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ARZT­BE­SUCH PER VIDEO­AN­RUF: EINE APP IM PRAXISTEST

Paula Zeiler

Pau­la Zeiler
12.05.2021



Die App Pfle­ge­kon­sil ermög­licht digi­ta­le Arzt­be­su­che und soll die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in Alten­hei­men ver­bes­sern. Wie die App funk­tio­niert und ob Sie hält, was sie ver­spricht, erfah­ren Sie im Interview.

Tschüss Fax, Hal­lo Zukunft — heißt es im Alten­heim St. Anto­ni­us in Mün­chen. Seit April 2021 tes­tet die Cari­­tas-Ein­­rich­­tung die App Pfle­ge­kon­sil. Die Anwen­dung ermög­licht Pfle­ge­per­so­nal einen direk­ten Kon­takt zu den Ärzt_innen der Bewohner_innen und Visi­ten per Video­an­ruf. Maxi­mi­li­an Gru­ber, gelern­te Pfle­ge­fach­kraft und Refe­rent im Geschäfts­be­reich Alten­hei­me des Cari­tas­ver­ban­des Mün­chen und Ober­bay­ern, berich­tet im Gespräch mit dem Deut­schen Cari­tas­ver­band von den ers­ten Erfah­run­gen mit der App.

Wie funk­tio­niert die Pflegekonsil-App?

Die App soll dabei hel­fen, die Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung für die Bewoh­ner zu ver­bes­sern. In der Pra­xis wird es so ablau­fen: Die Pfle­ge­kraft erfährt, dass ein Bewoh­ner zum Bei­spiel über Schmer­zen klagt und eine medi­ka­men­tö­se Anpas­sung braucht. Die­se Infor­ma­ti­on ver­mit­telt die Pfle­ge­fach­kraft dem zustän­di­gen Haus- oder Fach­arzt in der App, mit der „Bit­te um Rück­mel­dung via Video­kon­zil“. Das schö­ne ist, dass man die Pra­xis nicht anru­fen muss, son­dern asyn­chron arbei­ten kann. Der Arzt sieht die Nach­richt, sobald er Zeit hat, und ver­schickt einen Ter­min für eine Video­sprech­stun­de. Im Video­sprech­raum tref­fen sich dann alle Betei­lig­ten zur digi­ta­len Sprech­stun­de. Ein Ziel muss sein, dass die­se zusätz­lich inves­tier­te Zeit von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men wird.

Ist damit der per­sön­li­che Arzt­be­such abgeschafft?

Natür­lich ist es am bes­ten, wenn der Haus­arzt per­sön­lich vor­bei­kommt. Jedoch haben wir durch den Ärz­te­man­gel, beson­ders im länd­li­chen Raum, manch­mal kei­ne Alter­na­ti­ve und eine digi­ta­le Visi­te ist die bes­te Lösung. Die dadurch schnel­le­re ärzt­li­che Ver­sor­gung ist aber auf jeden Fall ein gro­ßer Vor­teil für die Bewoh­ner. Und um es klar zu stel­len: Die Pfle­­ge­­kon­­sil-App wird nicht dazu füh­ren, dass der per­sön­li­che Kon­takt kom­plett weg­fällt. Das ist uns als Cari­tas wichtig.

„Die Pfle­­ge­­kon­­sil-App wird nicht dazu füh­ren, dass der per­sön­li­che Kon­takt kom­plett weg­fällt. Das ist uns als Cari­tas wichtig.“

Wel­che Reak­tio­nen gab es nach der ers­ten Ankün­di­gung in der Einrichtung?

Die Begeis­te­rung bei den Bewoh­nern und Ange­hö­ri­gen war sehr groß. Mit der ers­ten Coro­­na-Wel­­le haben vie­le Bewoh­ner gemerkt, wie das ist, wenn der Arzt nicht greif­bar ist. Inner­halb von zwei Wochen hat­ten wir von allen Bewoh­nern im ers­ten Wohn­be­reich die Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung ein­ge­sam­melt. Es gab sogar Bewoh­ner aus ande­ren Wohn­grup­pen, die nach­ge­fragt haben, wann sie mit­ma­chen kön­nen. Das Pfle­ge­per­so­nal war zunächst skep­ti­scher. Ich den­ke, durch die Anfangs­pro­ble­me mit der bereits ein­ge­führ­ten digi­ta­len Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on sind die Pfle­ge­kräf­te gebrann­te Kin­der. Es ist eben wich­tig, dass alles syn­chro­ni­siert wird und nicht ver­lo­ren geht.

Maxi­mi­li­an Gru­ber vom Cari­tas­ver­band Mün­chen und Oberbayern

Und wie ist der Ein­druck nach den ers­ten Praxiserfahrungen?

