen erfolgt und sich kon­se­quent am Ver­sor­gungs­be­darf der Men­schen ori­en­tiert. Über­stei­ger­tes Effi­zi­enz­stre­ben und Markt­lo­gik dür­fen nicht wich­ti­ger sein als die Ori­en­tie­rung der Kran­ken­haus­ver­sor­gung am Bedarf Patient:innen.

Ein Kahl­schlag in der Kli­nik­land­schaft, wie er von eini­gen Sei­ten pro­pa­giert wird, hät­te fata­le Fol­gen. Die Coro­­na-Pan­­de­­mie zeigt, wie wich­tig Aus­­­weich- und Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten in der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung sind. Zudem gilt gera­de für älte­re, mul­ti­mor­bi­de Men­schen in länd­li­chen Regio­nen, dass lan­ge Wege hohe Hür­den sind. Aber auch jun­gen Fami­li­en ist eine gute Gesund­heits­ver­sor­gung in der Nähe wichtig.

Netz­wer­ke von Kran­ken­häu­sern als Erfolgsmodell

Mit ihrer aus­ge­präg­ten Ver­bund­struk­tur bele­gen die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser schon heu­te, dass hohe Behand­lungs­qua­li­tät und Spe­zia­li­sie­rung auch in einem Netz­werk meh­re­rer Kli­ni­ken mög­lich sind, wenn sich jedes Haus auf sei­ne Stär­ken kon­zen­triert. Dar­über haben wir am 23. August auch mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn und Fach­ab­ge­ord­ne­ten aus dem Bun­des­tag dis­ku­tiert. Ans­gar Veer, kkvd-Vor­­­stand­s­­mi­t­­glied und Haupt­ge­schäfts­füh­rer der St. Boni­­fa­­ti­us-Hos­­pi­­tal­­ge­­sel­l­­schaft in Lin­gen, schlug vor, dass Kran­ken­häu­ser in einer Netz­werk­struk­tur mit Auf­ga­ben­tei­lung bei der Finan­zie­rung gleich­ge­stellt wer­den mit einer Groß­kli­nik an einem Stand­ort. Der Gesund­heits­mi­nis­ter zeig­te sich dafür grund­sätz­lich offen.

Bundesgesunheitsminister Jens Spahn diskutiert mit kkvd-Vorstandsmitglied Ansgar Veer und Eva M. Welskop-Deffaa, Vorstandsmitglied für Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes.

Außer­dem set­zen sich die katho­li­schen Kran­ken­häu­ser in ihren Posi­tio­nen für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge ein. Dazu gehö­ren auch ein schnel­ler Aus­bau der Aus- und Wei­ter­bil­dung sowie die eigen­ver­ant­wort­li­che Aus­übung heil­kund­li­cher Tätig­kei­ten durch Pfle­ge­fach­kräf­te. Die star­ren Unter­gren­zen für das Pfle­ge­per­so­nal soll­ten schnellst­mög­lich durch die stär­ker am Pati­en­ten­be­darf ori­en­tier­te Pfle­­ge­­per­­so­­nal-Rege­­lung 2.0 (PPR 2.0) ersetzt wer­den, bis vor­aus­sicht­lich 2025 ein wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes Instru­ment zur Pfle­ge­per­so­nal­be­mes­sung anwen­dungs­reif ist.

Die bun­des­weit 283 katho­li­schen Kran­ken­häu­ser bil­den die größ­te Grup­pe unter den frei­gemein­nüt­zi­gen Kli­ni­ken in unse­rem Land. Sie unter­mau­ern mit ihrer Arbeit Tag für Tag, dass die frei­gemein­nüt­zi­ge Trä­ger­schaft inno­va­tiv und ein Zukunfts­kon­zept ist. Hier gehen nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und Pati­en­ten­ori­en­tie­rung Hand in Hand. Gleich­zei­tig wur­den und wer­den hier Ver­sor­gungs­kon­zep­te ent­wi­ckelt und vor­an­ge­bracht, auch wenn sie noch nicht über die Regel­ver­sor­gung finan­ziert wer­den. Das galt bei­spiels­wei­se im Hos­­piz- und Pal­lia­tiv­be­reich oder bei der Ver­sor­gung von HIV-Patient:innen. Daher ist es wich­tig, die Trä­ger­viel­falt und frei­gemein­nüt­zi­ge Akteu­re im Gesund­heits­we­sen auch wei­ter­hin zu stärken. 