Für die Pfle­ge­fach­kräf­te ist die Orga­ni­sa­ti­on der App stemm­bar. Jedoch mel­den die ers­ten, dass die Bedie­nung des Tablets im Arbeits­all­tag stres­sig sei. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Es fin­den nicht alle schlecht, aber der Auf­wand das Tablet zu holen, ist für den ein oder ande­ren zu groß. Des­we­gen gibt es den Wunsch, dass die Pfle­­ge­­kon­­sil-App und die digi­ta­le Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on in einem Device bedient wer­den. Das ist mei­ner Mei­nung nach kei­ne Zukunfts­mu­sik, son­dern realistisch.

Wo sehen Sie die Cari­tas in der Digi­ta­li­sie­rung der Pflege?

Man kann sich sträu­ben wie man möch­te, aber es wird immer mehr Tech­nik geben. Des­we­gen ist es wich­tig, dass es so klei­ne Pro­jek­te gibt. Aus die­sem Grund haben wir auch an der Ent­wick­lung der App mit­ge­wirkt. Uns fehl­te bei­spiels­wei­se die Pfle­ge­no­te: Es gab zu Beginn zu wenig Dia­gno­sen und zu vie­le Pflicht­fel­der, die aus­ge­füllt wer­den muss­ten. Das hät­ten wir im Pfle­ge­all­tag nicht leis­ten kön­nen. Ich fin­de, dass die Cari­tas als größ­ter Wohl­fahrts­ver­band Deutsch­lands eine Ver­ant­wor­tung hat, digi­tal auf­zu­rüs­ten und mit dabei zu sein. Aber Digi­ta­li­sie­rung auch ethisch hin­ter­fra­gen muss.

Im Inter­view:

Maxi­mi­li­an Gru­ber arbei­tet seit 2019 als Anwen­dungs­be­treu­er im Geschäfts­be­reich Alten­hei­me beim Cari­tas­ver­band Mün­chen und Ober­bay­ern. Wie er es selbst bezeich­nen wür­de: An der Schnitt­stel­le von Geschäfts­füh­rung und Pfle­ge­pra­xis. Im Team Pfle­ge ist sei­ne Haupt­auf­ga­be die Betreu­ung von digi­ta­len Anwen­dun­gen: Dazu gehört seit Juni 2020 auch die App „Pfle­ge­kon­sil“. Zudem betreut er die digi­ta­le Bewoh­ner­do­ku­men­ta­ti­on für Alten­hei­me „Viven­di“. Gru­ber kennt aber auch die Pra­xis: Er ist gelern­te Gesun­d­heits- und Pfle­ge­kraft und arbei­te­te unter ande­rem fünf Jah­re als Pflegeleitung.

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12.500 BRIE­FE GEGEN EINSAMKEIT

Irene L. Bär

Ire­ne L. Bär
04.05.2021



An 30 Orten machen tau­sen­de jun­ge Briefschreiber_innen mit Hil­fe der young­ca­ri­tas älte­ren Men­schen und Men­schen mit Behin­de­rung eine Freude.

Bereits 12.500 Brie­fe sind so zusam­men­ge­kom­men. Sie zei­gen eine Ver­bun­den­heit über Genera­tio­nen hin­weg. Gera­de in Zei­ten des “Abstand hal­tens” ist es wich­tig zu spü­ren: Jemand denkt an mich!

Viel Zeit nah­men sich die Briefschreiber_innen für ihre Wer­ke Foto: Ire­ne L. Bär

Auf­ruf zu Hilfs­be­reit­schaft und Zusammenhalt

Ab März 2020 konn­ten auf­grund der Pan­de­mie vie­le Men­schen von einem Tag auf den ande­ren nur noch ein­ge­schränkt sozia­le Kon­tak­te pfle­gen. Stark davon betrof­fen sind Senior_innen und Men­schen die in Ein­rich­tun­gen leben. Vor allem bei älte­ren Men­schen über 80 Jah­re besteht ein hohes Risi­ko sozia­ler Iso­la­ti­on, gera­de wenn Erkran­kun­gen, ein­ge­schränk­te Mobi­li­tät oder Alters­ar­mut hin­zu­kom­men oder lang­jäh­ri­ge Weggefährt_innen ver­stor­ben sind.
Zeit­gleich ent­stand von Anfang an gera­de bei vie­len jun­gen Men­schen das Bedürf­nis in die­ser Kri­se zu hel­fen und sich zu enga­gie­ren. Bereits im März 2020 rie­fen daher meh­re­re youn­g­­ca­­ri­­tas-Orte dazu auf, Brie­fe und Post­kar­ten an die­se Men­schen zu schrei­ben und stie­ßen damit auf viel Resonanz.
Die Brie­fe sol­len hel­fen, auch unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen in Kon­takt mit­ein­an­der zu kom­men, sich aus­zu­tau­schen und Hoff­nung zu machen. “Mir ist es wich­tig, dass die Men­schen auch in so einer Pha­se zusam­men­hal­ten und ich hof­fe, dass vie­le ande­re eben­falls Brie­fe schrei­ben, damit sich bei­spiels­wei­se die Bewohner_innen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen freu­en kön­nen”, sagt Sophie, 19 Jah­re, aus Nord­rhein Westfalen.
Ziel der Akti­on ist es, den Men­schen eine Freu­de zu berei­ten, gleich­zei­tig Ein­satz­mög­lich­kei­ten für Hilfs­be­reit­schaft zu schaf­fen und zusätz­lich für das Pro­blem der Ein­sam­keit zu sensibilisieren.

Fir­men, Schu­len, Medi­en — Gro­ße Reso­nanz für die Aktion

Die Idee brei­te­te sich im youn­g­­ca­­ri­­tas-Net­z­­werk schnell aus, über 30 youn­g­­ca­­ri­­tas-Orte rie­fen Aktio­nen ins Leben. Unter dem Titel #digi­ta­lebrief­tau­be konn­ten die Brie­fe auch als Foto ein­ge­sandt oder ein Video pro­du­ziert wer­den, man­cher­orts lagen aus­füll­ba­re Post­kar­ten in Geschäf­ten aus. Kita-Grup­­pen und Schul­klas­sen gestal­te­ten Bil­der und Brie­fe gemein­sam im Unter­richt — Zwei­drit­tel der Ein­sen­dun­gen kamen von Kin­dern und Jugend­li­chen unter 18 Jah­ren. Jun­ge Erwach­se­ne wur­den über Social Media auf die Akti­on auf­merk­sam, gro­ße Unter­neh­men schlu­gen ihren Mitarbeiter_innen vor, Brie­fe zu schrei­ben, der Deut­sche Brief­tau­ben­züch­ter­ver­band, zwei TV-Maga­­zi­­ne und meh­re­re Influencer_innen rie­fen zur Teil­nah­me auf – vor allem nach­dem die Tages­schau auf Social Media auf die Akti­on hin­ge­wie­sen hatte.

Begeg­nung am Kran­ken­bett — Cari­­tas-Alten­­zen­­trum St. Mater­nus In Köln

Glück- und Segenswünsche

Vor allem über die Ein­rich­tun­gen der Cari­tas gelang­ten die Brie­fe und Post­kar­ten an ihre Empfänger_innen. Rund die Hälf­te der Brie­fe wur­den an Seni­or_in­­­nen-Ein­­rich­­tun­­­gen ver­mit­telt. Dort wer­den sie oft­mals in der Grup­pe vor­ge­le­sen. Auch älte­re Men­schen, die zuhau­se leben und von einem Pfle­ge­dienst betreut wer­den, erhal­ten Brie­fe, sowie Geflüch­te­te, Men­schen mit Behin­de­rung und Ein­zel­per­so­nen. Eini­ge der Senior_innen haben Dan­kes­brie­fe an die Absender_innen ver­fasst: “Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umar­men”, schrei­ben bei­spiels­wei­se Mar­lies (93) und Gud­run (77) in einem Antwort-Brief.

“Wir wol­len auch Dir Glück- und Segens­wün­sche über­mit­teln. Es ist ein schö­nes Gefühl, dass jemand an uns denkt. Wir ver­mis­sen unse­re Fami­li­en, Kin­der und Enkel. Hof­fent­lich kön­nen wir uns alle bald wie­der gesund umarmen.”

Quer durch Deutsch­land wur­den die Brie­fe ver­schickt – ein Umstand, der vie­le Empfänger_innen beson­ders erfreut hat. Selbst aus Madrid, Hong­kong und Argen­ti­ni­en kam Post. Vie­le der Ein­sen­dun­gen sind mit viel Lie­be und Herz­blut gestal­tet: gemal­te Bil­der, eige­ne Tex­te, Rät­sel, Gedich­te, klei­ne Geschen­ke — so hat zum Bei­spiel der Dich­ter „Sebas­ti­an 23“ das Gedicht “Kar­las Geburts­tag” für die Senior_innen ver­fasst und selbst vor­ge­le­sen. Hier fin­den Sie Bei­spie­le.Esther Schie­ßer von der young­ca­ri­tas Würz­burg hat beob­ach­tet: „Aus den Brie­fen der Kin­der und Jugend­li­chen spricht eine gro­ße Sehn­sucht nach mehr Gemein­schaft, aber auch viel Hoff­nung, Zuver­sicht und Soli­da­ri­tät. Die Brie­fe zei­gen eine Ver­bun­den­heit über die Genera­tio­nen hin­weg. Die Bot­schaft ist meist: Ja, es ist schwie­rig, aber wir ste­hen das alle gemein­sam durch!“
Hier geht es zur Web­site zur Akti­on Brief­tau­be.