Das kkvd Posi­ti­ons­pa­pier zum Down­load gibt es hier: 

https://kkvd.de/menschlich-innovativ-freigemeinnuetzig/

https://kkvd.de/wp-content/uploads/2021/05/210506_kkvd_Positionen_BTW2021.pdf

Die Vide­os zur Ver­an­stal­tung am 23. August gibt es hier:

https://www.youtube.com/channel/UCxK70KcaZSai5jVDJ6fgRpg


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KLI­MA­SCHUTZ – SOZI­AL UND GERECHT: GEHT DAS?

Autorin Susanne Feeß

Susan­ne Feeß
03.09.2021



Umwelt schüt­zen, Kli­ma ret­ten und Kon­sum von fair her­ge­stell­ten Pro­duk­ten lie­gen im Trend. 

Wie kön­nen wir, als Gesell­schaft und als Ein­zel­per­son, kon­se­quent am Kli­­ma- und Umwelt­schutz dran­blei­ben und dar­an mit­wir­ken, dass alle Men­schen dar­an teil­ha­ben können?

Aus­ran­gier­te Schwimm­wes­ten der ehe­ma­li­gen Flug­ge­sell­schaft Con­dor die­nen als Stoff für extra­va­gan­te Upcycling-Produkte. 

Umwelt­scho­nen­de Hand­lungs­mög­lich­kei­ten in der Gesell­schaft fest zu ver­an­kern ist ein schwie­ri­ges The­ma. Ein Bei­spiel aus der Pra­xis, das zeigt wie es geht, ist das bun­des­wei­te Pro­jekt Stromspar-Check!

Als ein gemein­sa­mes Ange­bot des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des e. V. und des Bun­des­ver­ban­des der Ener­­gie- und Kli­ma­schutz­agen­tu­ren Deutsch­lands e. V bie­tet das Pro­jekt Bera­tung zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz für ein­kom­mens­schwa­che Haus­hal­te (Haus­hal­te, die Sozi­al­leis­tun­gen bezie­hen oder nur über eine gerin­ge Ren­te ver­fü­gen) an. Der Strom­­s­par-Check star­te­te 2005 in Frank­furt als Koope­ra­ti­on zwi­schen dem Ener­gie­re­fe­rat Frank­furt und dem Cari­tas­ver­band Frank­furt. Ziel war, effi­zi­en­te Ener­gie­nut­zung an Men­schen her­an­zu­tra­gen, die über die Ver­brau­cher­zen­tra­le oder öffent­li­che Maß­nah­men nicht erreicht wer­den. Schnell ent­stand die Idee, gemein­sam mit dem Job­cen­ter, die­ses Bera­tungs­an­ge­bot als Beschäf­ti­gungs­maß­nah­me für Lang­zeit­ar­beits­lo­se zu etablieren.

 

Kli­ma­schutz und sozia­le Gerech­tig­keit gehö­ren unteil­bar zusammen. 

Über Qua­li­fi­ka­tio­nen wer­den bis heu­te Sozialleistungsempfänger*innendarin geschult, nie­der­schwel­li­ge Bera­tun­gen über Strom spa­ren, Kli­ma­schutz und Ener­gie­ef­fi­zi­enz durch­zu­füh­ren. Die Initia­ti­ve, sinn­vol­le Beschäf­ti­gun­gen anzu­bie­ten, bei der jede Per­son spü­ren kann, gebraucht zu wer­den und die gleich­zei­tig Kli­­ma- und Umwelt­schutz ein­schließt, wur­de 2008 als bun­des­wei­tes Pro­jekt ausgeweitet. 

Öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­tio­nen von Gesell­schaf­ten müs­sen sozi­al­po­li­ti­sche Kom­po­nen­ten mit­den­ken. Kli­ma­schutz muss inte­gra­ler Bestand­teil der Sozi­al­po­li­tik sein, damit alle Men­schen Anteil neh­men kön­nen. Die Cari­tas über­nimmt hier­für Ver­ant­wor­tung, um die Lücke zwi­schen sozi­al­po­li­ti­schen For­de­run­gen und Rea­li­tät zu schlie­ßen. Ein wei­te­res Bei­spiel hier­für ist das Pro­jekt EiN­ZIG­WA­RE (www.einzigware.de).  

 

Öko­lo­gisch – krea­tiv – sozi­al: EiN­ZIG­WA­RE und Warenmeister*innen

Die Cari­tas in Deutsch­land stell­te 2012 das The­ma „Soli­da­ri­tät und gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt“ in den Fokus ihrer Arbeit, womit Men­schen fit gemacht wer­den soll­ten für den ers­ten Arbeits­markt. So ent­stand EiN­ZIG­WA­RE, das Upcy­cling Label des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des für Uni­ka­te, das auf Nach­hal­tig­keit, Müll­ver­mei­dung und sozia­le Teil­ha­be setzt.