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WAS UNS ZUSAM­MEN­HÄLT UND WAS UNS AUSEINANDERTREIBT

Kai Unzicker

Dr. Kai Unzi­cker
27.04.2021



Ver­trau­ens­vol­le Bezie­hun­gen, star­ke Ver­bun­den­heit und geleb­ter Ein­satz für das Gemein­wohl — die­se drei Ele­men­te sind essen­ti­ell für den gesell­schaft­li­chen Zusammenhalt.

Es ist gar nicht so ein­fach zu sagen, was gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt genau ist. In mei­ner Arbeit defi­nie­re ich Zusam­men­halt anhand von drei Bestandteilen. 


Dem­nach ver­fügt eine Gesell­schaft über star­ken Zusam­men­halt, wenn ers­tens zwi­schen den Men­schen sta­bi­le und ver­trau­ens­vol­le sozia­le Bezie­hun­gen bestehen. Zwei­tens ist der Zusam­men­halt hoch, wenn sich alle als Teil der Gesell­schaft emp­fin­den und das Gefühl haben zuge­hö­rig zu sein. Letzt­lich kommt es drit­tens noch dar­auf an, wie stark die Men­schen sich in der Gesell­schaft für ande­re und für das Gemein­wohl ins­ge­samt ein­set­zen. Von star­kem gesell­schaft­li­chem Zusam­men­halt wür­de ich also dann spre­chen, wenn alle drei Ele­men­te vor­han­den und stark aus­ge­prägt sind. In den Stu­di­en, die ich durch­füh­re, ver­su­che ich die­se drei unter­schied­li­chen Berei­che zu mes­sen (aus­führ­lich zuletzt im ver­gan­ge­nen Jahr), um her­aus­zu­fin­den, wie stark der Zusam­men­halt in der Gesell­schaft ist, ob er sich ver­än­dert und was mög­li­cher­wei­se einen stär­ken­den oder schwä­chen­den Ein­fluss auf den Zusam­men­halt hat. 

Wie steht es um den Zusam­men­halt in Deutschland?

Der ver­brei­te­te Ein­druck, der Zusam­men­halt sei in den letz­ten Jah­ren zurück­ge­gan­gen, lässt sich in unse­ren Stu­di­en erst­mal nicht bestä­ti­gen. Viel­mehr zeigt sich eine gro­ße Sta­bi­li­tät. Trotz­dem gibt es Pro­ble­me. Zum einen sagt Sta­bi­li­tät ja noch nichts dar­über aus, wie hoch das Niveau des Zusam­men­halts ist. Die bis­her erwähn­ten Ergeb­nis­se bezie­hen sich ledig­lich auf den Trend und nicht auf die Aus­prä­gung des Zusam­men­halts in der Gesell­schaft. Zum ande­ren kann es sein, dass der Zusam­men­halt in der Gesell­schaft zwar ins­ge­samt recht gut ist, aber nicht alle Men­schen oder Grup­pen dar­in ein­ge­schlos­sen sind. Viel­leicht gibt es den star­ken Zusam­men­halt ja gar nicht für alle in glei­chem Umfang? Bei­des haben wir uns in den letz­ten Jah­ren in Stu­di­en genau­er angeschaut. 

Wo lie­gen die Her­aus­for­de­run­gen für den Zusammenhalt?

Im Hin­blick auf ein­zel­nen Dimen­sio­nen von Zusam­men­halt zeigt sich, dass bei­spiels­wei­se die Akzep­tanz von Diver­si­tät im Zeit­ver­lauf in Deutsch­land zwar grö­ßer wird – d.h. im Durch­schnitt sind die Men­schen immer offe­ner für Viel­falt, aber zugleich auch die Pola­ri­sie­rung bei die­sem The­ma wächst. Zum einen tre­ten hier teil­wei­se deut­li­che regio­na­le Unter­schie­de, etwas zwi­schen Ost- und West­deutsch­land auf. Zum ande­ren wer­den die, die Viel­falt bereits posi­tiv gegen­über­ste­hen noch offe­ner, wäh­rend skep­ti­sche und ableh­nen­de Hal­tun­gen sich ent­we­der kaum ver­än­dern oder teil­wei­se sogar radikalisieren.
Das Insti­tu­tio­nen­ver­trau­en, ins­be­son­de­re in poli­ti­sche Insti­tu­tio­nen, wie etwa die Bun­des­re­gie­rung und Par­tei­en, war lan­ge Zeit sehr gering aus­ge­prägt. Zu Beginn der Coro­na­pan­de­mie hat es einen über­ra­schen­den Boom erlebt, der aber nach fast einem Jahr im Aus­nah­me­zu­stand mehr oder weni­ger auf­ge­braucht ist. Hier gilt es in Zukunft das Ver­trau­en in das poli­ti­sche Sys­tem und sei­ne maß­geb­li­chen Akteu­re wie­der zu stärken. 

„Die Akzep­tanz von Diver­si­tät, das Ver­trau­en in Insti­tu­tio­nen und das Gerech­tig­keits­emp­fin­den müs­sen wir im Blick behalten.“

Ernüch­ternd ist der Blick auf das Gerech­tig­keits­emp­fin­den. Es ist seit Jah­ren sehr gering aus­ge­prägt und eine gro­ße Mehr­heit der Deut­schen hat den Ein­druck, aus ganz unter­schied­li­chen Grün­den, vom gemein­schaft­li­chen Kuchen kei­nen fai­ren Anteil abzu­be­kom­men. Hier gab es zuletzt von 2017 zu 2020 zwar sogar einen leich­ten Anstieg, d.h. ein etwas grö­ße­rer Anteil emp­fin­det die gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen inzwi­schen als gerech­ter, aber immer noch ist eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit unse­rer Befrag­ten der Mei­nung, die­se wären ungerecht.

Trotz die­ser drei „Bau­stel­len“ – Akzep­tanz von Viel­falt, Insti­tu­tio­nen­ver­trau­en und Gerech­tig­keits­emp­fin­den – ist der gesell­schaft­li­che Zusam­men­halt im Durch­schnitt in Deutsch­land aber durch­aus sta­bil. Jedoch haben zwei unse­rer Stu­di­en aus dem letz­ten Jahr deut­li­che Hin­wei­se dar­auf gege­ben, dass nicht alle Bevöl­ke­rungs­grup­pen glei­cher­ma­ßen in die­sen Zusam­men­halt mit ein­ge­bun­den sind. In einer Stu­die zum Zusam­men­halt in Baden-Wür­t­­te­m­­berg zeig­te sich, dass ins­be­son­de­re chro­nisch Kran­ke, Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, ärme­re Men­schen, Allein­er­zie­hen­de und gene­rell Frau­en einen gerin­ge­ren Zusam­men­halt erle­ben. Eine Ana­ly­se für Gesamt­deutsch­land bestä­tigt dies ins­be­son­de­re für Men­schen mit gerin­ger for­ma­ler Bil­dung und nied­ri­gem Haushaltseinkommen.

In der Pan­de­mie behaup­tet sich der Zusam­men­halt zunächst, aber das Spal­tungs­ri­si­ko steigt

In der Coro­­na-Pan­­de­­mie ver­schär­fen sich die­se Unter­schie­de. Im ers­ten Halb­jahr 2020 hat sich der gesell­schaft­li­che Zusam­men­halt in Deutsch­land ange­sichts die­ser Jahr­hun­der­t­her­aus­for­de­rung bewährt und sogar leicht zuge­nom­men: Wie bereits erwähnt, stieg bei­spiels­wei­se in der soge­nann­ten „Stun­de der Exe­ku­ti­ve“ das Insti­tu­tio­nen­ver­trau­en an. Auch im Hin­blick auf die zwi­schen­mensch­li­che Soli­da­ri­tät, waren unse­re Befrag­ten anfangs opti­mis­tisch gestimmt. Bis zum Jah­res­en­de hat­ten sich die­se Effek­te aber größ­ten­teils wie­der in Luft aufgelöst.

Bei genaue­rem Hin­se­hen erkennt man jedoch, eine pro­ble­ma­ti­sche Ent­wick­lung, die bei der Soli­da­ri­tät beson­ders gut sicht­bar wird: Die posi­ti­ven Zuge­win­ne an wahr­ge­nom­me­ner Soli­da­ri­tät fin­den sich näm­lich fast aus­schließ­lich in den mitt­le­ren und geho­be­nen sozia­len Lagen der Gesell­schaft. Men­schen mit nied­ri­gem Ein­kom­men und nied­ri­ger Bil­dung bewer­ten die Soli­da­ri­tät im Land im Jah­res­ver­lauf eher schlechter.

Zusam­men­halt stär­ken — aber wie?

Die gro­ße Gefahr der aktu­el­len Kri­se für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt besteht dar­in, dass den offen zuta­ge getre­te­nen Unzu­läng­lich­kei­ten und Unge­rech­tig­kei­ten inner­halb der Gesell­schaft nicht ange­mes­sen begeg­net wird. Wir haben jetzt gese­hen, wie belas­tend die Pan­de­mie für Men­schen im Nied­rig­lohn­sek­tor ist, wie her­aus­ge­for­dert Pfle­ge­kräf­te und medi­zi­ni­sches Per­so­nal sind, wie ungleich die wirt­schaft­li­chen Här­ten ver­teilt sind. Zum sozia­len Spreng­stoff wer­den die­se Umstän­de, wenn sie nach dem Ende der Pan­de­mie nicht glaub­haft von Poli­tik und Gesell­schaft ange­gan­gen wer­den. In unse­rer Stu­die zum Zusam­men­halt in Baden-Wür­t­­te­m­­berg haben wir gezielt unter­sucht, wie man vor Ort mit poli­ti­schen Maß­nah­men den Zusam­men­halt stär­ken kann. Hier hat sich gezeigt, dass ins­be­son­de­re sol­che Maß­nah­men geeig­net sind, die Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­den hel­fen, die Armut vor­beu­gen oder bekämp­fen und die die Inte­gra­ti­on beför­dern. Dies wer­den ver­mut­lich auch in der Post-Coro­­na-Pha­­se die Hand­lungs­fel­der sein, auf denen drin­gen­der Bedarf bestehen bleibt.