Hocker und Bank aus alten Flugzeug-Sicherheitsgurten
Hocker und Bank aus alten Flugzeug-Sicherheitsgurten.

EiN­ZIG­WA­RE gibt Gegen­stän­den neu­es Leben und Men­schen neue Chan­cen. So wer­den bspw. aus den Mesh-Pla­­nen der Cari­­tas-Jah­­res­­kam­­pa­­g­nen Taschen, Etuis und ande­re schö­ne Uni­ka­te. Aktu­ell gehö­ren rund 25 Stand­or­te zur Mar­ke. Die Werk­stät­ten der Beschäf­ti­gungs­be­trie­be von cari­team im Cari­tas­ver­band Frank­furt sind ein Teil davon.

In Frank­furt die­nen aus­ran­gier­te Sicher­heits­gur­te der Flug­ge­sell­schaft Con­dor für die Gestal­tung extra­va­gan­ter Sitz­mö­bel. Die seit Jah­ren bestehen­de Koope­ra­ti­on mit der Mes­se Frank­furt sorgt immer wie­der für außer­ge­wöhn­li­che Stof­fe von Tex­til­mes­sen, die krea­tiv ver­ar­bei­tet wer­den. Inzwi­schen bestehen seit vie­len Jah­ren enge Koope­ra­tio­nen mit dem regio­na­len Strom­an­bie­ter Mai­no­va, den umlie­gen­den Kom­mu­nen und dem Bund.

Neben dem wich­ti­gen Aspekt der res­­sour­cen- und kli­ma­scho­nen­den Pro­duk­ti­on steht bei EiN­ZIG­WA­RE die Beschäf­ti­gung für Lang­zeit­ar­beits­lo­se und deren indi­vi­du­el­le Qua­li­fi­ka­ti­on im Vor­der­grund. In den Werk­stät­ten der Beschäf­ti­gungs­be­trie­be von cari­team erhal­ten sie die Mög­lich­keit, einer sinn­vol­len Tätig­keit nach­zu­ge­hen, schritt­wei­se wie­der an das Arbeits­le­ben her­an­ge­führt zu wer­den und wie­der am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men. Als Wa(h)renmeister leis­ten sie einen Bei­trag zum Umwelt­schutz, in dem sie Upcy­cling­tech­ni­ken erler­nen und bekom­men indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung, ihre Fähig­kei­ten auszubauen.

Das Kon­zept der Beschäf­ti­gungs­maß­nah­me nimmt die ehe­mals Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in ihrer Indi­vi­dua­li­tät in den Blick. Die För­der­pha­se kann des­halb auch mal über meh­re­re Jah­re gehen. Der Mensch, auch mit per­sön­li­chen und/oder psy­chi­schen Pro­ble­men, die alle Bemü­hun­gen erschwe­ren, kann sich lang­fris­tig in eine Auf­ga­be inte­grie­ren und sich voll und ganz per­sön­lich dar­auf ein­las­sen. Man­cher Stromsparberater*in wur­de so auch schon zum*r Projektleiter*in und hat seine/ihre Beru­fung gefunden.

„Wir kön­nen Türen öff­nen, sogar in die­sen schwie­ri­gen Zeiten“

Petra Spöck, Pro­jekt­lei­te­rin des Strom­­s­par-Checks in Frank­furt, erklärt: „Die Cari­tas schließt die Lücke zwi­schen umwelt­po­li­ti­schen Pro­jek­ten und sozi­al­po­li­ti­schen Aspek­ten durch lebens­na­he Bera­tung, die in den Haus­hal­ten und ent­lang der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on statt­fin­det. Der Ver­band arbei­tet dicht am Leben der Men­schen und geht durch ver­schie­de­ne Akti­vi­tä­ten oder Pro­jek­te auf die Men­schen zu. Das ist unser Vor­teil. Man kennt uns oft bereits durch ande­re sozia­le Diens­te. Die städ­ti­schen Bera­tungs­an­ge­bo­te sind der Ziel­grup­pe meist nicht bekannt oder sie kom­men nicht auf die Idee, sich dort bera­ten zu lassen.“

Bewusst­seins­bil­dung für Kli­­ma- und Umwelt­schutz auf Augen­hö­he. Die Berater*innen ken­nen die Pro­ble­ma­tik der Men­schen aus dem eige­nen Leben. Sie sind Teil der Ziel­grup­pe, spre­chen ihre Spra­che. Als Multiplikator*innen kön­nen sie ver­mit­teln, was sie selbst gelernt haben: Klei­ne Ver­än­de­run­gen in mei­nem Ver­hal­ten kön­nen zu einer Redu­zie­rung mei­nes Strom­ver­brauchs führen.