„Wir müs­sen uns, viel­leicht mehr als je zuvor, um den Zusam­men­halt bemühen.“

Nicht nur wegen der aktu­el­len Kri­sen­si­tua­ti­on, son­dern auch auf­grund der fun­da­men­ta­len Wand­lungs­pro­zes­se, wie Glo­ba­li­sie­rung, Digi­ta­li­sie­rung, demo­gra­phi­scher Wan­del usw., die unse­re Gesell­schaft bereits seit eini­gen Jah­ren deut­lich ver­än­dern, ist gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit mehr, die von ganz allein ent­steht. Wir müs­sen uns, viel­leicht mehr als je zuvor, um ihn bemü­hen. Das bedeu­tet nicht, dass es heu­te kei­nen Zusam­men­halt mehr geben wür­de oder dass er in Zukunft ver­schwin­den wür­de. Es heißt vor allem, dass vie­le Ele­men­te, die den Zusam­men­halt in der Ver­gan­gen­heit, fast wie von selbst, gestützt haben, sich gera­de ver­än­dern und wir uns bemü­hen müs­sen, die­sen Ver­än­de­rungs­pro­zess so zu gestal­ten, dass der Zusam­men­halt dabei nicht zu kurz kommt oder ein­zel­ne Bevöl­ke­rungs­grup­pen davon aus­ge­schlos­sen werden.

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Was mei­nen Sie, was kann jede/r ein­zel­ne für den Zusam­men­halt tun?

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CARI­­TAS-SONG FÜR KIN­DER UND JUGEND­LI­CHE IN DER PANDEMIE 

Portrait Oscar Hannabach

Oscar Han­na­bach
19.04.2021



Die Coro­na­pan­de­mie ist har­te Rea­li­tät. Sich zwang­los tref­fen, gemein­sam fei­ern — das macht das Virus der­zeit vor allem für Kin­der und Jugend­li­che unmög­lich. Unein­ge­schränkt mög­lich ist aller­dings das Träumen… 

… wie es sein könn­te und hof­fent­lich wie­der wer­den wird, wenn die Pan­de­mie end­lich bezwun­gen ist. Davon — und vom Zusam­men­hal­ten — erzählt der Song “Träum in dei­nem Herzen”.

Alex­an­der Tri­e­sch­mann und Oscar Han­na­bach, Füh­rungs­kräf­te in der Jugend­hil­feein­rich­tung Maria­hof in Hüfin­gen, spie­len bereits seit eini­gen Jah­ren zusam­men in einer Rock­band. So ent­stand die Idee, gemein­sa­me Songs für Kin­der und Jugend­li­che wäh­rend der Pan­de­mie zu schrei­ben. Denn die Musik war und ist für vie­le von ihnen ein wich­ti­ger Ankerplatz.
Die bei­den Musi­ker haben eine CD mit zwei eige­nen Songs sowie einer Cover­ver­si­on von Peter Maffay’s „ich woll­te nie erwach­sen sein“ pro­du­ziert. #Das­Ma­chen­Wir­Ge­mein­sam — the Liquid­stu­dio Lock­down Ses­si­ons” heißt sie. Die Melo­die und die Gitar­renar­ran­ge­ments stam­men von Oscar Han­na­bach, die bei­den Tex­te für die Songs hat Alex­an­der Tri­e­sch­mann geschrie­ben. Einen Bonus-Song von Peter Maf­fay haben die bei­den Musi­ker mit Zustim­mung des Künst­lers selbst auf­neh­men kön­nen. Die drei Songs wur­den im März 2021 in den Liquid Stu­di­os in Frei­burg unter der Regie von Mar­kus Hein­zel aufgenommen. 

Dem Lock­down mit Ideen, guter Stim­mung und Moti­va­ti­on begegnen

In Maria­hof wur­den zu Beginn des Lock­down alle Ter­mi­ne und Kon­fe­ren­zen sowie Tagun­gen abge­sagt, Video­kon­fe­ren­zen fan­den für die wich­tigs­ten Rege­lun­gen statt. Es gab Ver­dachts­fäl­le und Tes­tun­gen bei Mit­ar­bei­tern und Kin­dern. Für den Fall der posi­ti­ven Ergeb­nis­se wur­den Not­fall­plä­ne gemacht. Die Wohn­grup­pen kön­nen nicht ein­fach geschlos­sen und die Mit­ar­bei­ten­den nach Hau­se oder ins Home­of­fice geschickt wer­den. Im Gegen­teil, die Ein­rich­tung hat­te und hat den Auf­trag und die Ver­ant­wor­tung, die Kin­der und Jugend­li­chen in vol­lem Umfang zu ver­sor­gen und zu betreuen.
Die Betreu­ungs­zei­ten für die Wohn­grup­pen sind nach wie vor durch Schul- und Kita­schlie­ßun­gen deut­lich aus­ge­wei­tet, das heißt die Ein­rich­tung muss mit dem glei­chen bzw. mit ver­rin­ger­tem Per­so­nal deut­lich mehr Betreu­ungs­zei­ten abde­cken. Es fin­det kei­ne oder kaum Schu­le mehr statt, alle Frei­zeit­ak­tio­nen mit exter­nen Fach­kräf­ten sind abge­sagt, die Kin­der und Jugend­li­chen sind die gan­ze Zeit in der Ein­rich­tung und dür­fen auch nur inner­halb der eige­nen Grup­pe Kon­takt haben. Das ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Erzieher_innen und Sozialpädagog_innen. Es gilt, dem „Lager­kol­ler“, der auch in vie­len Fami­li­en auf­tritt, mit Ideen, guter Stim­mung und Moti­va­ti­on zu begegnen.

Uner­müd­lich an der Sei­te der Kin­der und Jugendlichen

Die Fach­kräf­te der Ein­rich­tung leis­ten unglaub­lich viel, sie sind an der Sei­te der Kin­der und Jugend­li­chen und haben wie Kran­ken­pfle­ge­kräf­te und die Mit­ar­bei­ten­den in Alten- und Behin­der­ten­hil­fe und im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del viel mehr Arbeit als sonst zu tun, müs­sen stän­dig prä­sent sein und die Kin­der und Jugend­li­chen beschäf­ti­gen und ihnen erklä­ren, war­um sie plötz­lich alles nicht mehr dür­fen, was ges­tern noch wich­tig war und Freu­de gemacht hat. Die Ängs­te, in der Schu­le abge­hängt zu wer­den, sind bei unse­ren Kin­dern stär­ker, weil sie mehr nach­zu­ho­len haben.
Die Kon­tak­te zu den Fami­li­en, die für die meis­ten Kin­der das wich­tigs­te in ihrem Leben sind, fin­den seit Coro­na weni­ger statt. Die Freun­de und Spiel­ge­fähr­ten sind nicht mehr ver­füg­bar. Die Feri­en­ak­ti­vi­tä­ten fal­len aus, Besu­che bei Freun­den und Ver­wand­ten auch. Die Grup­pen­mit­glie­der sind zwar – im Moment immer – da, aber das hat ja auch zwei Sei­ten, die Kon­flik­te wer­den eher mehr als weni­ger, wenn man so dicht zusam­men ist.

Unter­stüt­zen Sie die Ein­rich­tung mit dem Kauf der CD 

Für fünf Euro kann die CD bei den Initia­to­ren käuf­lich erwor­ben wer­den. Kon­takt: hannabach@mariahof.de oder trieschmann@mariahof.de
Der Erlös kommt 1:1 den Kin­dern und Jugend­li­chen in Maria­hof zugute.
Hier fin­den Sie das You­tu­be-Video zum Song “Träum in dei­nem Herzen”.

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FAI­RE ARBEITS­BE­DIN­GUN­GEN FÜR DIE SOZIALWIRTSCHAFT

Kerstin Tote

Kers­tin Tote
12.04.2021



Die Initia­ti­ve „Mehr wert als ein Dan­ke“ setzt sich für fai­re­re Arbeits­be­din­gun­gen in der Sozi­al­wirt­schaft ein. 53.000 Unter­zeich­nen­de unter­stütz­ten For­de­run­gen nach bes­se­rer Ent­loh­nung, ver­stärk­ter Wei­ter­bil­dung und mehr Wertschätzung.

Die Peti­ti­on “Mehr wert als ein Dan­ke. Arbei­ten mit und für Men­schen” ist eine Initia­ti­ve aus der Sozi­al­wirt­schaft. Unter­stützt wird sie von über 120 Stif­tun­gen, Ver­bän­den, Ein­rich­tun­gen und Diens­ten aus der gesam­ten Frei­en Wohlfahrtspflege.

Sie haben sich zusam­men geschlos­sen, um drei zen­tra­le For­de­run­gen für die Mit­ar­bei­ten­den in Sozi­al­un­ter­neh­men an die Poli­tik und Gesell­schaft zu adres­sie­ren:
1.) Bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen
2.) Gerech­ter Lohn
3.) Mehr Wertschätzung.