„Kos­ten­lo­se Bera­tung für ein­kom­mens­schwa­che Fami­li­en ohne ‘Kom­­fort-Ver­­­lust´.“ Stromberater*innen ermit­teln die Strom­fres­ser und suchen gemein­sam mit den Haus­hal­ten Lösun­gen. Auch ein neu­er, strom­spa­ren­der Kühl­schrank ist nicht immer in wei­ter Fer­ne. Die Berater*innen wis­sen, wel­che loka­len Geschäf­te oder Gut­schein­sys­te­me vor­han­den sind, um neue, ener­gie­spa­ren­de, Kühl­schrän­ke zu erwerben.

Je län­ger und inten­si­ver das Netz­werk vor Ort aus­ge­baut wird, umso weni­ger kön­nen die Län­der und Ener­gie­re­fe­ra­te an der The­ma­tik vor­bei­kom­men. Man spricht von „Ener­gie­ar­mut“ und der Pro­ble­ma­tik, dass Sozi­al­ta­ri­fe nicht nach­hal­tig grei­fen, weil sie den Ver­brau­cher und sein Bewusst­sein nicht im Blick haben. Auch die Kom­mu­nen ler­nen durch den Strom­­s­par-Check dazu und mer­ken, dass sozi­al und gerecht prak­ti­zier­ter Kli­ma­schutz nicht nur die Mit­tel­schicht und die Eigen­heim­be­sit­zer in den Blick neh­men darf, son­dern die gesam­te Gesell­schaft inte­griert wer­den muss.

Inves­ti­ti­on in Tech­nik bedeu­tet Inves­ti­ti­on in die Men­schen. Strom­spa­ren ist nicht nur was für Rei­che! „Wenn wir in Zukunft eine noch bes­se­re Zusam­men­ar­beit mit den Sozi­al­rat­häu­sern oder den Job­cen­tern errei­chen, könn­te das Ziel, alle ein­kom­mens­schwa­chen Fami­li­en effi­zi­ent zu bera­ten, Wirk­lich­keit wer­den,“ betont Frau Spoeck. 

 

Wei­te­re Infos und Links

Zu erwer­ben sind vie­le der EiN­­ZI­G­­WA­­RE-Pro­­­du­k­­te über die Home­page www.einzigware.de

Infor­ma­tio­nen zum Strom­­s­par-Check gibt es über die Home­page www.stromspar-check.de

Eine Frau sitzt in einer Werkstätte und zeigt eine Upcycling-Tasche, die sie soeben genäht hat.

Interviewte

Nico­la Bus­kot­te, Refe­ren­tin für Pres­se­ar­beit, Bun­des­pro­jekt Strom­­s­par-Check Aktiv

Petra Spöck, Pro­jekt­lei­tung Ener­gie­spar­ser­vice, Cari­tas­ver­band Frank­furt e.V.

Clau­dia Dobrow, Arbeits­be­reichs­lei­te­rin cari­team, Cari­tas­ver­band Frank­furt e.V.  


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TAN­DEMS MIT POLI­TI­SCHER BEDEUTUNG

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Mar­kus Har­mann
11.08.2021



“Men­schen stär­ken Men­schen”: Zum Bei­spiel indem sie als ehren­amt­li­che Paten beim Ler­nen, bei der Arbeits­su­che oder im All­tag unterstützen.

Damit nie­mand sozi­al abstürzt, führt die Cari­tas zahl­rei­che Pro­jek­te durch und setzt dabei auch auf sozia­les Enga­ge­ment. Das Tan­­dem-Pro­­­jekt in Gum­mers­bach ist dafür ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel und auch für die Poli­tik von Bedeu­tung: Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht besuch­te das Cari­­tas-Kauf­haus und sprach mit Haupt- und Ehrenamtlichen.