Die Über­ga­be der 53.000 Unter­schrif­ten fand am 18. Novem­ber 2020 unter erschwer­ten Bedin­gun­gen statt. Durch die Hygie­ne­maß­nah­men auf­grund der Coro­­na-Pan­­de­­mie durf­te nur eine klei­ne Dele­ga­ti­on der Initia­ti­ve den Bun­des­tag betre­ten. Mit dabei waren neben dem CBP der Lebens­hil­fe Bun­des­ver­band und der Bun­des­ver­band evan­ge­li­scher Behin­der­ten­hil­fe. Die stif­tung st. fran­zis­kus hei­li­gen­bronn und St. Augus­­ti­­nus-Behin­­der­­ten­hil­­fe ver­tra­ten Ein­zel­trä­ger. Auch die Demons­tra­ti­on gegen die Coro­­na-Poli­­tik der Bun­des­re­gie­rung, die par­al­lel zur Über­ga­be der Peti­ti­on in Ber­­lin-Mit­­­te statt­fand, sorg­te für zusätz­li­che Hürden.

„Die Peti­ti­on ist ein Appell an die Poli­tik, sich mit den Anlie­gen der Pra­xis aus­ein­an­der­zu­set­zen und wei­te­re Wei­chen für eine zukunfts­fes­te Sozi­al­po­li­tik zu stellen.“

Für Mari­an Wendt, Vor­stand des Peti­ti­ons­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­tags zeigt der Erfolg der Peti­ti­on, dass der Druck in der Sozi­al- und Gesund­heits­bran­che immens ist: „Die Peti­ti­on ist ein Appell an die Poli­tik, sich mit den Anlie­gen der Pra­xis aus­ein­an­der­zu­set­zen und wei­te­re Wei­chen für eine zukunfts­fes­te Sozi­al­po­li­tik zu stel­len.“ Neben Mari­an Wendt nah­men die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Marc Bia­dacz (CDU/CSU) und Kers­tin Kass­ner (Die Lin­ke) als Obmann und Obfrau die Peti­ti­on ent­ge­gen. Auch der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Karl Lau­ter­bach begrüß­te im Foy­er des Paul-Löbe-Hau­­ses die Initia­ti­ve sehr. 

Wie kann die Attrak­ti­vi­tät der sozia­len Beru­fe ver­bes­sert werden?

Im Kern ruft die Initia­ti­ve zu einer Inten­si­vie­rung des poli­ti­schen Dis­kur­ses dar­über auf, was sozia­le und pfle­gen­de Arbeit in unse­rer Gesell­schaft braucht, damit sie mehr finan­zi­el­le und sozia­le Aner­ken­nung erlangt. Es geht den Initia­to­ren um die Soli­dar­kos­ten, die die Gesell­schaft ins­ge­samt bereit ist, für die­je­ni­gen zu geben, die ihr Recht auf gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be nicht ohne Hil­fe, Pfle­ge oder Unter­stüt­zung gestal­ten kön­nen. Damit ist direkt die Siche­rung des Sozi­al­staa­tes ver­bun­den. Leis­tungs­ent­gel­te und Pfle­ge­sät­ze müs­sen deut­lich erhöht wer­den, damit fai­re Löh­ne und fach­li­che Wei­ter­ent­wick­lun­gen (u. a. beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung) über­haupt bezahl­bar sind. Über bes­se­re Aus- und Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te soll gera­de auch bei der jün­ge­ren Genera­ti­on die Attrak­ti­vi­tät der Beru­fe in der Sozi­al- und Pfle­ge­wirt­schaft ver­bes­sert wer­den, um den bestehen­den Fach­kräf­te­man­gel min­dern zu können.
Die Coro­­na-Pan­­de­­mie hat Deutsch­land wirt­schaft­lich hart getrof­fen, so dass es künf­tig Ver­tei­lungs­kämp­fe über die Sozi­al­aus­ga­ben geben wird. Die Initia­ti­ve appel­liert an die Gesell­schaft, sich wie­der bewusst zu machen, war­um der Sozi­al­staat für alle dar­in leben­den Men­schen so wich­tig ist: Er sichert unser Zusam­men­le­ben in einer Demokratie.

Wie geht es weiter?

Aktu­ell wird die Peti­ti­on durch den Peti­ti­ons­aus­schuss beur­teilt. Die­ser Aus­schuss holt mög­li­cher­wei­se eine Stel­lung­nah­me beim zustän­di­gen Minis­te­ri­um oder der Auf­sichts­be­hör­de ein, die dann geprüft wer­den muss. Erst danach kann der Peti­ti­ons­aus­schuss emp­feh­len das Ver­fah­ren abzu­schlie­ßen. Dazu gehört ein Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges ent­spre­chend der Emp­feh­lung des Peti­ti­ons­aus­schus­ses. Die­ses umfäng­li­che Prü­fungs­ver­fah­ren wird eini­ge Zeit in Anspruch neh­men. Par­al­lel dazu wird die Initia­ti­ve „Mehr wert als ein Dan­ke“ die drei Zie­le der Peti­ti­on noch wei­ter konkretisieren.
Mehr dazu fin­den Sie hier.

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