Christine Lambrecht besucht das Caritas-Kaufhaus in Gummersberg.
Chris­ti­ne Lam­brecht besucht das Cari­­tas-Kauf­haus in Gum­mers­berg. Foto: Mar­kus Harmann

„Wir kön­nen und wol­len als Staat nicht all das leis­ten, was die Ehren­amt­li­chen einbringen.“ 

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD) hat am 11. August das Cari­­tas-Kauf­haus in der Gum­mers­ba­cher Innen­stadt besucht. Sie hat sich dort über das Pro­jekt „Men­schen stär­ken Men­schen“ des Cari­tas­ver­ban­des für den Ober­ber­gi­schen Kreis infor­miert. Das Pro­jekt läuft seit 2016 und wird vom Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um finan­zi­ell geför­dert. Ziel von „Men­schen stär­ken Men­schen“ ist es, ehren­amt­li­che Paten für Geflüch­te­te, Jugend­li­che oder Arbeit­su­chen­de zu gewin­nen. Die­se hel­fen dann etwa beim Sprach­er­werb, erle­di­gen Behör­den­gän­ge oder unter­stüt­zen im Alltag.

 


Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht zusammen mit dem Patenschafts-Duo Katharina Vankerkom und Hassatou Diallo.
Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht zusam­men mit dem Paten­­schafts-Duo Katha­ri­na Van­ker­kom und Hassa­tou Dial­lo. Foto: Mar­kus Harmann

So wie Katha­ri­na Van­ker­kom (30) aus Gum­mers­bach. Die Gesund­heits­öko­no­min hilft in ihrer Frei­zeit Hassa­tou Dial­lo (29) beim Deutsch­ler­nen. Frau Dial­lo ist zwei­fa­che Mut­ter und flüch­te­te vor vier Jah­ren aus dem afri­ka­ni­schen Gui­nea nach Deutsch­land. Sie träumt davon, als Zahn­tech­ni­ke­rin zu arbei­ten – vor­her muss sie jedoch ihren Deutsch­kurs bestehen. „Das Schö­ne an die­sem Ehren­amt ist, dass wir bei­de davon pro­fi­tie­ren. Ich freue mich immer, wenn Hassa­tou mich um Hil­fe bit­tet. Und sie pro­fi­tiert davon, wenn wir mit­ein­an­der deutsch spre­chen“, sagt Vankerkom.

Ehren­amt und Enga­ge­ment ver­än­dert sich

Minis­te­rin Lam­brecht such­te das Gespräch mit den Tan­dems und besich­tig­te das Cari­tas­Kauf­haus. Die Paten­schaf­ten för­dern ein Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, Viel­falt und Tole­ranz, sie sei­en ein wich­ti­ger Bau­stein für das Zusam­men­le­ben, beton­te Dun­ja Kühr-Honer­­mann von der Cari­tas im Ober­ber­gi­schen Kreis. Das Ehren­amt spie­le dabei eine wich­ti­ge Rol­le. Die Cari­tas in Ober­berg hat der­zeit 160 Ehren­amt­li­che in ihren Rei­hen. „Ohne sie könn­ten wir das Pro­jekt nicht schaf­fen“, so Kühr-Honermann.

Nicht alle Ehren­amt­li­chen sind stän­dig im Ein­satz, man­che nur stun­­­den- oder tage­wei­se, je nach­dem wie es gera­de zur Lebens­pla­nung pas­se. Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lam­brecht beton­te, es sei wich­tig zu akzep­tie­ren, dass sich das Ehren­amt ver­än­de­re und dass die Men­schen sich unter­schied­lich ein­bräch­ten. „Wir kön­nen und wol­len als Staat nicht all das leis­ten, was die Ehren­amt­li­chen ein­brin­gen“, so Lambrecht.

Cari­tas setzt sich für bes­se­re sozia­le Absi­che­rung ein

Doch ganz ohne staat­li­che Unter­stüt­zung, wie bei­spiels­wei­se über die Pro­jekt­för­de­rung von “Men­schen stär­ken Men­schen” sind sol­che Pro­jek­te auch für die Cari­tas nicht mach­bar. Des­halb setzt sich die Cari­tas im Wahl­kampf zur Bun­des­tags­wahl für eine bes­se­re sozia­le Absi­che­rung in Deutsch­land ein. 

Um Men­schen auch wei­ter­hin vor Armut, sozia­lem und öko­no­mi­schem Abstieg, vor Woh­­nungs- oder Erwerbs­lo­sig­keit zu bewah­ren, müs­sen wir uns auch wei­ter­hin enga­gie­ren und gemein­sam für eine soli­da­ri­sche Zukunft kämp­fen. Für die kom­men­de Bun­des­re­gie­rung heißt das: Das Netz sozia­ler Siche­rung muss fes­ter geknüpft werden.

Lesen Sie in unse­rem Blog, was genau wir von der künf­ti­gen Bun­des­re­gie­rung beim The­ma sozia­le Absi­che­rung for­dern.



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